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Der Blick zum Himmel reicht nicht aus

Kreiserntedankfest Der Blick zum Himmel reicht nicht aus

Beim Kreiserntedankfest stand neben besinnlichem, religiös geprägten Dank für die geernteten Feldfrüchte das Wetter im Mittelpunkt.

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Etwa 300 Gäste feierten das Erntedankfest des Kreisbauernverbands in der Maschinenhalle des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie Henkel in Erksdorf.

Quelle: Manfred Schubert

Erksdorf. „Das Erntedankfest hat im Laufe der Zeit nichts von seiner Bedeutung verloren. Letztendlich ist es ein Symbol für unser aller Lebensgrundlage, die Ernährung. Es gibt gute Gründe zum Danken, seien sie religiöser oder weniger religiöser Natur, ein gedeckter Tisch ist immer eines Dankes wert“, sagte Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbands Marburg-Kirchhain-Biedenkopf.

Lölkes betonte, dass der Landwirt noch so gut planen, seinen Boden vorbereiten, optimal düngen und pflegen könne, das letzte Wort habe doch das Wetter. „Viele mussten ihr Getreide regelrecht in den wenigen Stunden, in denen die Flächen überhaupt befahrbar waren, vom Acker stehlen. Brotgetreide war oft nur als Viehfutter zu gebrauchen“, beklagte sie.

„Wie wir alle wissen, ist die Gewinnspanne in der Landwirtschaft äußerst gering, oftmals kaum ausreichend. Es ist keine neue Erkenntnis, dass nicht in sondern an der Landwirtschaft verdient wird“, erläuterte sie und appellierte an die anwesenden Politiker, mitzuhelfen, die schwere Arbeit der Landwirte nicht noch schwerer zu machen und Grundlagen für ein auskömmliches Einkommen zu schaffen.

Zur Frage, ob künftig mit verstärkten Wetterkapriolen zu rechnen sei oder das aus landwirtschaftlicher Sicht schlechte Jahr normal sei, hatte der Verband Thomas Ranft, Moderator der Sendung „Alle Wetter“ beim Hessischen Rundfunk, als Festredner eingeladen. „Was für ein Wetter! - Ist das denn noch normal?“, lautete der Titel seines Vortrags. Bei der Anfahrt habe er gedacht, angesichts der Solardächer, Windräder und der Nahwärmeanlage sei Erksdorf die Hauptstadt der Energiewende, schilderte Ranft.

Thomas Ranft warnt vor Eingriffen in die Natur

Noch ist das Wetter bei uns normal, so seine These. Was sich geändert habe, sei die Wahrnehmung aufgrund der vielen Medien, die über Ereignisse berichten. „Früher gab es einen Sturm und keiner hat es gemerkt. Nur der Stammtisch und die 200 Leute im betroffenen Dorf wussten davon“, sagte Ranft. Auch die Erinnerungen, dass früher im Winter immer Schnee und man im Sommer immer am Baggersee gelegen habe, seien verklärt. „Es gibt Veränderungen, aber die sieht man bei uns am wenigsten, wir haben einfach Glück, dass wir in einer gesegneten Gegend leben“, erklärte er. Die Welt verändere sich klimatisch, aber die Veränderungen könne man schlecht greifen. Sichtbar werde der Klimawandel etwa in Syrien, wo es von 2006 bis 2010 aufeinanderfolgende Dürren gegeben habe.

Ausdrücklich warnte Ranft vor Versuchen, direkt das Klima verändern zu wollen: „Immer, wenn wir in die Natur eingegriffen haben, war es hinterher niemals besser als vorher, beispielsweise nach der Rheinbegradigung. Wenn wir das mit der Atmosphäre versuchen, vernichten wir sie wirklich. Ich hoffe, die Menschen sind klug genug zu sagen, wir lassen das. Wenn wir eine Sache verbessern, halsen wir uns drei neue Probleme auf.“

Ähnlich hatte Pfarrer Michael Fenner, der den Erntedank-Gottesdienst leitete, in seiner Predigt angemahnt, sich um gegenseitiges Wohlergehen, Frieden und Gerechtigkeit, auch Klimagerechtigkeit, zu bemühen und dazu den eigenen Lebensstil zu hinterfragen. „Wir sagen danke heute, doch uns ist klar, mit einem Blick zum Himmel allein, einem fröhlichen Fest, ein bisschen Folklore ist es nicht getan.“ Natürlich seien die Regierungen gefragt, doch die bräuchten Ermutigung von uns allen, um selbstgesteckte Klimaziele zu erreichen. „Natürlich haben die Steaks, die ich esse, etwas mit dem Klima zu tun, und die Kilometer, die ich fahre oder fliege, der SUV, den ich kaufe oder besser nicht kaufe. Und wie wir unsere Dörfer heizen“, fand Fenner und forderte dazu auf, sich mehr mit diesen Fragen zu beschäftigen und sich für die Zusammenhänge des Lebens zu interessieren, um kundiger und bescheidener zu werden.

von Manfred Schubert

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