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Den Werken Hoffmanns auf der Spur

Staatsarchiv Den Werken Hoffmanns auf der Spur

Karten sind doch eh langweilig? Nein, sagen zumindest Kartenspezialisten der Universität Würzburg. Sie beschäftigen sich schon seit Langem mit den Karten des Elias Hoffmann.

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Zuhörer des Vortrags betrachten die Spessartkarte.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. Karten gelten als „die Stiefkinder der Wissenschaft“, erklärte Johanna Lehmann. Sie referierte im Hessischen Staatsarchiv Marburg zum Thema „Pragmatische Visualisierung: Herrschaft, Recht und Alltag in Verwaltungskarten“. Denn die Menschen sollten erfahren, welche Bedeutung Karten für das Verständnis ihrer Entstehungszeit mit sich bringen. Amüsanterweise hatte Lehmann aber während ihres Studiums selbst nie auch nur das Geringste mit Karten zu tun. Wie kam sie dann dazu, etwa ein halbes Jahrhundert alte Karten zu untersuchen, darüber sogar ein Buch zu schreiben? „Ich war mit Karten null bewandert, wollte mich aber einfach des Themas und der Herausforderung annehmen, weil ich es schade fand, dass Karten in der Wissenschaft wenig Beachtung finden.“ Allerdings wird die sogenannte Spessartkarte, mit der sich Lehmann hauptsächlich beschäftigt, nur bei eingefleischten Kartenliebhabern auf Interesse stoßen, ist das Thema schon ziemlich trocken.

Lehmann scheint auf jeden Fall begeistert: „Historische Karten schreiben Geschichte“, beteuerte die Wissenschaftlerin. Derlei Werke seien thematische Zweckkarten und Kunstwerke zugleich. Der Unterschied zu Bildern seien die in den Karten enthaltenen Zusatz-Infos, die in der Natur so natürlich nicht zu finden sind.

Karten nährten auch "Identität"

Die Spessartkarte, die der Frankfurter Wappenmaler Elias Hoffmann im Auftrag der Grafschaft Hanau um 1585 erstellte, zeige zum Erstaunen der Wissenschaft im Gegensatz zu zeitgenössischen Kunstwerken keine mittelalterlichen Elemente, sondern wirke sehr neuzeitlich. „Alles Wichtige ist größer gezeichnet, mittig oder farbig hervorgehoben“, erklärte Lehmann. Zwölf unterschiedliche Forschungsgebiete können von Karten lernen.

Die Vermessungstechnik, die der Schöpfer der Karten von Frankfurt bis zum Spessart genutzt hat, sei laut Lehmann auch recht fortschrittlich. Hoffmann habe vermutlich wie der zur gleichen Zeit lebende Kartograph Paul Pfinzing, ausgestattet mit einem Marschkompass, einem Schrittzähler und einem Tachometer für sein Pferdefuhrwerk die Gegend erkundet. Damit kam er der in Europa und Amerika im 19. und 20. Jahrhundert etablierten Methode der Triangulation sehr nahe.

Weil Karten auch „Identität“ nährten, hat sich in den 90er-Jahren der Verein „Archäologisches Spessart-Projekt“ gegründet. Der Spessart liegt zwar zu großen Teilen in Bayern, aber ein Teilgebiet ist hessisches Gebiet. Über diese Grenze hinweg versuche der Verein, sich für den Erhalt des Spessart bei den Landesregierungen einzusetzen, sagte Dr. Gerrit Himmelsbach.

Der Spessart sei die Heimat vieler Menschen, daher engagiere sich der Verein auch für die dort lebenden Menschen. „Heimat entsteht laut Gerhard Ermischer aus der Verknüpfung von emotionaler Bindung und sozialer Vernetzung an einem konkreten Ort.“

von Yannic Bakhtari

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