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Den Rettern läuft die Zeit davon

Nach dem Erdebeben in Nepal Den Rettern läuft die Zeit davon

Wenige Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal gibt es ersten Streit um das lebensnotwendige Trinkwasser.

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Verletzte Erdbebenopfer aus der Gegend von Trishuli Bazar werden an Bord eines Flugzeugs nach Kathmandu transportiert.

Quelle: Han

Marburg/Kathmandu. Die ungleiche Verteilung der Hilfsgüter erhöhe das Risiko von Feindseligkeiten zwischen den Bedürftigen, warnte das UN-Büro für Katas­trophenhilfe (Ocha). In Einzelfällen habe es Auseinandersetzungen um Wasser gegeben. Der deutsche Zweig des Kinderhilfswerks Unicef mahnte, die Hilfe müsse kräftig ausgeweitet werden, sonst sei eine „Katas­trophe nach der Katastrophe“ zu befürchten.

Terra Tech ist nach eigenen Angaben seit vielen Jahren in Nepal tätig und realisiert Projekte über lokale Partnerorganisationen. Die nepalesische Partnerorganisation INF hat Montag und Dienstag etwa 300 Menschen in zwei Dörfern mit ihrem mobilen Medical Camp, bestehend aus fünf Ärzten und zusätzlichem Assistenzpersonal, versorgt und nachts zudem in einem Militärcamp in Gurkha übernachtet (etwa 20 Kilometer vom Epizentrum). Die Zerstörung ist insbesondere in den ländlichen Regionen enorm, teilen die Helfer vor Ort mit. Derzeit wird ein weiterer Hifskonvoi von Pkhara in die Bergregion mit Zelten, Decken und Nahrung vorbereitet. Insgesamt sollen 1000 Zelte verteilt werden, um das unmittelbare Überleben der Menschen zu sichern. Gleichzeitig werden 2000 Notpakete gepackt, die mittels Hubschrauber in entlegenen Dörfern abgeworfen werden, beziehungsweise, falls per Straße erreichbar, mit dem Lkw verteilt werden sollen.

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Inmitten von Trümmern und Elend gab es dennoch einen Hoffnungsschimmer: In Nepals Hauptstadt Kathmandu bargen Helfer einen verschütteten Mann nach fast 82 Stunden.

Bergungskräfte ziehen vor allem Tote aus den Trümmern

Opfer: Die Rettung Überlebender kommt inzwischen fast einem Wunder gleich. Die Bergungskräfte ziehen vor allem Tote aus den Trümmern - bis Mittwoch waren es allein in Nepal mehr als 5000. Außerdem seien mindestens 10000 Menschen verletzt worden, hieß es am Mittwoch vom nepalesischen Innenministerium.

Hinzu kommen 100 Tote in den Nachbarländern Indien und China. Helfer fürchten, dass die Opferzahl deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen von Helfern erreicht werden. Den Rettern läuft die Zeit davon: Der Monsun erreicht Nepal im Mai, schon jetzt erschweren Regenfälle immer wieder die Aufräumarbeiten.

Nur wenige Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser

Mangel: Nach Einschätzung von Unicef droht der Bevölkerung in Nepal ein Trinkwasser-Notstand. In Bhaktapur nahe der Hauptstadt Kathmandu hätten derzeit nur 20 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, berichtete das UN-Kinderhilfswerk in Köln nach Schilderungen eigener Erkundungsteams aus schwer verwüsteten Orten. Außerdem würden dringend Toiletten benötigt.

Kritik an Rettung: Helfer berichteten von Ansätzen einer „Zwei-Klassen-Hilfe“. „Fakt ist, im Moment werden Touristen bevorzugt behandelt und viele andere fallen hinten runter“, sagte Rainer Brockhaus, Präsident des kirchlichen Bündnisses Entwicklung Hilft. „Die Hubschrauber fliegen dorthin, wo sie Geld bekommen.“

Nach langer Hängepartie Hilfe aus Deutschland

Kritik an Regierung: Auch aus Deutschland mehrt sich Kritik wegen der schlechten Versorgungslage. Der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe mahnte eine bessere Prävention für künftige Katastrophen in dem Himalaya-Staat an. Es müssten Evakuierungsräume geschaffen und Siedlungen gebaut werden, die Erdbeben standhalten können, forderte Christoph Strässer im Deutschlandfunk. Die nepalesische Regierung hatte eingeräumt, trotz Erdbebenwarnungen unvorbereitet gewesen zu sein.

Hilfe aus Deutschland: Nach langer Hängepartie konnte ein in Berlin gestarteter Hilfsflug mit 60 Tonnen Gütern wie Zelten, Decken und Hygienepaketen in Kathmandu landen. Die Güter im Wert von 670000 Euro seien bereits entladen und würden für den Weitertransport mit Lastwagen vorbereitet, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. An Bord waren auch zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, ein mobiles Labor sowie Camp-Ausstattung für das Technische Hilfswerk (THW).

EU hat drei Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt

EU-Hilfe: „Das ist ein großer humanitärer Notfall“, sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in Brüssel. Er wollte noch am Mittwoch nach Nepal fliegen. Er reise dorthin, um zu sehen, wie Europa weiter helfen könne, und um den Helfern Mut zu machen.

Die EU-Kommission hatte am Wochenende drei Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Zudem mobilisierten mehrere EU-Staaten mindestens 25 Millionen Euro, wie die EU-Kommission jetzt berichtete. Unter Koordination der Europäischen Union hätten bislang 15 EU-Länder und Norwegen materielle Unterstützung und Helferteams angeboten.

Flughafen: Der ohnehin überlastete Flughafen in Kathmandu, der einzige internationale Airport des Landes, musste am Mittwoch vorübergehend wegen Rissen in der Landebahn gesperrt werden, wie lokale Journalisten berichteten.

Verletzte werden per Hubschrauber zu Kliniken gebracht

Die Risse seien aber schnell repariert worden. Zahlreiche Flüge mit Hilfsgütern mussten in den vergangenen Tagen wegen Überlastung des Flughafens unverrichteter Dinge wieder umkehren.

Terra Tech: Die nepalesische Partnerorganisation der Marburger Hilfsorganisation Terra Tech ist weiterhin im Krisengebiet im Einsatz. Das mobile Ärzteteam des International Nepal Fellowship (INF) ist nach einem ersten Einsatz in Gurkha zurück in der Stadt Pokhara. Dort kommen per Hubschrauber Verletzte aus den Bergregionen an und werden in öffentlichen und in die Kliniken des INF versorgt. Auf dem Rückweg nehmen die Helikopter Notpakete mit, die sie in der Bergregion abwerfen. Ein weiteres Nothilfeteam mit Ärzten und Pflegern des INF bereitet sich auf das Ausrücken in entlegene Dörfer vor. Ein weiterer Hilfskonvoi soll heute von Pokhara aus in die Berge starten und Zelte, Decken und Nahrung zu den Menschen bringen. Terra Tech bittet weiter um Spenden.

Weitere Informationen zur Marburger Hilfe unter www.terratech-ngo.de

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