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Den Hausberg dominieren Fremde

Red Bull Hill Chasers Marburg Den Hausberg dominieren Fremde

Am Samstagabend verwandelten sich die Straßen zwischen den Oberstadt-Kneipen in eine Rad-Rennstrecke. Beim Bergaufrennen in der Oberstadt blieben die Athleten aus der Region ohne Chance.

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Einer der schnellsten war der jüngste Fahrer: Der 17-jährige Oliver Keller aus Estland legte auch nach den kräftezehrenden Achtel- und Viertelfinalfahrten im Halbfinale noch ein solches Tempo vor, dass er nach zweihundert Metern, etwa auf Höhe des Café Vetter, einen Vorsprung herausgefahren hatte. Im Finale belegte der junge Rennrad-Profi den dritten Platz.

Marburg. Als im Finale der Startschuss fiel, dachte Matthias Pfrommer keine Sekunde an sein kaputtes Kreuzband. Der 30-Jährige schoss in die erste Kurve, ließ die Pedale glühen und quälte sich die Oberstadt hinauf. Er baute den Vorsprung zu seinen drei Konkurrenten immer weiter aus, weit über Tausend Zuschauer brüllten ihn ins Ziel. Nicht mit Taktik, sondern mit purer Power errang Pfrommer den Sieg bei der Deutschland-Premiere des „Red Bull Hill Chasers“.

 

Auf den Plätzen zwei und drei landeten Oliver Laudenberg (22, Bergisch-Gladbach) und Oliver Keller (17, Estland). Ob mit Rennrad oder Mountainbike, für die Sportler ging es allein darum, die 350 Meter lange Strecke zwischen Lahntor und Marktplatz am schnellsten bergauf zu stürmen. Dabei waren 18 Prozent Steigung garantiert.

Red Bull Hill Chaser - Marburg, 26.Oktober 2013

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Für Matthias Pfrommer war es ein Kraftakt.

„Ich habe von Beginn an voll durchgetreten. So konnte ich das Tempo in der ersten Kurve vorgeben und hatte am Ende die Nase vorne“, sagte Pfrommer im Ziel. „Auch wenn die Strecke kurz erscheint, ist solch ein Wettkampf härter als jedes Langstreckenrennen.“ Beim Reden hechelte er nach Luft und klammerte sich an sein Mountainbike. Was keiner der Zuschauer wusste: Noch im April des Jahres riss sich Pfrommer das Kreuzband. Er entschied sich gegen eine Operation, setzte stattdessen auf eine konservative Behandlung. „Beim Rennen hat mich so viel Adrenalin durchflutet, dass ich keine Schmerzen im Knie gespürt habe“, sagte der Gipfelstürmer. Der aus dem Schwarzwald stammende Mountainbiker düpierte sogar die Profis, deren Fahrweise im letzten Rennen allerdings eher zurückhaltend war. Manuel Fumic, der Vize-Weltmeister in der Disziplin Cross Country hatte vorher jede Runde dominiert und kam schließlich im Finale auf dem Hinterrad als vierter ins Ziel (kl. Bild rechts).

Auf Einladung von Red Bull gingen 16 Spitzensportler an den Start. Darunter auch Triathlon-Weltmeister Daniel Unger (35) und Cross-Country-Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner Marco Fontana (29). Doch dem Sieger waren sie nicht gewachsen.

Fahrer aus der Region scheitern im Achtelfinale

Von den 450 Amateur-Fahrern stammten 115 aus der Region, von ihnen qualifizierten sich vier Hinterländer im Zeitfahren am Morgen für die Endrunde. Da lief es dann aber leider nicht mehr so rund für sie. Uwe-Peter Groß, der im Zeitfahren mit unter 18 Sekunden blieb, war gut im Rennen, bis seine Kette sprang. Um die Möglichkeit, überhaupt in der Endrunde vor dem großen Publikum anzutreten haben sie sicher viele beneidet.

Auch die beiden Marburger Sportstudenten Hannes Kuttler (24) und Jörn Gabler (28) hatten sich große Hoffnungen gemacht (die OP berichtete). Sie hatten den Sommer über hart trainiert: Kuttler war auf Mallorca als Mountainbike-Guide aktiv, Gabler absolvierte mehrere Triathlon-Rennen. Doch nach der Qualifikation war für das Duo der Gipfelsturm beendet. Kuttler fehlten 1,5 Sekunden, um weiterzukommen. „Prinzipiell bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Vielleicht habe ich etwas Zeit verschenkt, da ich am Berg nicht aus dem Sattel gegangen bin“, analysierte er. Der Tag bleibt dennoch ein unvergessliches Erlebnis. Viele Freunde waren gekommen und feuerten ihn mit einem selbstgebastelten Plakat an. Auch Gabler war nach dem Quali-Aus gefasst: „Mein Fokus liegt ohnehin auf dem Triathlon und ich habe gespürt, dass ich doch mehr der Ausdauertyp als der klassische Bergsprinter bin.“ Nun nutzen sie wieder Aufzug statt Rad, um die Oberstadt zu erreichen.

Von Ronny Zimmermann und Thomas Strothjohann

So fühlt sich das an:

Fuß vom Pedal gerutscht

OP-Redakteur Thomas Strothjohann hat sich auch der Bergstrecke gestellt: Stoffhose, Gepäckträger, Fahrradschloss und Fahrradständer – vier Merkmale, die mich zum Außenseiter machten. Das Organisationsteam störte es nicht. Ich bekam das Starterpaket mit Red Bull, Bulletin und Startnummer und stellte mich in die Schlange der Starter. Der Rennleiter, ein drahtiger Senior, sprach mir Mut zu, sein Kollege hielt mein Rad, damit ich „gehalten“, also im Stehen starten konnte. Und dann ging es los: Das erste Radrennen meines Lebens. Ganz ohne „auf die Plätze“ oder Schuss. Die ersten fünfzehn Meter liefen bestens. Doch dann löste sich mein rechter Fuß aus dem Pedal. Innehalten und wieder einklicken? Keine Zeit. Weiter treten, das Beste draus machen, dachte ich noch und dann war ich auch schon im Ziel. Für die Endrunde wäre ich sicher auch ohne das Pedalproblem zu langsam gewesen. Mit rund 30 Sekunden Qualifikationszeit bleibt mir nur ein Wort der Anerkennung für die schnellen Jungs: Helm ab!

Sieger und Stimmen:

Matthias Pfrommer (30) hat ein kaputtes Kreuzband und quälte sich dennoch zum Sieg beim „Red Bull Hill Chasers“:

„Ich habe von Beginn an voll durchgetreten. So konnte ich das Tempo in der ersten Kurve vorgeben und hatte am Ende die Nase vorne. Beim Rennen hat mich so viel Adrenalin durchflutet, das ich keine Schmerzen im Knie gespürt habe. Die Kulisse war einzigartig. Jetzt gehe ich auf Jobsuche, da ich gerade mein Maschinenbau-Studium beendet habe.“

Oliver Laudenberg (22) erreichte Platz zwei und war am Ende völlig platt:

„Nach dem Start hatte ich kaum noch Kraft, um zuzulegen. Das Rennen war hart, aber es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Stimmung in Marburg war etwas ganz Besonderes. Das ist mit der Mountainbike-Bundesliga, wo ich sonst fahre, nur schwer zu vergleichen.“

Oliver Keller (17) erreichte als jüngster Endrunden-Teilnehmer den dritten Platz:

„Ich kam nicht gut aus der ersten Kurve und hatte zu wenig Tempo für den Berg. Die ersten beiden Jungs haben extrem starke Beine und das Rennen brutal durchgezogen. Mein Traum ist es, ein professioneller Radfahrer zu werden, dafür trainiere ich hart und werde weiterhin solche Wettkämpfe nutzen, um auf mich aufmerksam zu machen.“

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Rad-Gaudi in der Oberstadt

Der Mountainbiker Matthias Pfrommer aus Calw hat sich vor jubelndem Marburger Publikum im Oberstadt-Radrennen gegen 47 Konkurrenten durchgesetzt.

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