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Den Flüchtlingen ein Sprachrohr sein

Stadt beruft Ombudspersonen Den Flüchtlingen ein Sprachrohr sein

Sie sollen Flüchtlingen, die nach Marburg kommen, ein Sprachrohr sein und sie bei der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützen: Shaima Ghafury und Karl Otto Beckmann. Am Dienstag wurden sie in ihr Amt eingeführt.

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Mohamed Bennani bringt Flüchtlingen in der Anlaufstelle das deutsche Zahlensystem bei.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich wünsche mir, die Belange der Flüchtlinge zu verstehen und ihnen zu helfen“– Kaum hat Shaima Ghafury diese Worte ausgesprochen, bekommt sie die Gelegenheit, sie in die Tat umzusetzen, als sie bei einem Rundgang durch die Camp-Anlaufstelle in Cappel von einem Flüchtling aus Afghanistan angesprochen wird. Ihre Augen funkeln, während sie sich mit dem jungen Mann in ihrer Muttersprache unterhält.

Die Interessen und Belange der Flüchtlinge wahrzunehmen und mit ihnen Lösungen zu finden, aber auch die Stadtregierung beim Thema Flüchtlinge ehrenamtlich und unabhängig zu beraten – das sind nun Shaima Ghafurys und Karl Otto Beckmanns Aufgaben.

Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wurden sie als Ansprechpartner, sogenannte „Ombudspersonen“, für die Flüchtlinge des Zelt-Camps der Erstaufnahme in Cappel berufen.

„Mit Frau Ghafury und Herrn Beckmann haben wir die Ombudspersonen so belegt wie erwünscht“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel. So seien sowohl beide Geschlechter vertreten, in Karl Otto Beckmann ein Mitglied des Ortsbeirates Cappel eingebunden sowie in Shaima Ghafury jemand, die aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, aus dem Heimatland zu fliehen.

Sozialarbeiter und Dolmetscher helfen

Ghafury kam im Jahr 1992 mit ihrem Ehemann und drei Kindern selbst als Flüchtling aus Kabul nach Marburg und setzt sich seitdem für Migranten in Marburg und für Frauen in Afghanistan und Pakistan ein. Sie gründete unter anderem den Verein „Initiative afghanisches Handwerk“, der im Laufe der Jahre vielen Flüchtlingskindern und Frauen eine Existenz und Bildung ermöglicht hat. „Ich weiß, wie es ist, wenn man in ein fremdes Land kommt und nicht weiß, wie es weitergeht“, sagt sie.

Auch Beckmann freut sich auf seine Aufgabe. Als Verfahrensbeistand für Minderjährige und gerichtlicher Betreuer hat er viel Erfahrung in der Vertretung und Wahrnehmung von Menschen in besonderen Konfliktsituationen.
Beide werden nun wöchentlich mehrere Stunden mit den Flüchtlingen verbringen und Gespräche führen. Dabei stehen ihnen die Sozialarbeiter im Camp und Dolmetscher zur Seite. „Uns ist es erstmal wichtig, uns ein Bild von der Lebenssituation und den Menschen zu machen“, sagt Ghafury. Erst dann könne man sagen, was für Aufgaben konkret auf sie zukommen.

Unterdessen sind die Hilfsangebote in der „Marburger Camp-Anlaufstelle“ im Rudert „sehr gut angelaufen“, sagt Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delvanaz. Die Kinderbetreuung werde von den Flüchtlingen sogar so gut angenommen (40 Kinder, Tendenz steigend), dass das Angebot bald erweitert werden soll.

Auch die Sprachkurse sind gut besucht. „Uuu“ macht Mohamed Bennani und schürzt seine Lippen. Seine Schüler, etwa 20 junge Männer aus Syrien und dem Irak, machen es ihm nach. Es ist nur ein Schritt auf dem Weg der jungen Flüchtlinge, die er als ihr Lehrer begleiten darf. Aber einer der ersten.

von Ruth Korte

OB Egon Vaupel (rechts) mit den beiden Ombudsleuten Shaima Ghafury und Karl Otto Beckmann vor der Flüchtlingsunterkunft in Cappel. Foto: Nadine Weigel
 
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