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Debatte um Park-Zukunft geht weiter

Naturschutz versus Wohnungsbau Debatte um Park-Zukunft geht weiter

Sozialer Wohnungsbau kontra Vitos-Park-Erhalt: Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Roteichenwaldes diskutierte mit Stadtplanern die Folgen einer möglichen Rodung der Baumbestände entlang der Cappeler Straße.

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Naturschutz versus Wohnungsbau: Bürgermeister Dr. Franz Kahle (links außen) und Stadtplaner Reinhold Kulle (2. von links) sowie Mitglieder der Bürgerinitiative diskutierten über die künftige Vitos-Park-Gestaltung.

Quelle: Arnd Hartmann

Marburg. Der Vitos-Park ist nach Ansicht der Bürgerinitiative die grüne Lunge der südlichen Stadtteile und trage „in erheblicher Weise zur Wohnqualität dort wie auch zur Behandlungsqualität in den Kliniken bei“, heißt es im Informationsschreiben des Bürgerbegehrens zum „Erhalt des Vitos-Parks“.

Bereits seit einiger Zeit besteht um das 19.000 Quadratmeter große Waldstück mit Roteichenbestand eine intensive Auseinandersetzung. Grundsätzlich beabsichtigt die dritte Änderung des Bebauungsplans Nr. 10/1 der Stadt den südwestlichen Bereich des Klinikgeländes mit überwiegend jungem Gehölzbestand, als bebaubare Fläche zur Schaffung von neuem Wohnraum auszuweisen.

Dabei soll im ersten Schritt laut Plan durch die Rodung sozialer Wohnraum entlang der Friedrich-Ebert-Straße geschaffen werden. Dementgegen möchte die Bürgerinitiative das gesamte Kliniksgebiet zuzüglich nördlicher und südlicher Randflächen aus Natur- und Klimaschutzgründen erhalten.

Vogelschutzexperte ist „von den Socken“

Dass die „Abwägung von baulichen Maßnahmen auf diesem Gebiet notwendig sei“, sagte Bürgermeister Dr. Franz 
Kahle (Grüne) bei der Ortsbegehung am Wochenende. Dennoch blieben bei dem aktuellen Raumplanungskonzept einige Fragen offen: So sieht Professor Martin Kraft, Vogelschutzexperte, das zur Veräußerung stehende Teilstück des Landeswohlfahrtsverbands als 
 „erhaltenswerten Lebensraum“ für dort vorzufindende Tierarten.

„Ich kann nicht nachvollziehen, warum der Naturschutzbeirat der Stadt da nicht stopp gesagt hat. Denn das kann aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht bebaut werden.“ Er sei „von den Socken, was dort los ist“, beschrieb Kraft seine Eindrücke nach Begutachtung des im Park lebenden Tierbestandes.

Er konstatierte „erhebliche Lücken“ in dem aus März 2014 erstellten „Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag“ von einem Landschaftsökologie-Büro, das in der Zusammenfassung erklärt: „Schäden an Arten oder natürlichen Lebensräumen im Sinne des Umweltschadensgesetzes sind durch die geplanten Neubauvorhaben nicht zu erwarten.“

Kahle hingegen erläuterte, dass der „Naturschutzbeirat versucht, in Hinblick auf die Schaffung von Wohnraumflächen die Naturschutzfragen mit einzubeziehen“. Eine Aufforstung der zur Rodung stehenden Fläche durch Hessen Forst an anderer Stelle, welche jedoch nicht im Stadtgebiet erfolgen könne, sieht die Bürgerinitiative nicht als Gewinn.

Bürgerinitiative hält an
 Unterschriften-Aktion fest

Dennoch sollen der Baumbestand im „Zentrum der Anlage sowie die Grünflächen um den Stadtbalkon“ erhalten werden, sagte Reinhold Kulle. „Es ist ja nicht so, dass wir mit einem Pfeil auf die Karte zeigen und dann dort bauen“, so Kahle. „Wir vernichten hier kein städtisches Kleinod“, sagte Kulle.

Die Marburger Bürgerinitiative wendet sich jedoch nicht absolut gegen sozialen Wohnungsbau auf dem Vitos-Gelände. 
„Die versiegelten Flächen der Klinikparkplätze könnten für sozialen Wohnungsbau genutzt werden und bieten ausreichend Platz“, sagte etwa Johannes Linn. „Wir werden das Bürgerbegehren deshalb weiterführen.“ Erforderliche Anzahl für ein Bürgerbegehren: 2844 Unterschriften.

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