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Dealer im Zug mit Haschisch erwischt

Aus dem Amtsgericht Dealer im Zug mit Haschisch erwischt

Der florierende Drogenhandel eines Marburger Studenten flog im August vergangenen Jahres auf.

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Ein Marburger Student handelte nicht nur mit Marihuana, sondern rauchte selbst die Droge.

Quelle: Archiv

Marburg. Mit etwa 40 Gramm Marihuana sowie fast 3000 Euro in kleinen Scheinen im Rucksack wurde der offensichtliche Dealer im August vergangenen Jahres in einem Zug erwischt. Er befand sich auf dem Rückweg von einem Zwischenhändler. In der Marburger Wohnung des Verdächtigen fand die Polizei weitere rund 220 Gramm des Cannabisprodukts.

Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht räumte der 24-Jährige den Drogenhandel „in vollem Umfang“ ein. Sein florierendes Geschäft lief von Frühling bis August 2014, gestand der Mann. Erhalten habe er die Suchtmittel wochenlang von einem gesondert verfolgten Zwischenhändler, den er unter falschem Namen auf einer Party kennenlernte. Von diesem erwarb er jede Woche mindestens 50 Gramm Marihuana, manchmal 100 Gramm.

„Wie naiv kann man sein?“

Einen Teil der Lieferung behielt er stets für den eigenen Konsum, verkaufte den Rest regelmäßig an mehr als 20 Stammkunden weiter, „ich dachte immer, das wird schon gut gehen“, gab der Angeklagte zu. Dem war nicht so. Nachdem sich sein Geschäftspartner schließlich auf Reisen begeben hatte, suchte sich der Beschuldigte einen neuen Händler. Den Stoff holte er per Bahn ab, was schließlich zu seiner Verhaftung führte.

„Wie naiv kann man sein, es geht nie gut und fliegt immer auf“, ermahnte Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer den Mann. Geschätzt nahm der Angeklagte aus dem Drogenhandel um die 5000 Euro ein. Erwischt wurde er bis dahin nie, hat keine Vorstrafen.

Aufgrund der Anzahl und Qualität der sichergestellten Drogen handelte es sich um die sogenannte „nicht geringe Menge“ mit entsprechend höherer Strafandrohung. Wie das Gutachten des hessischen Kriminalamts zeigte, enthielten die gefundenen Suchtmittel einen THC-Gehalt von neun Prozent beziehungsweise 20 Gramm des Wirkstoffs.

Staatsanwalt sieht minderschweren Fall

Er habe nicht nur gedealt sondern selber „ziemlich viel“ konsumiert, teilte der Angeklagte mit. „So ein bis zwei Gramm am Tag“ kiffte er über Jahre hinweg, sodass sein Studium an der Marburger Universität massiv zu leiden hatte. Heute nehme er gar keine Drogen mehr, habe den Konsum, nachdem er erwischt worden war, vollständig eingestellt, „ich habe einen riesigen Fehler begangen und bereue die Sache zutiefst“, beteuerte der Mann.

Sein umfassendes Geständnis sowie die Mitarbeit bei den Ermittlungen gegen das Drogennetzwerk bewahrten ihn vor einer hohen Strafe. „Unter Betrachtung des gesamten Tatbildes“ wertete der Staatsanwalt das Ganze als minderschweren Fall. Trotzdem habe der Dealer „mit einer ganz beachtlichen Menge“ gehandelt, wenn auch auf unprofessionelle Weise, erklärte Willanzheimer und sprach sich für eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung aus.

Auch die Verteidigung hob den Aufklärungswillen und das ausführliche Geständnis des Beschuldigten hervor, ohne das der Großdealer „nicht hätte gefasst werden können“, betonte Ulrike Ristau. „So ausgepackt wie er hat selten jemand.“

Richter Dominik Best verurteilte den Dealer wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, die für den geständigen Ersttäter zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem hat er 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten.

von Ina Tannert

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