Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
„Das war irgendwie stärker als ich“

Mordprozess „Das war irgendwie stärker als ich“

Was führte zu der Bluttat am Richtsberg, bei der ein 32-Jähriger am 1. Juli vergangenen Jahres seine 37-jährige Ehefrau mit tödlichen Messerstichen umbrachte? Diese Frage beschäftigte auch am Montag die 6. Strafkammer des Landgerichts.

Voriger Artikel
Mitglieder bremsen Vorsitzenden Erwin Koch aus
Nächster Artikel
Neues Konzept für Sommerfest der Uni

Verteidiger Stefan Adler (rechts) begrüßt den Angeklagten (Mitte) beim Auftakt zum gestrigen dritten Verhandlungstag im Marburger Landgericht.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg . Nach dem Geständnis des Angeklagten am ersten Prozesstag und den Aussagen der Familienangehörigen des Opfers an Prozesstag zwei, stand bei der gerichtlichen Aufarbeitung des tödlich verlaufenen Familiendramas dieses Mal erneut eine ausführliche Befragung des Angeklagten auf der Agenda im Landgericht.
Zum Prozessauftakt hatte sich der 32-Jährige nur unter großen Mühen durch den Vorsitzenden Richter Dr. Carsten Paul befragen lassen. Immer wieder war diese Befragung durch heftige Weinkrämpfe des sichtlich aufgewühlten Angeklagten unterbrochen worden. Schließlich hatten sich alle Prozessbeteiligten darauf geeinigt, die weiteren Befragungen auf einen günstigeren Zeitpunkt nach hinten zu verschieben.

Angeklagter verweist auf Erinnerungslücken

Am Montag war es nun soweit: Auch die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und die Nebenkläger, die die Familie des Opfers vertraten, durften ihre Fragen stellen. Und der Angeklagte gab ihnen sichtlich gefasster als noch am ersten Verhandlungstag Auskunft. Immer wieder versagte ihm jedoch auch die Stimme, vor allem wenn die Rede von den drei Kindern war.
Zudem verwies der Angeklagte erneut auf Erinnerungslücken, was den unmittelbaren Tathergang angeht. „Wir haben uns gestritten, und dann habe ich die Kontrolle verloren und es ist passiert“, sagte der Angeklagte zu dem Geschehen in der Wohnung am Richtsberg, die er mit seiner Frau und drei kleinen Kindern bewohnte.
Danach könne er sich nur noch daran erinnern, Blut an seinen Händen gesehen und Angst bekommen zu haben. Dieses habe er dann im Bad abgewaschen. Anschließend ging er mit den beiden jüngsten Kindern im Alter von anderthalb und zweieinhalb Jahren auf dem Arm aus der Wohnung nach unten auf einen Spielplatz vor dem Haus, wo er sich nach einem Anruf bei Bekannten per Telefonanruf auch der Polizei stellte. Wie aufgeregt er dabei war, das erschloss sich nun im Gerichtssaal beim Anhören eines Original-Mitschnitts des Anrufs auf der Wache.

Psychiatrisches Gutachten folgt am Donnerstag

Vor der Bluttat kam es am Tattag nach Angaben des Angeklagten zweimal zu heftigem Streit. Bereits seit dem Morgen, als seine Frau ihm gesagt habe, er sei nicht der Vater des jüngeren Sohns, habe er sich sehr schlecht gefühlt. Das habe ihn dazu geführt, bei einem Treffen sogar seinen besten Freund anzuschreien. „Das war irgendwie stärker als ich“, versuchte der Angeklagte zu erklären.
Unklar ist noch, ob und wenn ja wie, eine fiebrige Erkältung den Angeklagten am Tattag zusätzlich beeinflusste. Um das zu klären, soll noch ein Arzt als Zeuge gehört werden. Außerdem steht am nächsten Verhandlungstag  das psychiatrische Sachverständigengutachten an.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr