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Das versoffene Wochenende

Filme über psychische Erkrankungen Das versoffene Wochenende

In einer Filmreihe wird das Bündnis gegen Depression jeden letzten Mittwoch im Monat einen Spielfilm über psychische Erkrankungen wie Alkoholsucht, Schizophrenie oder Zwangserkrankungen zeigen – ergänzt durch Fachvortrag und Diskussion.

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Dr. Gerhard Korger ist Psychotherapeut und Veranstalter der Filmreihe „Licht und Schatten“

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Don Birnam lebt als Autor in New York. Er hat eine attraktive Freundin und einen vermögenden, fürsorglichen Bruder. Doch Don hat nur Augen für Whisky. Er belügt seine Liebsten, zerlegt auf der Suche nach der letzten Flasche die Wohnung des Bruders und be­stiehlt ihn. Er setzt Liebe und Freundschaften aufs Spiel für das kurze Glück des nächsten Schluckes. In seinen nüchternen Momenten weiß er darum, er schämt sich. Doch die Scham ändert nichts.

Filmserie startet mit Vierfach-Oskar-Hit von 1945

Die eindringliche Skizzierung eines Alkoholkranken im Hollywood-Film „Das verlorene Wochenende“ brachte Star-Regisseur Billy Wilder und seinen Cast um Hauptdarsteller Ray Milland 1946 insgesamt vier Oskars ein. Bis heute ist der Film einzigartig in der detailreichen Darstellung der Art und Weise wie sich Alkoholiker nach und nach immer weiter erniedrigen, um an den nächsten Drink zu kommen. Das Marburger Bündnis gegen Depressionen zeigt „The Lost Weekend“ heute Abend in ihrer neuen Filmreihe „Licht und Schatten“ um 19.30 Uhr im Filmkunst-Theater.

Emotionaler Zugang zu psychischen Erkrankungen

„Das Hauptziel des Bündnisses ist die Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen und durch Filme lässt sich ein breites Publikum ansprechen, weil nicht spröde Fakten, sondern Emotionen transportiert werden“, sagt Gerhard Korger, Psychotherapeut und Veranstalter der Filmreihe. Jeden letzten Mittwoch im Monat wird ein Film gezeigt, der die Facetten und vielschichtigen Probleme einer psychischen Störung zeigt: Jeder, der den Blockbuster „A Beautiful Mind“ gesehen hat, erinnert sich an die Szene, in der Russel Crowe als schizophrenes Mathematik-Genie beinahe sein eigenes Kind umbringt oder wie Jack Nicholson in „Besser geht´s nicht“ (28. August, 19.30 Uhr) den Kauzigen unter einem Sauberkeitszang leidenden Autor Melvin Udall mimt und dabei Helen Hunt andauernd vor den Kopf stößt. „Die Filme setzen bei den Zuschauern Empathie frei.

Zentrale Kennzeichen der Krankheit werden sichtbar

Gut gemachte Filme nehmen sich Zeit, für die Gesamtheit der Kranken“ sagt Gerhard Korger. Bei den ersten beiden Filmen, die im Mai und Juni gezeigt wurden, sei das Publikum bunt gemischt gewesen. „Betroffene haben sich in der Leidensgeschichte wiedergefunden und Angehörige lernen das Verhalten der Betroffenen vielleicht besser zu verstehen“, hofft der Therapeut, der selbst unter Depressionen leidet.
Dr. Ulrich Schu, Oberarzt an der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Experte für Suchterkrankungen, bescheinigt dem Film „Das verlorene Wochenende“, die zentralen Kennzeichen der Alkoholerkrankung herauszuarbeiten. Das symptomatische Abrutschen in die Krankheit macht auch Protagonist Don Birnam durch, der anfangs mit dem Schmiermittel Whisky nur eine Schreibblockade lösen will.

Der Alkohol übernimmt Funktion und überdeckt tieferliegende Selbstzweifel und depressive Phasen. Hauptaugenmerk legt der Film auf das „Craving“, das in der Suchtmedizin für das unbedingte Verlangen nach einer bestimmten Substanz steht, die Wohlgefühle auslöst. „Das körpereigene Opiatsystem sorgt dafür, dass unser Hirn auf Alkohol mit der Ausschüttung von Endorphinen, im Volksmund als Glückshormone bezeichnet, reagiert“, erklärt Schu, der die Vorführung heute Abend fachlich betreut und im Anschluss Gelegenheit zum Gespräch und zur Diskussion bietet. Einen verlorenen Abend brauchen Angehörige, Betroffene oder Therapeuten also nicht zu befürchten, wenn sie die Filmreihe „Licht und Schatten“ besuchen. Jeder ist willkommen, der Eintritt ist frei.

von Tim Gabel

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