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Das unglaubliche Comeback des Marian Zachow

Landratswahl Das unglaubliche Comeback des Marian Zachow

Ob die sozialen Netzwerke im Landratswahlkampf eine entscheidende Rolle spielen werden, ist noch nicht abzuschätzen. Viele Kandidaten sind dort aber aktiv - und können ihre Anhänger offensichtlich auch gut mobilisieren.

Marburg. Eine ganze Woche lang lief die Onlineumfrage der Oberhessischen Presse, und das mit großem Erfolg. Bis gestern Mittag hatten etwa 7300 Besucher der OP-Homepage für einen der sieben Bewerber abgestimmt. Am Ende waren es stolze 8169 Teilnehmer. Wer das Rennen über die Woche verfolgte, konnte interessante Einblicke ins Klickverhalten gewinnen.

So lieferten sich Marian Zachow von der CDU und SPD-Kandidatin Kirsten Fründt ein packendes Rennen in der Gunst der Abstimmenden, mal lag die eine vorne, dann wieder der andere. Nur am Anfang konnte da der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern (Grüne) mithalten. Schnell wurde aus dem Dreikampf an der Spitze aber ein Zweikampf - am Ende blieb McGovern bei 15 Prozent stehen.

Bei den übrigen Kandidaten waren die Anhänger von Anna Hofmann (Linke) und APPD-Kandidat Mirco Rosenberger am umtriebigsten. Hofmann sicherte sich Platz vier. Dem parteilosen Bürgermeister Kai-Uwe Spanka fehlte wohl die Möglichkeit, breiter um Unterstützung zu werben. Erst zum Ende legte er noch ein wenig auf 168 Stimmen zu. „Pirat“ Jens Fricke blieb abgeschlagen am Ende des Feldes zurück.

Das „Wahlverhalten“ war insgesamt durchaus bemerkenswert. Meist legten die CDU-Anhänger über den Tag verteilt einen guten Vorsprung vor, den die SPD-Freunde nach Feierabend, so ab 17 Uhr, abschmolzen, ausglichen und den Tag mit einem Vorsprung für Fründt beendeten.

Ab Mitte der Woche aber schien das Rennen um Platz 1 gelaufen, an den Abständen änderte sich kaum noch etwas. Fründt lag mit gut 500 Stimmen deutlicher vorne als zuvor und daran konnten oder wollten offenbar auch die Zachow-Unterstützer nicht mehr rütteln.

Ein mächtiger Endspurt

Bis sich die OP den Spaß machte und am Freitag um kurz nach 11 Uhr auf ihrer Facebook-Seite vermeldete, dass die Umfrage um 15 Uhr geschlossen würde.

Was dann passierte, war höchst amüsant zu beobachten. Minütlich schmolz Fründts Vorsprung von anfangs 508 Stimmen ab. Es schien, als klickte nur noch ein Lager, das des CDU-Mannes Zachow. Während Kirsten Fründt, die wie Zachow auf dem Grenzgang in Buchenau weilte, in den ersten beiden Stunden seit der Ankündigung auf der OP-Facebookseite nur ganze 21 Stimmen erhielt, wurde für ihren Konkurrenten in der gleichen Zeit 353-mal geklickt.

Um 13.55 Uhr war es so weit: Der CDU-Kandidat lag erstmals seit Tagen wieder hauchdünn vorn: mit 2922 : 2921 Stimmen. Und während die SPD-Sympathisanten weiter nichts zuzusetzen hatten, ließ das konkurrierende Lager nicht mehr locker. Um 14.58 Uhr knackte Zachow die 40-Prozent-Marke - nachdem er am Vormittag noch bei 33 Prozent gelegen hatte. Am Ende hatte er mit 858 Stimmen allein 26,5 Prozent seiner gesamten 3241 Stimmen in den letzten vier Stunden gesammelt - ein beachtliches Comeback. Angesichts des kleinen Experiments präsentiert die OP ihren Lesern diesmal dennoch zwei Umfrage-Ergebnisse: den Stand vor unserem Aufruf und den Endstand am Freitag um 15 Uhr. Müssen wir noch erwähnen, dass die Online-Umfrage keine Aussagekraft in Hinblick auf die Wahlentscheidung am 8. September besitzt? Da jeder mitmachen konnte und sich mit etwas Computerwissen umgehen ließ, dass pro Computer nur eine Stimme abgegeben werden soll, erhebt die Umfrage natürlich keinen Anspruch auf Repräsentativität.

von Michael Agricola

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