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„Das steht der Stadt gut zu Gesicht“

Parlament berät über Flüchtlinge „Das steht der Stadt gut zu Gesicht“

Das Stadtparlament will den Flüchtlingen im Zeltcamp in Cappel eine eigene Stimme geben. Es beschloss am Freitagabend, dass Ombudsleute im Lager als Ansprechpartner installiert werden sollen.

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Das Stadtparlament Marburg beschloss nach einem Dringlichkeitsantrag die Berufung von Ombudsleuten für die Flüchtlinge im Zeltcamp Cappel.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In Marburg, so stellte es SPD-Fraktionschef Steffen Rink am Freitagabend im Parlament fest, wird nicht darüber diskutiert, ob man Flüchtlinge aufnehmen solle, sondern lediglich, wie sie untergebracht werden sollen. Die Kombination von politischem Willen des Parlaments und der außergewöhnlichen Hilfsbereitschaft, welche die Marburgerinnen und Marburger zeigten, könne beispielgebend sein auch für andere Kommunen.

Ein Baustein im Umgang mit den Flüchtlingen in der Notaufnahmeeinrichtung an der Umgehungsstraße sei nun, ihnen eine eigene Stimme zu geben. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie auch in dem Camp Menschen haben, die direkt ihre Interessen vertreten“, sagte Rink zur Begründung eines Dringlichkeitsantrags, den alle Fraktionen mit Ausnahme der Marburger Bürgerliste gemeinsam eingebracht hatten.

Anlaufstelle öffnet am Montag

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sagte, nach dem „Hilferuf“ des Regierungspräsidenten Lars Witteck (CDU) habe die Stadt nicht nur Bereitschaft gezeigt, zur Entlastung der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen Flüchtlinge aufzunehmen, sondern ebenso versucht, die Standards, die in Marburg für Flüchtlinge üblich sind, auch für jene umzusetzen, die vielleicht nur wenige Tage hier sind. Das Vorhaben sei auf eine ungewöhnlich große Unterstützung in der Bevölkerung gestoßen, die die Stadtverwaltung nun mit allen Kräften kanalisieren und nutzen werde. „Das steht der Stadt gut zu Gesicht“, sagte Vaupel und ergänzte: „Was die Menschen dieser Stadt getan haben, ist so außergewöhnlich, wie ich es mir nie vorgestellt hätte.“

Mit der Eröffnung der sozialen Anlaufstelle direkt neben dem Camp in der Straße „Im Rudert“ am kommenden Montag und einer großen Auftaktveranstaltung für alle, die sich zu ehrenamtlicher Mithilfe bereit erklärt hätten, am kommenden Mittwoch (17 Uhr im Bürgerhaus Cappel), würden die nächsten Schritte getan.

Man müsse bei aller Hilfsbereitschaft aber auch akzeptieren, dass Menschen, die Wochen der Flucht hinter sich hätten, ein Stück „Individualität und Intimsphäre“ im Lager bräuchten. Der Zutritt zum Lager ist deswegen strikt begrenzt. Mit der Berufung von Ombudsleuten soll dafür gesorgt werden, dass Flüchtlinge dennoch Menschen vor Ort haben, die ihre Interessen im Konfliktfall vertreten. Der Regierungspräsident habe zugesagt, den Beschluss des Parlaments umzusetzen.

Vaupel will Anwohner persönlich aufsuchen

Vaupel verschwieg auch nicht, dass es zu Problemen kommen könne. Er habe von Anwohnern überwiegend positive Reaktionen erhalten, aber werde sie in der kommenden Woche persönlich aufsuchen, um zu erfahren, an welchen Stellen es Verbesserungen geben kann. „Dennoch brauchen wir auch Ombudsleute für die Bewohner“, sagte Vaupel - „und das sind die Mitglieder des Ortsbeirats Cappel“.

Bei aller Sorge für die Flüchtlinge in dem Zeltcamp in Cappel dürfe man, appellierte Vaupel, nicht jene Flüchtlinge vergessen, die regulär nach Marburg zugewiesen seien und hier dauerhaft untergebracht werden.

Während der Veranstaltung für die ehrenamtlichen Helfer im Bürgerhaus Cappel am Mittwoch wird nach einer Einführung über die jeweiligen Projekte und Einsatzbereiche gesprochen.

Dafür stehen unter anderem Doris Heineck (Freiwilligen-Agentur Marburg-Biedenkopf), Julia Störmer (Flüchtlingsberaterin des Diakonischen Werks), Verena Leowald (Internationaler Bund, Jugendmigrationshilfe), Vertreter der Jugendförderung der Stadt, des Deutschen Roten Kreuzes und der Praxis GmbH (Alltagstraining für Flüchtlinge) sowie geschulte Ehrenamtliche bereit.

Die Stadt Marburg wies aber darauf hin, dass die Teilnahme an der Veranstaltung nicht Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement ist.

Anlaufstelle soll „Kontaktladen“ werden

In der sozialen Anlaufstelle in unmittelbarer Nachbarschaft zum Camp sollen unter anderem Alltagstraining, niedrigschwellige Sprachangebote und Kinderbetreuung angeboten werden. Sie solle ein Kontaktladen und ein Treffpunkt für Flüchtlinge sowie für Bürgerinnen und Bürger werden, schrieb die städtische Pressesprecherin Sabine Preisler.

Die Räume, die von der Praxisklinik zur Verfügung gestellt werden, sollen außerdem mit Internetanschlüssen und Satellitenfernsehen ausgerüstet werden, sagte Vaupel.

von Till Conrad

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