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Das kulturelle Erbe der Dörfer

Dorfentwicklung Das kulturelle Erbe der Dörfer

Probleme, Wünsche, Veränderungen: In den kommenden Monaten schauen sich Experten alle Marburger Außenstadtteile an, um Konzepte für die Dorfentwicklung zu erstellen.

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Die am Dorfrundgang teilnehmenden 30 Dilschhäuser Bürger.

Quelle: Alexander Graf

Dilschhausen. Den Anfang machte das 190 Einwohner zählende Dilschhausen. „Jedes Dorf hat seine Spezialitäten und guten Seiten. Jedoch hat auch jedes Dorf die ein oder andere Schattenseite.“ Während der Ortsrundgänge würden diese nun zusammen mit den Verantwortlichen der städtischen Fachdienste und den Bürgern der Außenstadtteile erfasst. Dies sei der erste Schritt für die zukünftige Gestaltung der Dorfentwicklung, erklärte Hartmut Kind vom Stadt- und Dorfentwicklungsunternehmen SP Plus. Knapp 30 Einwohner waren zu dem Termin erschienen. „Je mehr Menschen sich an dem Projekt beteiligen, desto besser. Es geht schließlich darum das kulturelle Erbe der Dörfer zu erhalten“, sagte Rose Michelsen vom Fachdienst Planen, Bauen und Umwelt der Stadt Marburg. Durch den demographischen Wandel sei dieses Erbe sowie der Dorfzusammenhalt vielerorts bedroht, bekräftigte Kind.

Das Bürgerhaus gilt dafür im Dorf als gutes Beispiel. Es sei ein guter Ort für Feste und Vereine, dort werde miteinander kommuniziert, weiß Ortsvorsteher Hermann Heck. Doch fehlt es an Jugendlichen, welche die Flächen und Räume nutzen. Im Laufe der Veranstaltung wird dies noch klarer, den Vereinen fehlt der Nachwuchs. Alleine die Mädchen- und Burschenschaft des Ortes kann mit ausreichend Jugendlichen glänzen. Diese Entwicklung sehe man überall in Deutschland, sagte Kind.

Neben den öffentlichen Flächen und Gebäuden ging es bei dem Rundgang auch um die privaten Grundstücke und Häuser. „Neben den vielen wunderschönen Fachwerkhäusern gibt es im Ort auch weniger schöne Bausünden aus den 70er Jahren“, gab Stadtplaner Kind zu bedenken. Stefanie Auer vom Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises Marburg-Biedenkopf erklärte dazu, dass ab August Fördermittel, zum Beispiel für Sanierungen, beantragt werden können.

Geringe Anzahl an Bauplätzen bemängelt

Außerdem werde es die Möglichkeit geben, kostenlose und unverbindliche Beratung durch Experten anzufordern. Dabei seien vier Stunden Beratung je Objekt eingeplant. In einem abschließenden Workshop diskutierten Einwohner und Organisatoren noch einmal zu den Themenschwerpunkten Siedlungsentwicklung und öffentliche Räume, Mobilität und Versorgung sowie ehrenamtliches Engagement und Dorfgemeinschaft.

Vonseiten der Bevölkerung und des Ortsvorstehers wurde vor allem die geringe Anzahl an attraktiven Bauplätzen bemängelt. So sei es schon vorgekommen, dass junge Familien Dilschhausen verlassen mussten, da sie im Dorf ihrer Eltern nicht bauen durften. Einig waren sich hingegen alle bei der Frage nach der Dorfgemeinschaft. Diese sei sehr stark ausgeprägt und neben der Landschaft ein Argument für Zuzügler, die Ruhe und Ausgleich suchen. Der demographische Wandel und die zunehmende Fokussierung auf die Städte werden an kleinen Dörfern wie Dilschhausen nicht spurlos vorbeigehen. Das wissen die Dorfentwickler und Verantwortlichen der Stadt. Doch das wissen auch die Dilschhäuser, sie wollen anpacken, um die Attraktivität ihres Ortes auch in Zukunft zu erhalten.

von Alexander Graf

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