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Das kosten Kita-Plätze andern­orts

Betreuungsgebühren Das kosten Kita-Plätze andern­orts

Kommunale Satzungen im Vergleich: Die anstehende Erhöhung der Kinderbetreuungsgebühren würde dafür sorgen, dass Marburg bei Kitaplatz-Kosten einen Mittelfeldrang unter mittelgroßen Städten einnimmt.

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Die Gebühren für Kinderbetreuung in der Universitätsstadt sollen nach dem Willen von SPD, BfM und CDU steigen – ab 2017 und dann jedes zweite Jahr. Für den heutigen Sozialausschuss haben Elternvertreter erneut Proteste angekündigt.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Die Ganztagsbetreuung würde laut dem Kompromiss-Vorschlag von SPD/BfM und CDU ab nächstem Jahr statt 139 rund 160 Euro, ab 2019 dann 180 Euro kosten - weitere Erhöhungen sollen im Anschluss alle zwei Jahre folgen. Hinzu kommen monatliche Verpflegungskosten zwischen 54 und 59 Euro. Wie viel Geld verlangen Kommunen, die ähnlich groß sind wie die Universitätsstadt? Die Basis des OP-Vergleichs ist eine Ganztagsbetreuung (mindestens acht Stunden an Werktagen) des ersten Kindes zwischen drei und sechs Jahren in einer Kindertagesstätte.

In Gießen gibt es eine 28 Stufen umfassende Einkommensstaffelung zwischen null und mehr als 3000 Euro Nettogehalt pro Monat. Bis 500 Euro Monatseinkommen zahlen Eltern sowohl für das erste als auch zweite Kind nichts. Danach gliedern sich die Gebühren wie folgt: Bis 1000 Euro Nettoverdienst kostet der Platz 72 Euro, bis 1300 Euro: 118, bis 1500 Euro: 148 Euro und bis 2000 Euro: 173. Der Höchstsatz liegt bei 228 Euro.

Wetzlar verlangt pauschal 160 Euro.

In Fulda kostet die Betreuung bis 18 Uhr 144 Euro, bis 16.45 Uhr sind es 133 Euro.

Friedberg hat eine Einkommensstaffelung, die in der ersten Stufe die Kategorie bis Nettoverdienst 1999 Euro (74 Euro pro Monat) erfasst. Wer mehr als 2000 Euro verdient zahlt 98 Euro. Der Höchstsatz, der für Verdienstgruppen von mehr als 4000 Euro fällig wird, liegt bei 196 Euro.

Limburg legt eine Zeitstaffelung zugrunde. Der Basisbetrag fußt auf einer vierstündigen Betreuung und kostet 124 Euro. Jede weitere halbe Stunde macht die Betreuung sechs Euro ­teurer. Ganztangsbetreuung im Sinne von acht Stunden bedeutet dementsprechend: 172 Euro.

Tübingen berechnet 355 Euro für eine 42-Stunden-Betreuung, die alternative 35-Stunden-Variante kostet 301 Euro.

Erlangen hat die Gebühr auf 112 Euro festgesetzt, eine Ausdehnung auf zehnstündige ­Tagesbetreuung kostet Eltern 134 Euro.

Göttingen (Niedersachsen): Grundlage der Berechnung für Ganztagsbetreuungskosten ist das Jahreseinkommen der Eltern, die sich in sechs Kategorien zwischen unter 30000 und bis mehr als 45000 Euro einordnen. Bis zu 370 Euro werden fällig, 67 Euro kostet die kürzeste Betreuung in der niedrigsten Einkommensstufe.

Bayreuth setzt auf eine Pauschale in Höhe von 124 Euro.

Jenas Stadtverwaltung passt die Gebühr individuell an, sie bemisst sich aus Faktoren wie Jahresnettoeinkommen, Art des Beschäftigungsverhältnisses, Wohnort und anderen. Mit einem Online-Rechner lässt sich die Höhe ermitteln. Bei einem Jahresnetto-Einkommen des Haushalts von 40000 Euro würden monatlich für einen Ganztagsplatz 121 Euro fällig.

Siegen hat für seine stets 45-Stunden-Betreuung eine Einkommensstaffelung zwischen „bis 30000 Euro“ (beitragsfrei, über der Grenze: ab 48 Euro) und „mehr als 150000 Euro“ (maximal: 390 Euro). Bei einem Einkommen von 40000 Euro zahlen Eltern 64 Euro, wer mehr als 55000 Euro Haushaltseinkommen aufweist 120 Euro, mehr als 70000 Euro bedeuten Gebühren in Höhe von 235 Euro.

GSK: Gebühren „wichtiges Kriterium für Bewerber“

Bambergs Gebühren bewegen sich in einem Korridor von 115 bis 160 Euro, da einzelne Kindertagesstätten die Höhe selbst festlegen können.

In Konstanz regelt die städtische Satzung Beiträge für jede einzelne Kita - die Gebührenspanne reicht von 130 bis 240 Euro.

Lüneburg setzt auf eine Einkommensstaffelung, die ab 17500 Euro beginnt (44 Euro). Wer 40000 Euro Einkommen nachweist, zahlt 204 Euro, wer 60000 Euro verdient muss 321 Euro zahlen.

Überblick über Marburgs Nachbarkommunen: Weimar (215 Euro), Lahntal (271 Euro) und Stadtallendorf (ab Mitte nächsten Jahres 181 Euro).

Zu den Betreuungsgebühren kommen in allen Kommunen noch monatliche Verpflegungskostenpauschalen hinzu. In Marburg betragen diese zwischen 54 und 59 Euro. In Tübingen macht das beispielsweise weitere 70, in Wetzlar 55, in Göttingen 53, in Konstanz 80, in Lüneburg 56 Euro aus.

Die ursprüngliche Magistratsvorlage, die eine Erhöhung um 71 auf 210 Euro vorsieht, würde Marburg indes zu einer der teureren Kita-Kommunen machen.

14 Prozent ihres Durchschnittseinkommens wenden Eltern in Deutschland für Kinderbetreuung auf - das ist mehr als im Durchschnitt aller OECD-Länder.

Marburger Firmen beobachten die Erhöhungspläne indes mit Sorge: „Wir sehen als familienfreundliches Unternehmen, dass attraktive Kinderbetreuungsgebühren nach arbeitsplatzrelevanten Faktoren wichtige Entscheidungskriterien für unsere Bewerber sind“, sagt etwa Mario Zoerb, Personalabteilungsleiter des Pharmakonzerns GSK auf OP-Anfrage.

Die FDP und die Piratenpartei verlangen nach einem Aus der Gebührenpläne. „Man sollte es einfach lassen. Es war und ist völlig unnötig und wenig­ klug vom Oberbürgermeister, einen solchen Konflikt zu Lasten von Eltern und Kindern vom Zaun zu brechen.“ Er sei mit seinem „drastischen Plan ohnehin ­bereits gescheitert“, sagt Christoph Ditschler, Parteichef der Liberalen. Es sei an der Zeit, „diesen Stadthallen-Soli ad acta zu legen“, ergänzt Hanke Bokelmann, Stadtverordneter. Kritik­ auch von Dr. Michael Weber, ­Piraten-Stadtverordneter: „Wir lehnen jegliche Erhöhung der Kita-Gebühren und sonstiger Betreuungsgebühren grundsätzlich ab - auch das abgeschwächte Modell.“ Es könne nicht sein, dass „die Haushaltssanierung zu Lasten sozialer Errungenschaften geht“, vielmehr müssten die Gebühren sogar „gänzlich abgeschafft“ werden.

Zuletzt hatten sich schon Linke und Grüne ablehnend zu den Gebührenerhöhungen geäußert. Auch Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) hat sich der Kritik angeschlossen: Der Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sei gering.

  • Der Sozialausschuss tagt am Mittwoch, 9. November, ab 17 Uhr im Sitzungssaal „Hohe Kante“ (Barfüßerstraße 50).

von Björn Wisker

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