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"Das ist nur die Spitze des Eisberges"

Betrugs-Prozess "Das ist nur die Spitze des Eisberges"

Eine Verhandlung unter dem Vorsitz von Dr. Antonia Alles über eine ausbleibende Zahlung an ein Versandunternehmen ist am ersten Tag noch zu keinem rechtskräftigen Ergebnis gekommen.

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Vor dem Amtsgericht musste sich ein Marburger wegen vorsätzlichen Betruges verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dem Angeklagten wurde von Staatsanwalt Sebastian Brieden vorgeworfen, im November 2013 den Versand eines Verdecks nach England unter dem Vorsatz in Auftrag gegeben zu haben, diese Dienstleistung nicht zu bezahlen.

An eben diesem Vorsatz störte sich jedoch der Verteidiger Kai Guthke erheblich. „Mein Mandant hatte in dem Zeitraum große private und finanzielle Probleme, da ist diese Rechnung nun einmal untergegangen. Daraus vorsätzlichen Betrug abzuleiten, halte ich für nicht rechtmäßig.“

Tatsächlich hatte der Angeklagte, der 2014 Privatinsolvenz hatte anmelden müssen und von Marburg nach Frankfurt umgezogen war, die überfälligen Frachtgebühren in Höhe von 755 Euro in bar dabei und war bereit, sich bei dem geschädigten Firmenchef des Versanddienstleisters zu entschuldigen.

Dieser war als Zeuge geladen worden und zeigte sich bei der Geldübergabe eher irritiert. „Ich verstehe nicht, wieso er es dann so weit kommen lässt, wir haben mindestens zwei Mahnungen rausgeschickt, warum hat er nicht einfach früher gezahlt, dann hätten wir unseren Anwalt ja gar nicht einschalten brauchen?“

Abermals verwies der Verteidiger auf die chaotische Situation seines Mandaten zu dieser Zeit, zudem hätten Unklarheiten mit dem Empfänger des Verdecks darüber bestanden, wer denn die Lieferung zu welchem Anteil hatte zahlen sollen. Bei der anschließenden Verlesung des E-Mail-Verkehrs stellte sich jedoch heraus, dass dieser Punkt unlängst nach dem Versand geklärt schien und der Angeklagte 3 000 Euro für das Verdeck erhielt, in denen mindestens ein Teil der Frachtgebühr enthalten war.

Erschwerend kam hinzu, dass der Beschuldigte bereits in anderen Verhandlungen häufig über seine Zahlungswilligkeit und -fähigkeit gelogen hatte.

In drei Wochen wird weiterverhandelt

Als Rechtsanwalt Guthke eine Einstellung des Verfahrens anregte, reagierte Staatsanwalt Brieden dementsprechend energisch: „Sie sind witzig. Ihr Mandant hatte eindeutig das Geld erhalten, um die Rechnung zu bezahlen, und er hatte ebenso eindeutig ausreichend Zeit das zu tun. Das ist ja in diesem Fall nur die Spitze des Eisberges, er hat Schulden in Millionenhöhe und ist daher auch derzeit auf Bewährung!“

Da es in dieser Sache keine Einigung gab, wird nun in drei Wochen ein weiterer Verhandlungstermin folgen.

Bis dahin wird zu klären sein, inwiefern der Beschuldigte nachweislich niemals vorhatte, die Rechnung zu bezahlen und was aus den 3 000 Euro geworden ist. „Wenn die nämlich damals direkt in bar wieder abgehoben wurden, dann wissen wir gleich, was los ist“, sagte Staatsanwalt Brieden.

von Marcus Hergenhan

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