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„Das ist bombastisch, ein voller Erfolg“

Feuerwehr-Nachwuchswerbung „Das ist bombastisch, ein voller Erfolg“

Löschen, Sichern, Abseilen: Die vier neuen Moischter Feuerwehrleute trainieren bereits kräftig für den Einsatzfall.

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Schnell und gut gesichert geht es den meterhohen Schlauchturm hinab.

Quelle: Ina Tannert

Moischt. Für den künftigen Dienst opfern die Nachwuchskräfte einiges an Zeit und derzeit einige ihrer Wochenenden. Theorie und Praxis des Feuerwehrdienstes lernen die künftigen Einsatzkräfte am Feuerwehrstützpunkt in Kirchhain.

Dass auch ältere Semester den Grundlehrgang locker stemmen können, beweist derzeit Hans-Dieter Wolf, der sich mit 54 Jahren noch einmal für den Feuerwehrdienst zur Verfügung stellte. Bei Wind und Wetter übt der Moischter momentan mit den jüngeren Kollegen, drückt noch mal die Schulbank und absolviert das Praxistraining.

Und das fand Anfang November in luftiger Höhe statt. Bei einer Abseilübung aus dem ehemaligen Schlauchturm war ganzer Körpereinsatz gefordert. Nacheinander seilten sich an diesem Vormittag knapp 40 Nachwuchskräfte aus mehreren Metern Höhe ab. Das Training dient der Selbstrettung im Notfall, wenn die Kameraden etwa ein brennendes Gebäude nicht mehr auf normalem Wege wieder verlassen können, Technik oder Einsatzleiter streiken.

Wichtigstes Hilfsmittel im Ernstfall ist dabei die Feuerwehrleine, ein fester Teil der Ausrüstung. „Die Eigensicherung ist wichtig, die Leine ist immer dabei“, erklärt Ausbilder Philipp Büttner. Mithilfe der erfahrenen Kollegen befestigt Wolf das stabile Seil am Karabinerhaken und im Inneren des Backsteinbaus. Gesichert ist er durch mehrere Knoten und Schlaufen, stete Kontrolle und korrekter Sitz der lebensrettenden Verbindung ist dabei obligatorisch.

„Es war klasse, man fühlt sich sehr gesichert“

Vorsichtig hangelt sich der 54-Jährige in voller Montur aus dem Turmfenster, noch findet er mit den Füßen Halt. Dann die letzte Hürde: Er lässt los und schwingt frei und meterhoch über dem Boden an der Backsteinmauer. „Die ersten Sekunden in der freien Luft waren das Schlimmste“, erzählt er später mit einem Grinsen.

Nach und nach wird er abgeseilt, es geht schnell in Richtung Boden, er muss Ruhe halten, während die Kollegen im Turm hilfreiche Tipps zu Drehung und Haltung geben. Dann ist die akrobatische Übung auch schon geschafft, der nächste Teilnehmer stemmt sich bereits in die Seile.

Wieder sicher auf dem Boden angekommen ist die Erleichterung groß, der Stolz steht Wolf ins Gesicht geschrieben. „Es war klasse, man fühlt sich sehr gesichert, ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, berichtet er. Nach einer kurzen Verschnaufpause stehen später an diesem Tag noch Leiterübungen und einige fiktive Rettungseinsätze an.

Die Grundausbildung im Brandschutz zum Feuerwehrtruppmann besteht aus zwei Teilen: Zuallererst absolviert der Nachwuchs 70 Stunden grundlegende Aufgaben im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz unter Anleitung erfahrener Kollegen, erklärt Marc Prause, Wehrführer der Feuerwehr Moischt. Dem folgen 80 weitere Stunden, die selbstständig bewältigt werden, samt der Vermittlung von standortbezogenen Kenntnissen, etwa bestimmter Gebäude­ in Moischt oder der Umgang mit Sonderfahrzeugen.

Als Erwachsener trat Wolf vor einigen Monaten direkt in die Einsatzabteilung ein, steht im Einsatz derzeit noch „in der zweiten Reihe“, bis er seine Grundausbildung abgeschlossen hat.

Grundausbildung dauert rund zwei Jahre

Diese dauert rund zwei Jahre. Interesse am Feuerwehrwesen hatte der 54-Jährige schon seit langem, nach dem Aufruf der Wehr machte der Anwalt endgültig Nägel mit Köpfen, nahm am Schnuppertraining teil und entschied sich schnell für das neue Ehrenamt.

Bis heute ist er froh darüber, „ich wollte einfach Verantwortung übernehmen - gerade in kleinen Orten muss jeder etwas beitragen“, findet er. Das Alter spiele dabei keine große Rolle, „man kann das Training auch mit mehr als 50 Jahren ohne Probleme schaffen“.

Im Januar startete die Feuerwehr Moischt eine umfassende Image- und Mitgliederkampagne, informierte in einer ersten Bürgerversammlung über den aktuellen Stand im Brandschutz und rief die Bevölkerung zu mehr Beteiligung auf. Das Ziel: Die kleiner werdende Einsatzabteilung aufstocken. Diese lag im Januar mit 22 Mitgliedern nur knapp über der vorgeschriebenen Sollstärke von 18 Kräften.

In weiser Voraussicht auf die Zukunft machte die Truppe­ schon früh und mit offensiver Werbung auf den künftigen Bedarf im öffentlichen Brandschutz aufmerksam. Ein erster­ Erfolg zeigte sich damals bereits am Ende der Sitzung: Zwei Moischter meldeten Interesse­ und konnten wenig später in den Einsatzdienst aufgenommen werden. Im Jahresverlauf kamen noch zwei weitere neue Kameraden hinzu. „Mit so vielen haben wir in der kurzen Zeit nie gerechnet, das ist bombastisch, ein voller Erfolg“, zeigt sich der Wehrführer bis heute­ begeistert. Der Zuwachs ist mehr als willkommen, durchschnittlich rückt die Truppe aus Moischt ­im Jahr 13 Mal zu Einsätzen aus, eine gut aufgestellte Einsatzabteilung für den Schutz der Bevölkerung ist daher dringend nötig, „jeder sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass jederzeit etwas passieren kann“, erinnert Prause.

von Ina Tannert

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