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„Das erste Wort, als wir ankamen: Wow!“

Auszeichnung für Hauptbahnhof „Das erste Wort, als wir ankamen: Wow!“

Hamburg, Dresden, Leipzig, Bremen – und jetzt auch Marburg: Der neue Hauptbahnhof darf sich seit Mittwoch „Bahnhof des Jahres“ nennen.

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Der neugestaltete Marburger Hauptbahnhof wurde als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet.

Quelle: Tobias Hirsch; Montage: Sven Geske

Marburg. Eine Jury der „Allianz Pro Schiene“ wählte den Marburger Hauptbahnhof aus und stellte ihn damit in eine Reihe mit herausragenden Großstadtbahnhöfen. Die Auszeichnung wird seit 2004 jedes Jahr vergeben. In der Jury sind Vertreter von Pro Bahn, des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), des Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV), des Auto Club Europa (ACE) und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und der „Allianz pro Schiene“.

Der Bahnhof sei zu einer „Visitenkarte“ für Marburg geworden, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel, der eigens nach Berlin gereist war, um die Ehrung aus den Händen von Verkehrsminister Alexander Dobrindt entgegenzunehmen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei groß, der historische Bestand zeitgemäß saniert und das gesamte Areal deutlich aufgewertet worden.

Stadt, Lahn, Deutsche Bahn sowie die städtischen Tochterunternehmen Stadtwerke und Gewobau hatten für die barrierefreie Sanierung der Bahnsteiganlagen und des Empfangsgebäudes und die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes gemeinsam fast 30 Millionen Euro aufgewendet.

Lob von Reisenden

Frederike-Julie Stelz und Freund Michel Hansen besuchten Freunde in Marburg und waren von dem neuen Bahnhof durchaus angetan. „Ist echt schick geworden, vor allem mit dem neuen Busbahnhof“, meinte Frederike-Julie. Freund Michel war ganz neu in der Universitätsstadt: „Gefällt mir schon, aber wenn man aus dem Eingang kommt, kann man zunächst einmal die Fußgängerampel gar nicht ablesen.“

Judith Weber und Simone Lietz haben ein gutes Urteil parat: „Wir kamen ja im Dunkeln an und dachten erst, das wäre gar nicht der Bahnhof, viel zu sauber“, meinte Judith Weber. „Unser erstes Wort als wir ankamen, war: Wow! Allerdings kommen wir ja aus Köln, da ist alles so voller Leute und Dreck, ganz anders als Marburg“, so Simone Lietz.

„Alles ist jetzt viel schöner, einfach neu und sauber. So ein Bahnhof ist schon wichtig, da sollte man sich schon bemühen, dass es gut wird“, urteilte Priyanka Baral, die schon länger in Marburg wohnt und demnächst ein Studium in der Universitätsstadt beginnt. Tobias Vestweber wies darauf hin, dass der Bahnhof nun behindertengerechter sei.

„Also ich finde das ist schon sehr wichtig, dass wir jetzt überall Tastflächen haben. Immerhin hat Marburg ja mit der Blista den Anspruch, dass die Stadt besonders sehbehindertengerecht ist! Auch die neuen Rampen für die Rollstuhlfahrer sind da eine gute Investition, da war es schon nötig, dass ordentlich Geld investiert wird“, erklärte der Lehramtsstudent.

Neue Bahnhofsuhr kommt

Auch der Kreisverband Marburg des VCD zeigt sich sehr erfreut über die Auszeichnung. Zur Abrundung des Gesamtprojektes fehlen aber noch zeitgemäße Radabstellanlagen im Umfeld des Bahnhofes und auch die bereits vor Jahren angedachte Fahrradstation in der Erweiterung des bestehenden Parkdecks der Stadtwerke lässt weiterhin auf sich warten.

„Der Titel würdigt die Bemühungen der Stadt um ein zeit­gemäßes Verkehrskonzept, das auf einen attraktiven und gut mit allen Verkehrsträgern vernetzten ÖPNV setzt“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Auch der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol gratulierte.

Vaupel äußerte am Mittwoch einen Wunsch, um sein Glück mit dem neuen Bahnhof komplett zu machen: Die Bahnhofsuhr an der Außenfassade wirkt dank blinder Scheiben schmuddelig und unattraktiv. Bahnhofsmanager Roland Meuschke versprach Abhilfe: Eine neue Uhr soll im Oktober kommen, teilte Vaupel mit.

von Till Conrad und Marcus Hergenhan

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (Zweiter von rechts) und Bahnhofsmanager Roland Meuschke (Zweiter von links) nahmen die Auszeichnung von Dirk Fliege (Allianz Pro Schiene), Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Dr. Andre Zeug, dem Vorstandsvorsitzenden von DM Station und Service, entgegen. Privatfoto
 
Die Begründung der Jury

„Neue Heimstätte intelligenter Mobilität“

„Wer Marburg mit dem Zug bereist, erlebt ein kleines Wunder: der dunkle, vom Auto­verkehr umbrauste Bahnhof ist verschwunden. Unter den Planen der Baugerüste hat sich der Bahnhof in eine helle, stille Alltagsschönheit verwandelt“, heißt es in der Jurybegründung.Zur Krönung dieser Wandlung habe die Stadt dieser „neuen Heimstätte intelligenter Mobilität“ einen großzügigen Bahnhofsvorplatz vor die Füße gezaubert. „Das ist ein erstes Zeichen einer Abkehr vom Primat der autogerechten Stadt: Wenn alle Bahnhöfe in Deutschland solche Entwicklungen zu Wege brächten, hätte der öffentliche Verkehr gewonnen.“

 
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