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Das Zauberwort heißt Optionsmodell

Eine Zukunft mit G8 Das Zauberwort heißt Optionsmodell

Die Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr bis zum Abitur, das so genannteG8-Modell, ist in Hessen großflächig gescheitert,im Landkreis praktisch verschwunden - nur die Steinmühle bietet ihren Schülern eine interessante Option

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An drei Nachmittagen in der Woche haben die Schüler der Steinmühle Unterricht zu bewältigen. Die Atmosphäre ist dabei in der Regel sehr gut.

Quelle: Götz Schaub

Marburg. Die Grundidee ist denkbar einfach. „Wir wollten eine Schule passend für die Bedürfnisse der Schüler anbieten“, sagt Björn Gemmer, der zusammen mit Bernd Holly die Leitung des Landschulheims Steinmühle inne hat. Die Lösung zu finden, war schon ein ordentliches Stück Arbeit.

Eine Rückkehr zu G9 war gesetzt, doch wurde auch die Notwendigkeit, G8 anzubieten, gesehen. Denn nicht gerade wenige Schüler an der Steinmühle sind Kinder von Eltern, die berufsbedingt öfters mal den Standort und damit auch das Bundesland wechseln müssen. Da sich nun das G8-Modell anders als in Hessen in anderen Bundesländern durchgesetzt hat, müsse es nach Ansicht der Steinmühle in Marburg unbedingt weiter eine Schule geben, die G8 anbietet, nachdem die drei staatlichen Gymnasien in kollektiv die Rückkehr zu G9 beschlossen hatten.

Eine eigens eingerichtete Steuerungsgruppe übernahm die Verantwortung, ein Schulzeitmodell zu entwickeln, das allen Anforderungen gerecht wird und Verlässlichkeit bietet. „Ich denke, dass uns das gelungen ist“, sagt Gemmer. Bernd Holly erläutert: „Das neue Modell ist ausgereift, es basiert auf der bisherigen Qualität und bietet zusätzliche Qualifikationen.“

Das Zauberwort, auf das alles aufbaut, heißt Optionsmodell. Das bedeutet, dass zunächst einmal für alle Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 eine neunjährige Gymnasialzeit angeboten wird. Dies ist ein zentraler Unterschied zu den staatlichen Schulen, die, sofern sie neben G9 auch G8 anbieten wollen, wie etwa die Edertalschule in Frankenberg, die Entscheidung schon ab Jahrgangsstufe 5 einfordern müssen. Schulleiter Gemmer dazu: „Bei Kindern, die zwischen 10 und 13 Jahren alt sind, passiert so viel in der Entwicklung, dass es mehr Sinn macht, die Entscheidung zwischen G8 und G9 erst am Ende der siebten Klasse zu treffen.“ Also gibt es G8 an der Steinmühle erst nach der Jahrgangsstufe 7. Nichtsdestoweniger bleiben die Klassenverbände auch in den Jahrgangsstufen 8 und 9 erhalten. Nur die Schüler, die G8 machen, lernen jeweils donnerstagnachmittags vorgezogen zentralen Stoff aus Nebenfächern der Klasse 10, während die G9-Schüler Schulaufgaben als betreute Lernzeit in der Schule machen. Schüler, die sich für die G8-Laufbahn entscheiden, arbeiten ein Drittel des Stoffs aus der Jahrgangsstufe 10 vor, Den Rest müssen sie individuell lernen, wenn sie die Jahrgangsstufe 10 überspringen wollen. Doch sind sie generell gut vorbereitet. Denn: „Durch das Festhalten an der gebundenen Ganztagsschule auch im G9-System wird in nahezu allen Fächern mehr Unterricht erteilt als bei den staatlichen G9-Gymnasien. Dadurch gelingt es uns, Hausaufgaben zu reduzieren, sie zu Schulaufgaben umzuwidmen und individuell zu fördern“, so Gemmer. Zudem gibt es ja noch das sechsstündige Hauptfach „Projektunterricht“, in dem fachübergreifend gelernt wird.

Für die G8-Schüler, die die zehnte Klasse überspringen, bieten sich dann zwei Möglichkeiten: Entweder sie beginnen mit der Oberstufe oder sie nehmen eine einjährige Auszeit, um beispielsweise ein Auslandsjahr einzulegen. Wer sich für Letzteres entscheidet, kann dann nach Ablauf des Jahres wieder mit der „alten“ Klasse in die Oberstufe gehen.

Aber auch die G9-Schüler sollen die Möglichkeit eingeräumt bekommen, erste Erfahrungen außerhalb der Schule, etwa bei einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt oder Berufspraktikum zu sammeln. Wie geht das? „Durch eine kleine Revolution“, sagt Bernd Holly. Die Klasse zehn wird nämlich nicht wie üblich in zwei Halbjahre aufgeteilt, sondern gedrittelt. „Wir sprechen dann von Terms“, klärt Gemmer auf. In den Terms ein und zwei, die von August bis November und November bis Ostern gehen, sollen vor allem die Nebenfachinhalte, die G8-Schüler bereits donnerstags in den Klassen 8 und 9 absolviert haben, gelernt werden. Im Term 3 von Ostern bis Schuljahresende können die Schüler dann wählen, ob sie ein Auslandsaufenthalt einlegen möchten, ein Praktikum oder ein Sprachkurs machen wollen oder an der Schule verbleiben und Kurse belegen, die noch einmal gezielt fit für die Oberstufen machen sollen.

Die Terms werden im Schuljahr 2016/2017 erstmals anstehen, 2018 / 2019 wird es kein Abiturjahrgang geben. Die Option auf G8 für die jetzige Klasse 7 wird nur durch einen Schulwechsel möglich sein.

von Götz Schaub

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