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Das Wahlsystem fordert die Erstwähler heraus

OP-Umfrage unter Schülern Das Wahlsystem fordert die Erstwähler heraus

Probetraining für die Kommunalwahl: Wie gut sind die Erstwähler auf den 6. März vorbereitet und wie kommen sie mit dem Stimmzettel zurecht? Die OP hat sich in den Schulen umgehört.

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Christoph Voß (18) (links) und Julius Kaletsch (18) gehören zu den Erstwählern bei der Kommunalwahl.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. 84 Mal 59 Zentimeter misst der Stimmzettel für den Kreistag bei der Kommunalwahl 2016. Lea Borowka (20) hat ihn sorgfältig vor sich ausgebreitet. „Ich hab mich da noch nie wirklich mit beschäftigt“, sagt Lea und kichert verunsichert, als sie die Namen der Kandidaten überfliegt, die auf dem roten Zettel abgedruckt sind.

Die junge KSM-Schülerin gehört zu den insgesamt 97 000 Erstwählern in Hessen, die bei den Kommunalwahlen am 6. März zum ersten Mal die kommunalen Vertretungen wählen dürfen. Bis zu 149 Kreuze können die Wähler in Marburg und dem Landkreis auf Kandidaten verschiedener Parteien verteilen. 59 werden in die Marburger Stadtverordnetenversammlung gewählt.

„Ich kenne keine Person davon“

Den Kreistag bilden hingegen 81 Parlamentarier, und in die jeweiligen Ortsbeiräte ziehen bis zu 9 Vertreter ein.
Wer genau sich hinter den Namen verbirgt, wissen viele nicht. „Ich kenne keine Person davon“, sagt Jasper Kanetz (18) und meint die Namen auf dem Stimmzettel für den Ortsbeirat, der vor ein paar Tagen in sein Elternhaus flatterte.
„Ich hab schon mal gegoogelt, aber da wurde leider nicht so viel über die einzelnen Personen gesagt“, bedauert der Elisabethschüler.
Viele Kandidaten scheinen den Schülern unbekannt zu sein. Zeit und Lust, sich mit jedem einzelnen auseinanderzusetzen, sind begrenzt: „81 Stimmen“, sagt Jasper und fasst sich an den Kopf. „Da hab ich ganz schön viel zu recherchieren.“

Wenn man weiß, wen man wählen möchte: Wie macht man das? „Ich denke, dass ich meine Stimmen kreuz und quer über den Stimmzettel verteilen kann, das heißt, ich könnte jemanden von der AfD und jemanden von der Linken wählen“, sagt Tom Schröder (18) und beschreibt damit unwissentlich („Wie hieß das nochmal?“) das Prinzip des Panaschierens (französisch für „mischen“). „Das bedeutet, dass man seine Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilt.“

Es geht aber auch anders: „Ich kann sagen, entweder ich wähle eine Liste. Dann werden die Stimmen gleichmäßig aufgeteilt unter den Leuten, die auf der Liste stehen. Oder ich kumuliere und gebe den Leuten auf der Liste, die ich wählen möchte, zwei oder drei Stimmen“, so Alexander Baumgarten, der mit seinen 17 Jahren noch nicht bei der Kommunalwahl mitwählen darf. „Deshalb sind hinter den Namen drei Felder, so dass man einer Person maximal drei Stimmen geben kann“, ergänzt sein Schulkamerad Chris Nacke (20). 

von Ruth Korte
 

 
 
Fragen und Antworten
  • Wer darf bei der Kommunalwahl wählen?

Alle Bürger der Europäischen Union, die am Wahltag ihr 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in der Gemeinde ihren Wohnsitz haben.

  • Wie viele Stimmen habe ich?

Jeder Wähler hat so viele Stimmen, wie Sitze in der zu wählenden Körperschaft zu vergeben sind. Für die Wahl der Stadtverordnetenversammlung in Marburg mit 59 Sitzen stehen 59 Stimmen zur Verfügung, für die Wahl des Kreistages des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit 81 Sitzen stehen 81 Stimmen und für die Wahl eines Ortsbeirates – je nach Einwohnerzahl mit 3 bis 9 Sitzen – 3 bis 9 Stimmen zur Verfügung.

  • Wie sieht der Stimmzettel aus?

Der Stimmzettel enthält zu jedem Wahlvorschlag (Liste) den Namen und die Kurzbe­zeichnung der Partei und die dazugehörige Listennummer. Darüber hinaus werden für jede Liste höchstens so viele Bewerber abgedruckt, wie Sitze zu vergeben sind. Hat eine Partei oder Wählergruppe weniger Bewerber aufgestellt, als Sitze zu vergeben sind, dann werden für diese Liste nur die von der Partei aufgestellten Bewerber abgedruckt.

  • W ie kann ich meine Stimmen auf dem Stimmzettel verteilen?

Man kann seine Stimmen einzeln an beliebige Bewerber vergeben. Dabei darf man auch Personen aus verschiedenen Listen auswählen: das nennt man „Panaschieren“ (frz. „mischen“). Von seinen Stimmen kann man auch jedem Lieblingskandidaten eine oder auch zwei, höchstens aber drei Stimmen geben. Das Anhäufen von mehreren Stimmen auf einen Kandidaten nennt man „Kumulieren“ (lat. „Anhäufung“). Beides kann man auch gleichzeitig nutzen. Dabei sollte man aber darauf achten, dass die Gesamtstimmenzahl nicht überschritten wird.

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