Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Das Vertrauen wiedergewinnen“

Radtour der Organspende „Das Vertrauen wiedergewinnen“

Nach dem Transplantationsskandal 2012 ging die Zahl der Spender rapide zurück. Eine Fahrradtour als Informationsveranstaltung soll den Aufschwung bringen. Die Veranstalter setzten auf einen offenen Diskurs.

Voriger Artikel
Hochhaus-Brand: Stadt sucht Notunterkünfte
Nächster Artikel
Die "Bimmelbahn" ist da

Die Organisatoren werben für die Radtour, die auf das wichtige Thema Organspende aufmerksam machen soll.

Quelle: Landkreis

Marburg. Julian Meller ist 17 Jahre alt und litt bis vor vier Jahren noch an einer chronischen Nieren-Insuffizienz, die ihn schwach und schmächtig machte. Heute spielt er Hockey, Tennis, macht Fitness und lebt generell sehr sportlich. „Die Nierentransplantation 2010 hat mir meine Freiheiten wiedergegeben!“, sagt der Fast-Abiturient.

Julian ist einer von mehr als 11000 Menschen in Deutschland, die auf einer Warteliste für Organtransplantationen stehen. Das Problem ist, dass die Zahl der Spender dagegen immer weiter sinkt. Gerade nach dem Transplantationsskandal 2012, als Patientendaten manipuliert wurden und eine Diskussion um die legitime Hirntoddiagnostik entbrannte, erreichte die Anzahl der Organspender eine „Talsumme“, wie Karsten Gehmlich von der Deutschen Stiftung Organtransplantation berichtet. 2013 gab es bundesweit lediglich 876 Organspender, laut Gehmlich das erste Mal seit 20 Jahren, dass eine Anzahl von 1000 Spendern nicht erreicht wurde.

Der allgemeinen Verunsicherung und dem Verlust von Vertrauen soll nun durch eine Aktion des Universitätsklinikums Gießen und Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf mit dem Fachbereich Gesundheit, unterstützt vom Förderverein Organspende Marburg, dem Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche, der Deutschen Stiftung Organtransplantation sowie des Vereins Dialysepatienten und Transplantierte Mittelhessen entgegengewirken. Am Samstag, 28. Juni, organisierten die Kooperationspartner eine Fahrradtour von Marburg nach Kirchhain, mit der über Organspende und Transplantation aufgeklärt und informiert werden soll.

„Schwarze Schafe“

Die Tour verläuft unter anderem entlang der Innenstadt und über Wehrda, also Wege, die „Mitten im Geschehen“ liegen. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt. Man wolle sich mit „allen Vorbehalten, allen Ängsten, aber auch allen Chancen und allen Möglichkeiten“ auseinandersetzen. „Wir möchten das Vertrauen der Menschen wiedergewinnen und auf ein Thema aufmerksam machen, das für alle wichtig ist“, erklärt Claudia Dielmann-Ackermann vom Fachbereich Gesundheit und Organisatorin der Aktion. Denn zahlreiche Patienten sind noch immer abhängig von Organspenden.

Inzwischen besteht für viele eine Wartezeit von sieben bis acht Jahren, in denen ihr Gesundheitszustand immer schlechter wird. „Dramatisch“, findet das Dr. Tanja Maier, Transplantationsmedizinerin am UKGM. „Schwarze Schafe“, nennt sie die Verantwortlichen des Skandals vom 2012, „die die ganze Medizinsparte in Verruf bringen“.

Zeigen was Betroffene leisten können

Die Tour ist aufgeteilt in Stationen, an denen man sich an aufgebauten Ständen informieren und mit Ansprechpartnern austauschen kann. „Es ist uns ein Anliegen, dass man hier normal und offen über das Thema reden kann“, sagt Klaus Zinnecker vom Förderverein Organspende Marburg. Die Radfahrt stehe für die körperliche Leistungsfähigkeit, über die die Mensch auch noch nach einer Transplantation verfügten. „Wir wollen zeigen, dass selbst Betroffene weiter am aktiven Leben teilnehmen können“, sagt Fründt.

Die „Radtour der Organspende“ beginnt morgens um 11 Uhr am PHV-Dialysezentrum und endet gegen 15 Uhr an der Dialysepraxis Dr. Küllmer/Dr. Trebst in Kirchhain mit einem abschließenden gemeinsamen Grillen. Gegen Mittag, 13 und 14.30 Uhr, gibt es Zwischenstopps am Rudolphsplatz, dem Tegut-Markt in Wehrda sowie dem Herkules-Markt in Kirchhain. Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, welche Abschnitte der Tour er mitfährt.

Anmeldungen per E-Mail an: klaus.zinnecker@web.de

von Leonie Ruhland

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr