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Das Szenario einer Brückensperrung

Weidenhäuser Brücke Das Szenario einer Brückensperrung

Die Weidenhäuser Brücke wird ab Sommer nächsten Jahres regelmäßigen Schadensprüfungen unterzogen. Sollte sich der Tragegewölbe-Zustand verschlechtert haben, gibt es mehrere Sicherungsschritte. Das Szenario.

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Bus-Fahrverbot auf der Weidenhäuser Brücke? Sollten 2017 fortschreitende Schäden an dem Bauwerk festgestellt werden, könnte seitens der Stadtverwaltung die zulässige Tonnenlast und somit der Verkehr reduziert werden.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Für das rund 130 Jahre alte Bauwerk würde bei Bedarf zunächst ein Fahrverbot für mehrere Fahrzeugtypen verhängt werden. Dürfen derzeit noch Transporter mit einem Gewicht von bis zu 30 Tonnen über die Weidenhäuser Brücke fahren, würde die zuständige Behörde die Maximallast auf 16 Tonnen reduzieren. Resultat der Herabstufung: Fahrverbot für Gelenkbusse und dreiachsige Lastkraftwagen - alternativ zu diesem Schritt würde eine der Spuren gesperrt. Der Schwerverkehr müsste dann nach Angaben von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf die Anschlussstellen Bahnhofstraße und Südspange sowie Gisselberger Straße ausweichen.

Zudem müsste der Busverkehr der Stadtwerke teilweise neu organisiert werden - da aber bei den Sanierungsplänen der Brücke auch die Variante einer Vollsperrung angedacht war, gibt es laut OB bereits alternative Netzpläne, die sofort umgesetzt werden könnten.

Die weiteren Schritte:

  • Zwölf Tonnen (Fahrverbot für Stadtbusse, Müll- und Lieferfahrzeuge z.B. für Baumaterial, zweiachsige Lkw)
  • Neun Tonnen (Fahrverbot Lieferfahrzeuge für Einzelhandel, Kleinbusse, Möbeltransporter)
  • Sechs oder drei Tonnen (Fahrverbot für Transporter)
  • Pkw-Brückenklasse (Fahrerlaubnis nur noch für Autos)

Sollte statt einer Tonnagereduzierung, die für alle drei Spuren gilt, eine Fahrspur gesperrt werden, „könnten Rückstaus in der Straße Erlenring sowie erhöhte Verkehre auf der Innenstadtachse entstehen“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Stadtverordneten Marco Nezi (Grüne) in der vergangenen Woche.

Mit jeder weiteren Einschränkung würde sich demnach „die Verkehrssituation auf den möglichen Ausweichstrecken „verschärfen.“ Bei einer Vollsperrung - die auch Fußgänger und Radfahrer sowohl über als auch unter der Brücke betreffen würde - wäre „mit erheblichen Verkehrsbehinderungen in der ­Innenstadt zu rechnen“. Allerdings: Von all diesen Schritten sei aktuell keiner geplant, mit einer kurzfristigen Sperrung wegen Gefahren für die Verkehrssicherheit sei nicht zu rechnen, sagt Spies.

„Die einfachere Variante der Sanierung wäre besser“

Hessen Mobil bestätigt indes auf OP-Anfrage die prinzipielle­ Möglichkeit der Fördermittelverschiebung: „Wenn die Maßnahme aus triftigen Gründen längerfristig verschoben wird“, sagt Sonja Lecher, Pressesprecherin. Der Förderbescheid werde in so einem Fall zurückgezogen, könne später wieder neu beantragt werden. Allerdings sei das, was in der Universitätsstadt passiere, „äußerst selten“ - eine Einschätzung, die auch der Hessische Städtetag formulierte.

Die OP hörte sich an der Brücke um, was denken die ­Marburger? „Wenn es finanziell­ klemmt, wäre es vielleicht besser, die einfachere Variante zu wählen, ohne Steg“, sagt Peter Blöing, der seit 20 Jahren nahe der Brücke sein Zuhause hat. „Obwohl ein Bürgersteig auf der anderen Seite schön wäre, sollte man das historische Bauwerk doch lieber in seinem ursprünglichen Zustand erhalten.“

„Ich hoffe, dass es etwas wird mit der Brückensanierung. Wenn hier mal wegen des schlechten Zustands der Brücke ein Unglück geschieht - ich weiß nicht, ob der Oberbürgermeister das verantworten kann“, sagt ­Christine Budzinski. Dass die ­finanzielle Situation der Stadt wirklich so schlecht ist, kann sich die 78-Jährige nicht vorstellen. „Ich sehe an mehreren ­Orten Handlungsbedarf, zum Beispiel am Lokschuppen.­ ­Mit dieser Politik bin ich im ­Moment einfach nicht einverstanden“, sagt sie.

von Björn Wisker
und Philipp Lauer

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