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Das Leben anderer Menschen gefährdet

Aus dem Amtsgericht Das Leben anderer Menschen gefährdet

Weil er mit einem riskanten Fahrmanöver einen anderen Wagen auf der Stadtautobahn erst rechts überholte, dann knapp und zu früh einscherte und dabei fast einen Unfall ­verursachte, wurde ein Autofahrer verurteilt.

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Das Amtsgericht verurteilte einen Raser zu einer Geldstrafe und einem zweimonatigen Fahrverbot.

Quelle: Archiv

Marburg. Alle Beteuerungen des Angeklagten halfen ihm schlussendlich nichts, der 35-Jährige wurde wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt. Dessen Verhalten auf der Autobahn habe Leben gefährdet, stellte das Gericht fest.

Der Marburger hatte im Dezember vergangenen Jahres ein vor ihm fahrendes Auto auf der Bundesstraße 3 erst rechts überholt, war im Anschluss äußerst knapp vor dem Pkw wieder auf die linke Fahrspur eingeschert. Nur eine abrupte Vollbremsung der Fahrerin konnte einen Zusammenstoß verhindern. Die fünf Insassen des Wagens, allesamt Polizisten, verfolgten den eiligen Raser für eine außerplanmäßige Kontrolle.

Dessen Fehlverhalten beschrieben während des dritten Verhandlungstages zwei weitere Polizisten, welche die vorangegangenen Aussagen der Kollegen bestätigten. Bereits einige Zeit vor der Abfahrt Marburg-Mitte fiel der Fahrerin der andere Wagen auf, da er äußerst dicht auffuhr und drängelte. Bevor der Wagen noch vollständig rechts überholte, habe der Fahrer den BMW bereits wieder nach links gelenkt, kam ihrem Fahrzeug dabei gefährlich nahe, „er war erst auf Höhe des Motorblocks“, beschrieb die Zeugin das gefährliche Manöver. Nur eine Vollbremsung konnte Schlimmeres verhindern, „sonst wäre es zum Zusammenprall gekommen“.

Zeugenaussagen sind 
für Ankläger glaubhaft

Im Anschluss fuhr der Mann, der das Ganze scheinbar nicht bemerkte, „mit unverminderter Geschwindigkeit“ weiter, raste angeblich auch noch über den Parkplatz kurz vor der Ausfahrt. Dies hatte der Mann vehement bestritten, auch dass die Situation dermaßen knapp gewesen sein soll, sah er nicht ein.

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand das tatsächliche Gefahrenpotenzial, das der Mann durch seine Fahrweise verursacht hatte. Für eine eindeutige Straßenverkehrsgefährdung setzt das Gesetz unter anderem die Gefährdung von „Leib und Leben eines anderen Menschen“ voraus – „dafür muss schon einiges passieren“, machte Strafrichter Cai Adrian Boesken erneut deutlich.

Nach den glaubhaften Zeugenaussagen war die Staatsanwaltschaft jedoch überzeugt, dass der umstrittene Tatbestand mehr als erfüllt war und das Fahrmanöver des Angeklagten streng geahndet werden müsse: Der Mann habe andere Menschen „rücksichtslos gefährdet“, betonte Rechtsreferendar Herrgesell, der sich für eine Geldstrafe samt neunmonatiger Fahrsperre aussprach.

Davor hatte der Angeklagte am meisten Bedenken, schon aus beruflicher Sicht. Er stand indes vor Jahren schon einmal vor Gericht, saß wegen Drogenhandels bereits im Gefängnis. Bislang hat er jedoch noch keine Eintragungen im Verkehrsregister, die Fahrerlaubnis wurde ihm während des früheren Strafverfahrens jedoch schon einmal vorübergehend entzogen.

Angeklagter will
 Rechtsmittel einlegen

„Mit viel Wohlwollen“ betrachtete der Richter die riskante Fahrt als einmaligen Verstoß, nicht als generelle Fahruntauglichkeit, und konnte somit ein relativ kurzes Fahrverbot von zwei Monaten anstelle einer langen Sperrfrist verhängen.

Der Mann wurde wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 35 Euro verurteilt. Dessen „brenzliges Überholmanöver“ war zwar nicht als Provokation gedacht gewesen, jedoch „in hohem Maße gefährlich“, der Fahrer habe klar fahrlässig gehandelt, stellte Boesken fest.

Dies sah der Angeklagte nach wie vor nicht ein und blieb bei seiner Version, dass das Ganze weniger knapp vonstatten ging, als in der Anklage beschrieben. „Ich bin einfach nur sprachlos und entsetzt“, teilte der Mann frustriert vor Gericht mit. Er bezog sich damit auf die Aussagen der Zeugen, die er als übertrieben und untereinander abgesprochen wertete.

Warum diese jedoch den ihnen völlig Unbekannten fälschlich vor Gericht beschuldigten, damit eine bei Polizisten besonders strenge Strafverfolgung riskieren sollten – dafür fand das Gericht keinerlei Anzeichen, stellte der Richter klar. Der Angeklagte kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

von Ina Tannert

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