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„Das Glücksspiel unattraktiv machen“

Aktionstag „Das Glücksspiel unattraktiv machen“

„Brauchen Glücksspieler Schutz?“ fragten zum hessenweiten Aktionstag die Mitarbeiter der Sucht- und Drogenberatung des Diakonischen Werks auf dem Marktplatz. Auf einer Plane konnten Passanten mit Stickern ihre Antwort markieren.

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nichts kostet, taugt nichts“

Sebastian Reinhard (von links), Dieter Schmitz, Ulrich Kling-Böhm, OB Dr. Thomas Spies mit einem „Schutzschirm“ für Spielerschutz, Holger Schmidt.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Unter Spielerschutz versteht man Maßnahmen, die dazu dienen, dass Glücksspieler nicht süchtig werden. „Sie sollen das Glücksspiel unattraktiv machen“, erklärt der Fachberater Sebastian Reinhard. Daher kann man von außen nicht in Spielhallen schauen - Bankautomaten sind verboten, und in Marburg gilt Rauchverbot.

Bereits Abhängige können sich selbst schützen, indem sie sich hessenweit sperren lassen. Das Problem: In Bistros sind bis zu drei Automaten erlaubt, dort können Süchtige weiterspielen, ohne sich ausweisen zu müssen, weil die Bistros nicht dem Spielhallengesetz unterliegen.

"Spieler überschätzen die Gewinnmöglichkeiten"

„Spielhallen müssten eigentlich an die Automaten schreiben, wie hoch die Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeit und die Auszahlungsquote sind“, meint Fachberater Holger Schmidt. Nur auf Nachfrage kann man sich von den Betreibern darüber informieren lassen. „Spieler überschätzen die Gewinnmöglichkeiten“, erklärt Dieter Schmitz, Leiter der Drogen- und Suchtberatung.

„Sie sind überzeugt, dass sie bessere Gewinnmöglichkeiten haben als andere.“ 80 Prozent der Menschen, die in die Beratung kommen, seien von Geldspielautomaten in Spielhallen abhängig, gefolgt von Sportwetten und Casinospielen. Die psychische Wirkung, zunächst die Spannung und beim Gewinn das Gefühl von Euphorie, sei es, die abhängig mache, ähnlich wie bei Drogen. 2012 wurde ein Spielhallengesetz verabschiedet, dessen Übergangsfrist im kommenden Jahr endet. Dann muss zwischen Spielhallen ein Mindestabstand von 300 Metern eingehalten werden, und es darf in einer Spielhalle nicht mehr mehrere Räume mit bis zu zwölf Geräten geben. „Bei uns sind schon die ersten Anträge auf Härtefall eingegangen“, berichtet Ralf Zimmermann vom Gewerbeamt. Wirtschaftliche Gründe führen die Betreiber an. „Das muss im Einzelfall geprüft werden. Beispielsweise müsse nachgewiesen werden, dass Hallen nicht anders genutzt werden könnten.

„Auch, wenn man das als Betreiber nicht will, lebt man von denen, die nicht anders können“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Nach Angaben des Diakonischen Werks stammt jeder zweite Euro, der in einer Spielhalle investiert wird, von einem Süchtigen.

Abhalten durch verteuern

Im Jahr 2014 betrugen die Spielerverluste in Marburg 7,7 Millionen Euro. Die Stadt hat durch das Glückspiel jährlich mehr als eine Million Euro Vergnügungssteuer-Einnahmen. „Die Folgekosten aus der Abhängigkeit sind viel höher“, meint Fachberater Schmidt. Arbeitslosigkeit, Krankheit, Depression, Suizidalität und zerrüttete Familien gehören dazu. 2014 betrug die Zahl der Abhängigen in Hessen nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 32000, weitere 27000 zeigten problematisches Spielverhalten, die Vorstufe zu Sucht.

„Zum 1. Januar kommenden Jahres soll zur Begrenzung der Nutzung die Spielapparatesteuer erhöht werden“, erklärt OB Spies. Sie solle von 14 beziehungsweise 16 auf einheitlich 20 Prozent angehoben werden. „Die Verteuerung von Vorsuchtzuständen soll helfen, davon abzuhalten.“

von Freya Altmüller

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