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Das Einüben des Selbstverständlichen

GEW Das Einüben des Selbstverständlichen

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ging es am Mittwoch in der Elisabethschule in Marburg um den gemeinsamen Unterricht von nichtbehinderten und behinderten Kindern in der Regelschule.

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Auf dem Podium diskutierten (von links) Peter-Martin Stier, Schulleiter der Landgräfin-Elisabeth-Schule Stadtallendorf, Landesschulsprecher Tim Huß, Lehrerin Dörte Severin, Moderator Hartmut Möller, Förderschullehrer Johannes Batton, Schulleiteriin Dorothea Mannshardt und Bernd Mönnich vom Stadtelternbeirat Marburg.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. „Inklusion braucht Qualität“, so der Titel der Veranstaltung. Johannes Batton, Förderschullehrer aus Kassel und Initiator des „Allendorfer Appells“, der sich gegen den neuen Schulgesetzentwurf der hessischen Landesregierung wendet, erinnerte daran, dass durch die Behindertenkonvention der Vereinten Nationen Kindern mit Behinderung der Unterricht in Regelschulen nicht mehr verwehrt werden dürfe. Konkret heiße dies, dass die Sonderschulpflicht entfallen müsse. „Das ist Gesetz in Deutschland.“ Die Förderschule solle zwar weiterhin als Alternative bestehen bleiben, „aber die inklusive Beschulung ist Standard“.

Gefordert werde ein „hochwertiger Unterricht“ sowie angemessene Vorkehrungen für die Bedürfnisse des Einzelnen. Es bestehe ein Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Was die Landesregierung nun vorhabe, entspreche jedoch nicht der Vorgabe, wenn sie den sogenannten „Ressourcenvorbehalt“ in das Gesetz schreiben wolle. Denn dieser beinhalte, dass das Schulamt entscheide, an welche Schule ein Kind gehe, sollte an der Wunschschule diese Förderung nicht erfolgen können.

Dorothea Mannshardt, Schulleiterin der Mittelpunktschule in Hartenrod, betonte, dass Förderung und eine wirkliche Differenzierung nur mit mehr Lehrkräften gesichert werden könne. Es brauche zudem mehr Geld für Materialien, Räume und Schulsozialarbeit. Bisher hätten Förderschullehrer auch an Regelschulen unterrichtet, wenn diese zukünftig wie geplant nur noch beratend tätig sein sollten, der Unterricht in der Regelschule aber nur noch von Regelschullehrern geleistet werde, sei dies der falsche Weg. Für die Betreuung behinderter Kinder seien diese nicht ausgebildet. Im Übrigen müsse mehr Zeit für Fortbildungen zur Verfügung stehen, forderte Mannshardt.

Sie bemängelte auch den Zeitplan der Umsetzung. Kultusministerin Dorothea Henzler spreche von 10 bis 20 Jahren. Und wenn es seitens der CDU heiße, dass Inklusion bereits heute gelebte Praxis sei, klinge dies wie Hohn. Laut Batton werden in Hessen nur 12,8 Prozent der behinderten Kinder in Regelschulen unterrichtet.

von Heiko Krause

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