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Das Dach über dem Kopf abgedeckt

Mietstreit am Rabenstein Das Dach über dem Kopf abgedeckt

Ein 65-jähriger Rentner fürchtet, sein Zuhause zu verlieren. Seit 28 Jahren lebt er in seiner Wohnung am Rabenstein. Jetzt droht das Haus über den Winter unbewohnbar zu werden.

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Der Mieter blickt besorgt auf das Haus, in dem er seit fast 30 Jahren wohnt. Er fürchtet, sein Vermieter möchte ihn aus dem Haus drängen.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Wo einmal Dachziegel das Haus am Rabenstein 19 vor Wind und Wetter schützten, liegt nun das Mauerwerk frei. Wo die Erdgeschosswohnung einmal Fenster hatte, flattern nun Plastikfolien im kalten Wind. „Der Vermieter hat in der letzten Novemberwoche die Fenster ausbauen lassen. Die Heizungen wurden ausgebaut und der Boden aufgerissen“, berichtet der Mieter, ein Arzt, der seit 1988 im Obergeschoss wohnt. Namentlich will er nicht genannt werden.

Seitdem die Handwerker ­Ende November da waren, sei nichts mehr passiert, das Haus ist der winterlichen Witterung ausgesetzt. Der Rentner fürchtet Wasserschäden in den Wänden der Erdgeschosswohnung, wenn die Heizungsrohre einfrieren. Die Wände seiner Wohnung, die bis vor kurzem noch mit Ziegeln verkleidet waren, werden vom Regen nass. „Wenn es friert, wird die Wand Schaden nehmen“, vermutet er.

Was sein Vermieter mit den Arbeiten bezweckt, hat er ihm nicht verraten. Seit anderthalb Jahren liegt er im Streit mit ihm, die beiden kommunizieren nur noch über Anwälte und vor Gericht miteinander. Der Mieter fürchtet, der Vermieter will ihn aus dem Haus drängen.

Ausgangspunkt des Streits: Der 65-jährige Arzt hat 2013 mit den Vorbesitzern des Hauses ein ­ lebenslanges Wohnrecht samt einem Gartennutzungsrecht vereinbart. Ein Jahr später wurde das Haus an einen Immobilieninvestor aus dem Ostkreis verkauft. „Er hat mir auch mündlich und schriftlich erklärt, dass er in die Vereinbarung eintritt. Mittlerweile glaube ich, dass er sich von Anfang an nicht daran halten wollte“, sagt der Mieter.

Bereits im August 2015 habe­ der Investor eine Garage auf das von ihm gemietete Gartengrundstück gebaut. Ein Jahr später hat der Arzt eine einstweilige Verfügung gegen den Bau weiterer Garagen erwirkt und Klage erhoben, die bereits gebaute Garage wieder zu entfernen.

Der Versuch, sich außergerichtlich gütlich zu einigen, sei gescheitert, nicht nur lagen die Vorstellungen der beiden Seiten zu weit auseinander – auch bei den Zahlungsmodalitäten sei  man sich nicht einig geworden.
Was die aktuelle Situation angeht, so hat der 65-Jährige eine weitere einstweilige Verfügung beantragt: Der Vermieter soll das Haus davor bewahren, ­unbewohnbar zu werden. Der Immobilieninvestor sah „keinen­ Bedarf“, mit der OP über die
­Angelegenheit zu sprechen.

von Philipp Lauer

Zivilklage am Amtsgericht

Der Rechtsstreit zwischen einem Anwohner und dem Investor, der am Rabenstein eine Wohnanlage gebaut hat, geht wohl in die nächste Runde. Im Eilverfahren vor dem Marburger Amtsgericht wurde lediglich entschieden, dass Baumaßnahmen zunächst ruhen müssen.

Wie die OP berichtete, bewohnt der Kläger eine alte Villa in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Projekts, die ebenfalls dem Investor aus dem Ostkreis gehört. Er hat lebenslanges Wohnrecht. Zu der Villa gehört auch ein Garten. Weil eine bereits gebaute Garage dessen Nutzung stört, ist der Kläger vor das Amtsgericht gegangen, um den Rückbau zu erreichen.

Die Beklagtenseite, so Richter Thomas Drengenberg, argumentiere, dass die Gartennutzung separat gekündigt wurde, weil dieser nicht gepflegt worden sei. Der Klägervertreter hatte Bilder dabei, die belegen sollen, dass sich der Garten in vorbildlichem Zustand befindet. Das jedoch, so Drengenberg, sei im Eilverfahren nicht maßgeblich.

„Das Mietverhältnis ist angekratzt“, stellte Drengenberg fest. Die Beteiligten hätten nun mehrere Möglichkeiten. Entweder sie einigten sich, etwa auf Zahlung einer Abgeltung, dann könne der Mieter sich etwas „Schönes Neues“ suchen, oder auf Weiterbestehen des Mietverhältnisses bei Abstrichen beider Seiten. Die andere Lösung, die Fortsetzung des Rechtsstreits, heiße dann hopp oder top, so der Richter.

Wie der Beklagtenvertreter berichtete, hätten die Beteiligten außergerichtliche Verhandlungen mit dem Ziel geführt, dass der Kläger die Gartennutzung sofort eingestellt und im kommenden Jahr auszieht. Die Vorstellungen lagen aber zu weit auseinander. Die Beklagtenseite habe 100 000 Euro geboten, der Kläger wolle 350 000 Euro. „Wir werden weiter verhandeln, aber nicht hier und heute“, sagte der Anwalt des Klägers dazu.

„Wir halten das Rad erst einmal an“, so Drengenberg. Der Status Quo sei festgestellt und es heiße erst einmal Stopp. Das Ergebnis des Hauptverfahrens, für das der Kläger Klage erheben müsse, dürfe nicht vorweggenommen werden. „Es geht nur darum, das Kind, das in den Brunnen gefallen ist, soweit hochzuziehen, dass es wieder Luft bekommt, ob es endgültig fallengelassen oder rausgezogen wird, das wird im Hauptverfahren zu entscheiden sein.“

von Heiko Krause

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