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Das 24-Millionen-Euro-Großprojekt

Stadthalle Das 24-Millionen-Euro-Großprojekt

Die Stadthalle ist der große Marburger Zankapfel. Im Bauausschuss soll das Projekt, das Erwin-Piscator-Haus für 24,125 Millionen Euro zu modernisieren, auf den Weg ­gebracht werden.

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Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Zur Vorgeschichte: Ursprünglich sollte die Sanierung 16 Millionen Euro kosten. Die CDU-Fraktion brachte die Summe von 32 Millionen Euro ein, also das Doppelte. Eine detaillierte Kostenplanung durch die HTK-Architekten und die Projektsteuerung von Drees / Sommer ergibt nun: Das Kostenvolumen beträgt 24,125 Millionen Euro netto (Brutto: 28,709 Millionen Euro) und wird auf die Haushalte bis 2015 verteilt.

Dass am Ende mehr auf der Kostenseite stehen wird, das geht schon aus den Empfehlungen der Projektsteuerung hervor. Danach soll die Stadt Rückstellungen für Unvorhergesehenes bilden - nach Drees/Sommer-Erfahrungen (dieses Unternehmen zeichnet als Generalmanagement unter anderem für den Potsdamer Platz oder das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart verantwortlich und führt weltweit insgesamt 33 Büros) könnte ein weiterer Budgetbedarf von bis zu 15 Prozent auf die Stadt zukommen.

Wie schnell die Rechnung wächst, zeigen schon jetzt einige Beispiele: So forderte das Regierungspräsidium Gießen eine weitere Grundwasseruntersuchung an, um eine Absenkung ausschließen zu können. Was ebenfalls zu Buche schlägt: zusätzliche Baustellensicherung, Bedarfsanpassungen der späteren Nutzer wie KFZ und Landestheater sowie die Preisangleichung vom Niveau Januar 2012. So kamen alleine im Zeitraum von Januar bis Juli 2012 Netto-Zusatzkosten von 585000 Euro zusammen.

Für die CDU steht fest: „Wir werden dem Beschluss nicht zustimmen“, sagt Fraktionschef Philipp Stompfe. Er plädiert für einen Neubau, der nach Experten-Berechnungen 36 Millionen Euro kosten würde. „Im Haushalt sind 30 Millionen Euro vorgesehen für die Sanierung. Warum wird nicht einmal ein Neubau in Erwägung gezogen?“. Er rechnet ohnehin mit einer weiteren Verteuerung der Sanierung. „Die inhaltliche Konzeption ist in Ordnung. Aber warum gibt man eine große Chance mit allen Vorteilen eines Neubaus aus der Hand?“

Der Entschluss wird mit den Stimmen von Rot-Grün den Ausschuss passieren. Auch die Linke segnet den Plan ab. Wenngleich Henning Köster sagt: „Mit der aktuellen Kostensteigerung sind wir noch einverstanden. Wir werden aber genau hingucken.“

Landestheater freut sich über Ersatzspielort

Die Sanierung bewertet der Linken-Fraktionschef für sinnvoll. Zwei Punkte gelte es aber nachzuverhandeln. Zum einen muss das Verkehrskonzept vor der Stadthalle mit Verbindung zum Audimax geklärt werden. Darüber hinaus gehe aus dem ansonsten sehr detaillierten Plan nicht hervor, wie der Namensgeber, Regisseur und Theaterintendant Erwin Piscator, in den Räumen entsprechend gewürdigt werde.

Merklich erleichtert ist das Landestheater über die Beschlussvorlage. Denn: die Kosten für die Ersatzspielstätte Galeria Classica sowie die Unterbringung für Schneiderei, Fundus und Requisite tauchen in der Kalkulation mit 200000 Euro auf. Darüber hinaus sind 220 000 Euro für die technische Ausstattung wie Beleuchtung und Beschallung des ehemaligen Autohauses geplant. „Wir sind froh, eine Interimslösung gefunden zu haben“, sagt die stellvertretende Intendantin des Landestheaters, Dr. Christine Tretow. Sie wisse um die Haushaltssituation der Stadt Marburg und habe Abstriche in Kauf genommen. „Ein Ersatz für die Stadthalle ist die gefundene Lösung dennoch nicht.“

Der Ausschuss tagt heute um 18.30 Uhr im Sitzungssaal Barfüßerstraße 11

Am Sonntag ist der Stadthallenumbau aus Sicht des Kulturladens KFZ ab 11.30 Uhr Thema einer Präsentation im Cineplex. Baudirektor Jürgen Rausch Jürgen Rausch erläutert das Architekturkonzept. Die Pläne können eingesehen werden. Rede und Antwort stehen Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Vorgestellt werden soll die Arbeit des soziokulturellen Zentrums, das auch in der Marburger Stadthalle ein LiveClub mit der bekannten Atmosphäre aus der Schulstraße bleiben will. Zu Beginn der Veranstaltung wird der Film „Kulturtrüffelschweine“ von Hans Magnus Pechel über die Arbeit des KFZ gezeigt.

von Carsten Bergmann

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