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Darf es ein Salätchen sein?

Unternehmen expandiert Darf es ein Salätchen sein?

Die Jungunternehmer Felix und Peter Heinzmann haben mit ihrer Salatbar ein Bedürfnis vieler Schreibtisch-Arbeiter erfüllt.

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Zwiebelgeruch verbreitet sich im Großraumbüro: Der Kollege hat Mettbrötchen dabei. Eine wunderbare Jause auf Wanderungen – für viele Büroarbeiter ist der rustikale Duft aber der Albtraum.
Auch Studenten kennen das kollektive Magengrummeln nach dem mittäglichen Mensagang. Wenn die Sahne­sauce den Körper kapert und den Kopf auf die Tischkante zwingt.
Jeder weiß, dass ein gemischter Salat oder eine Suppe gesünder wären als der panierte Kabeljau mit Remoulade und Fritten – aber wo bekommt man das her, wenn man nur kurz Mittag machen will?
Das Bedürfnis nach gesundem Fast Food hat die Gastronomie erkannt und zwei junge Marburger Unternehmer sind besonders erfolgreich mit ihrem Konzept. Die Cousins Peter und Felix Heinzmann haben im Oktober 2010 das „Salädchen“ gegründet. In der Suppen- und Salatbar können sich die Kunden ihre Wunschsalate zusammenstellen lassen, frisch verpackt mitnehmen oder vor Ort essen.

Wenn sie ehrlich sind, müssen die Heinzmanns zugeben, dass sie nicht aus vegetarischen Motiven zum Geschäft mit den Blättern gekommen sind. „Ich persönlich“, sagt Felix Heinzmann nicht ohne Ironie, „esse Salat gerne zum Steak.“ Aber als die beiden vor drei Jahren das „Tapas&Co“ im Lahncenter übernahmen, hatten sie auf einmal einen kleinen Raum übrig. Um ihn – wie bisher – als Lager zu nutzen, war die Lage am Pilgrimstein zu wertvoll und um darin Würstchen zu braten, war der Raum zu klein. Und so wagten sich die beiden an ein Projekt, zu dem sie einst im Hotel Mirage in Las Vegas inspiriert worden waren. Las Vegas? Ja. „Da hat ein Koch alles, was ich wollte, in einer silbernen Schüssel gemixt und dann auf den Teller umgefüllt“, erinnert sich Felix Heinzmann.

Filialen in Köln, Gießen, Freiburg, Frankfurt und Berlin

Seine Familie ist mit Institutionen wie dem „Felix“, dem „Café am Markt“, dem „Fiona‘s“ und dem Hotel Stümpelstal in Michelbach lange genug in der Region aktiv gewesen, um zu wissen, dass sich das Konzept aus Las Vegas nicht eins zu eins nach Hessen übertragen lässt. Aber die Grundidee blieb erhalten: Der Kunde stellt seinen Salat (Normal: 3,90 Euro) nach dem eigenen Geschmack zusammen. Auf die Grundzutaten Nudeln oder grüner Salat folgen fünf Inklusiv-Zutaten. Das können zum Beispiel Rucola, Möhrchen, Erdnüsse, Mais und Gouda sein. Darüber hinaus gibt es Extrazutaten von Kochschinken (50 Cent) bis Steak-Streifen (1,90 Euro). Zu jedem Salat gehören ein Brötchen und eines der sieben hausgemachten Dressings.
Es gibt, so Peter Heinzmann, im Grunde zwei Zielgruppen. Die eine, witzelt er, kennt Rotkraut vom Döner und experimentiert mit Nachos im Salat. Die zweite Zielgruppe schätze exotischere Zutaten wie Kichererbsen. Welche Zutaten besonders viel gekauft werden, hänge tendenziell vom Standort der Filiale ab.
Inzwischen gibt es nämlich nicht mehr nur das Salädchen Nummer eins am Pilgrimstein, sondern noch acht weitere inhabergeführte Filialen in Frankfurt, Köln, Berlin, Gießen und Freiburg. „Uns war klar, dass eine Salatbar zum Zeitgeist passt. Aber mit so großem Erfolg hatten wir nicht gerechnet“, sagt Peter Heinzmann. Beim Probeessen mit Freunden und Familie, sagt sein Cousin, habe er erst gemerkt, dass sein neues Geschäft auch für „Nicht-Salat-Esser“ wie ihn Angebote hatte. Salat also auch für Steak-Freunde – vielleicht liegt darin das Geheimnis.
Bevor in Marburg das erste Salädchen öffnete, gab es schon eine Salatbar des Gießener Unternehmens „Tom & Sally‘s“. Das Konzept  ist ähnlich. Anstatt der Suppen, die  es zusätzlich zu den Salaten im Salädchen gibt, bieten die Gießener „Farmergold“ genannte Ofenkartoffeln mit verschiedenen Füllungen. Der größte Unterschied besteht darin, dass die „Tom & Sally‘s“-Salate nach Rezepten zusammengestellt und abgepackt verkauft werden. Die einen Kunden finden das praktisch, die anderen stellen ihren Salat lieber selber zusammen.
Egal ob selbst kreierte Salat-Experimente, oder von Profis kompilierte Boxen – der Erfolg der beiden Salatbar-Ketten beweist: Salat emanzipiert sich von der Beilage zum gesunden und bürotauglichen Hauptgang. Die Frankfurter Salädchen-Filialen bieten inzwischen einen Büro-Lieferservice an und wollen Kunden, die online bestellen, in Zukunft klimaneutral per Fahrradkurier bedienen.
Obwohl die Heinzmanns „nur“ für eine der Filialen voll verantwortlich sind, haben sie in der Zentrale mit Projekten wie diesen alle Hände voll zu tun.

von Thomas Strothjohann

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