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„Danach habe ich Stimmen in meinem Kopf gehört“

Prozess „Danach habe ich Stimmen in meinem Kopf gehört“

Vor dem Amtsgericht Marburg musste sich ein Marburger wegen mehrfacher Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigung verantworten.

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Marburg. Strafrichterin Dr. Antonia Alles hat nach der ersten Sitzung die Hauptverhandlung ausgesetzt, um ein Sachverständigengutachten zur Schuldzurechnungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit anfertigen zu lassen und neue Zeugen vorzuladen.

Bei der Tat ging es um eine Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und zwei Taxifahrern am 8. Mai vergangenen Jahres, bei der dieser einem der beiden unter anderem einen Kopfstoß zugefügt haben soll. Der betrunkene Angeklagte hatte am Rudolphsplatz auf die Straße uriniert und sagte in der Verhandlung, ein Fahrer eines nebenstehenden Taxis habe ihn dabei gefilmt.

Der als Zeuge geladene Fahrer erklärte, durch das offene Fenster des Autos habe ihn der Angeklagte gewürgt und am Kopf verletzt. Nachdem der Bruder des Taxifahrers den Angeklagten weggezogen und geschubst hatte, habe der Beschuldigte seinem Bruder einen Kopfstoß gegen den Mund gegeben. Dieser verlor mehrere Zähne und muss nun weitere betroffene Zähne durch teure Implantate ersetzen lassen.

Die Aussagen der beiden als Zeugen geladenen Geschädigten deckten sich allerdings nicht vollständig und unterschieden sich von den Angaben des Angeklagten. Pflichtverteidiger Dietmar Ricke zweifelte außerdem an, dass der Beschuldigte den Mann im Auto am Kopf verletzt habe: „Im Arztbericht nach der Tat sind keine Kopfverletzungen aufgeführt, es wurde nur eine Verletzung am Ellenbogen festgestellt.“

Der Taxifahrer hatte auch geschildert, wie der Angeklagte ihn gewürgt habe, so dass er bewusstlos geworden sei. Der Arztbericht dokumentierte jedoch keine Würgespuren am Hals des Mannes. Zur Klärung des Tathergangs soll nun auch der Melder des Vorfalls bei der Polizei als Zeuge geladen werden.

Verteidiger Ricke hatte auch Zweifel an der Schuldzurechnungsfähigkeit seines Mandanten. Dieser litt laut einem Arztgutachten an einer paranoiden Schizophrenie und hatte eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt. „Danach habe ich Stimmen in meinem Kopf gehört“, berichtete der Angeklagte. Diese seien nur durch Alkoholkonsum verschwunden.

Zusätzlich wurde noch über weitere Vergehen des Beschuldigten verhandelt.

In Diskothek einen Kopfstoß verpasst

Dieser hatte in der Diskothek „Nacht-salon“ einer Person einen Kopfstoß verpasst und Polizeibeamte nach der Festnahme beleidigt. Außerdem stahl er in zwei Fällen Lebensmittel aus einem Supermarkt in der Universitätsstraße und entwendete einen Barhocker aus einer Gaststätte.

Staatsanwalt Jürgen Noll stellte das Verfahren um den Barhocker und den Diebstahl ein, bei der Situation in der Diskothek könne trotz beschwichtigender Aussagen des als Zeuge geladenen Geschädigten keine Verfahrenseinstellung erfolgen. „Der Angeklagte ist vor dem Kopfstoß nicht einmal provoziert worden“, bemerkte Staatsanwalt Jürgen Noll.

von Jonathan Odin-Gebhardt

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