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DLRG warnt vorm Betreten gefrorener Gewässer

Eisige Lebensgefahr DLRG warnt vorm Betreten gefrorener Gewässer

Bricht ein Mensch ins Eis ein, zählt jede Sekunde. Die Eisrettung muss die DLRG regelmäßig üben, denn immer wieder bringen sich Leichtsinnige auf gefrorenen Gewässern in Lebensgefahr.

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Die DLRG trainierte am Sonntag den Ernstfall: Mit Leinen gesichert und in Trockenanzügen steckend retteten sie die Eingebrochenen aus der eisigen Lahn.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Blauer Himmel. Das Eis der zugefrorenen Lahn glitzert in der Sonne. Verlockend. Vorsichtig setzt Nicole Mench einen Fuß vor den anderen. Das Eis trägt. Sie lacht und geht weiter bis zur Mitte des Flusses. Plötzlich knackt es, die blonde Studentin schaut zurück ans Ufer und ist – weg. Eingebrochen.

Achtung Lebensgefahr! Die DLR warnt dringend davor, die Lahn zu betreten. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, haben sie am Sonntag eine Eisrettung unter realen Bedingungen trainiert.

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Ein Horrorszenario, das diesmal zum Glück nur eine Übung der DLRG Marburg ist. Nicole Mench steckt in einem Trockenanzug, der ihren Körper vor Unterkühlung schützt. Um ihre Hüfte ist ein Seil geknüpft, das zum Ufer gespannt ist. Dort stehen die Lebensretter und sichern ihre Kollegin.

„Wir trainieren hier unter realen Bedingungen den Ernstfall“, erklärt Dirk Bamberger, Vorsitzender der DLRG Marburg. Denn der Ernstfall kommt selten, aber dennoch leider viel zu häufig vor. Mindestens ein Mensch bricht im Landkreis Marburg-Biedenkopf pro Eissaison in ein zugefrorenes Gewässer ein, weiß Bamberger.

Für den Ernstfallvorbereiten

Mit Grauen erinnert er sich an den Einsatz vor einigen Jahren in Wehrda. Damals war ein Junge in der Lahn eingebrochen und gestorben. „Er war unter die Eisdecke geraten und konnte erst einen Tag später geborgen werden.“

Einsätze wie diese brennen sich in die Köpfe der Retter. Sie lassen sie nicht los. Um so wichtiger ist, für den Ernstfall gewappnet zu sein. Jeder Handgriff, jede Bewegung muss sitzen. Denn bricht ein Mensch ins Eis ein, droht schon nach wenigen Minuten der Kältetod.

Michael Dübbert hat Nicole Mench im Blick. Auch der „Leiter Einsatz“ der DLRG Marburg hat ein Seil um die Hüften gespannt. Er rennt auf die Eingebrochene zu – quer über die Lahn. Wenige Meter vor ihr legt er sich auf den Bauch, um sein Gewicht zu verteilen und robbt weiter zum vermeintlichen Opfer. "Die Kanten am Eisloch können leicht brechen“, erklärt Bamberger und beobachtet die Situation.
Immer mehr Passanten bleiben stehen und schauen sich das Spektakel an.

Mittlerweile sind an mehreren Stellen DLRGler in die Lahn eingebrochen und trainieren abwechselnd die Rettung. Sobald der Retter das vermeintliche Opfer zurück aufs Eis geschafft hat, ziehen die DLRGler am Ufer Retter und Gerettete über die Eisfläche an Land.

Alteingesessene Weidenhäuser fahren Schlittschuh

Dumpfe, bedrohliche Schläge hallen durch die Umgebung, als dicke Eisschollen das Wehr hinabtreiben. Das hält einige Unbelehrbare nicht davon ab, aufs Eis zu gehen. Zwei alteingesessene Weidenhäuser fahren Schlittschuh. „Manche Menschen sind leider beratungsresistent.

Das Schlimme daran ist, dass es Kinder nachmachen, wenn sie sehen, dass Erwachsene auf dem Eis sind“, ärgert sich Dübbert. Und tatsächlich: Mittlerweile tummeln sich mehrere Menschen auf der Eisfläche. Auch eine Familie mit Kindern ist dabei. Dass sie sich in Lebensgefahr begeben, scheint niemandem bewusst zu sein.

Während auf Seen die Eisschicht eine Dicke von mindestens 15 Zentimetern haben muss, um tragfähig zu sein, sind es bei einem fließenden Gewässer schon 20 Zentimeter. Das sei bei der Lahn trotz des Dauerfrostes nicht der Fall. Generell seien fließende Gewässer unberechenbar.

„Durch die unterschiedliche Fließgeschwindigkeit des Wassers kann das Eis an einer Stelle zehn Zentimeter und einen Meter weiter nur fünf Zentimeter dick sein. Das kann man von oben nicht einschätzen. Man tritt an eine Stelle und ist plötzlich weg“, warnt Bamberger.

So geschehen im niedersächsischen Damme. Dort brach am Sonntag ein Schlittschuhläufer in einem See ein. Er wurde mit lebensgefährlicher Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht. Allein hatte sich der Mann nicht aus dem Eis befreien können.

Wie schwierig es ist, sich aus eigener Kraft zurück aufs Eis zu ziehen, erleben auch die Marburger Retter am eigenen Leib. „Immer wenn man sich hochziehen will, bricht das Eis und man rutscht wieder ins Wasser. Man kommt sich vor wie eine verendende Robbe“, sagt Nicole Mench noch ganz außer Atem. Wie schwer so etwas sein muss, wenn man keinen Trockenanzug anhat, will sie sich gar nicht ausmalen.

von Nadine Weigel

Verhaltensregeln im Notfall
Wenn Sie aufs Eis gegangen sind und es knackt unter Ihnen, verlassen Sie die Eisfläche sofort! Legen sie sich dabei flach hin, um Ihr Gewicht zu verteilen!
Wenn Sie Zeuge davon werden, wie ein Mensch ins Eis eingebrochen ist, rät die DLRG zu folgendem Verhalten:
• Notruf absetzen!
• Laut um Hilfe rufen, damit Sie andere Menschen unterstützen.
•  Alle weiteren Personen vom Eis winken, sie sollen sich von der Einbruchstelle im Liegen weg bewegen.
• Wenn möglich, sollten Sie die Eisfläche nicht betreten, sondern vom Ufer aus Rettungsmittel (Ast, Leiter, Seil oder Schal etc.) zureichen.
• Wenn Sie die Person so nicht erreichen, sollten Sie ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Dabei die Eigensicherung nicht vergessen! Bevor Sie die Eisfläche betreten, lassen Sie sich zum Beispiel mit einem Seil sichern.
• Nähern Sie sich der Einbruchstelle nur flach auf dem Eis liegend und benutzen Sie Hilfsmittel, um den Druck auf das Eis auf eine größere Fläche zu verteilen – zum Beispiel ein Brett oder einen umgedrehten Schlitten.
• Dem Verunfallten unbedingt ein Hilfsmittel zureichen (Schal, starker Ast, Stange, Leine). Wenn Sie dem Eingebrochenen die Hand reichen, könnte er Sie mit ins Wasser ziehen!
• Aus dem Eis gerettete 
Personen sind oft stark unterkühlt. Deshalb muss bis zum Eintreffen des Rettungswagens der Gerettete vor einer weiteren Auskühlung geschützt werden. Jedoch sollte er dabei nicht stark aufgewärmt werden, da sonst die Gefahr von Herz-/Kreislaufversagen besteht.
•  Der Körper sollte flach gelagert und nicht unnötig bewegt werden. Beim Aussetzen von Atmung oder Kreislauf lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten (Herz-Lungen-Wiederbelebung) und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortsetzen.
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