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Container könnten Zelt-Camp ersetzen

Ministerpräsident besucht Flüchtlingslager Container könnten Zelt-Camp ersetzen

Die Zelte in der Erstaufnahme-Einrichtung in Cappel sollen im Oktober abgebaut werden, kündigt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) an. Ein Veto kommt von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, 3. von links) besuchte das Flüchtlingscamp in Cappel. Er sei „beeindruckt“ von der Hilfsbereitschaft in der Universitätsstadt.

Quelle: Nadine Weigel

Cappel. „Es gibt vom Regierungspräsidium Gießen bislang keine andere Aussage als die, dass das Zelt-Camp nur bis Oktober bleibt“, sagt Egon Vaupel (SPD). Der Magistrat bereitet sich jedoch angesichts der neuen Flüchtlingszahl-Prognosen (55 000 statt 40 000 in Hessen) auf eine Fortdauer Marburgs als Erstaufnahme-Außenstelle vor. „Natürlich beschäftige ich mich angesichts der Zahlen mit Zukunftsszenarien“, sagt Vaupel. Derzeit prüfe man in Bezug auf die Fortsetzung der Flüchtlingsaufnahme, „was realistisch wo leistbar“ sei. „Es wachsen aber nirgendwo Unterkünfte aus dem Boden.“

Die in der Vergangenheit im Magistrat diskutierten Varianten Ballsporthalle in der Frauenbergstraße oder Bürgerhäuser in den Stadtteilen, lehnt er ab. „Das hätte zu viele Auswirkungen etwa auf Schulsport oder Vereine“, sagt er. Auch das von den Stadtwerken 2014 gekaufte Auktionshaus in der Straße Am Krekel sei keine Unterbringungs-Option. „Da wird es nur wenige Wohnungen geben.“

Anstatt die Massenzelte winterfest zu machen, will Vaupel jedenfalls „eine Unterbringung nach unseren Qualitätsmerkmalen“. Es gehe vor allem darum, den Neuankömmlingen mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Die Größe der einzelnen Wohneinheiten solle bei unter 40 Bewohnern liegen. In den Zelten sei das nicht machbar.

„Ein Abbau-Versprechen sollten wir nicht geben. Das Ziel muss natürlich sein, bessere, feste Unterkünfte zur Verfügung stellen zu können. Aber eventuell muss man eben doch weiterhin auf Zelte zurückgreifen“, entgegnet Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der am Montag das Camp in Cappel besuchte.

Mobile Winter-Unterkünfte: „Es gibt Lieferengpässe“

Nach OP-Informationen planen die Behörden derzeit die Aufstellung von Containern entlang der Umgehungsstraße. Der OB wollte das nicht bestätigen, jedoch seien „die Möglichkeiten für schnelle Lösungen rar gesät“. Problem: Wohn-Container sind deutschlandweit kaum noch verfügbar. „Es kommt zu Lieferengpässen“, sagt Günter Jösch, Geschäftsführer beim Bundesverband Bausysteme. In Deutschland gebe es 130 Unternehmen, die Wohn-Container herstellen, verkaufen oder vermieten. 20 Quadratmeter groß sind die Container, die eher den würfelförmigen Ausweichräumen an der Wilhelm-Röpke-Straße ähneln als Frachtcontainern etwa in Häfen.

Dass Marburg auch über den Herbst hinaus eine Erstaufnahme-Stelle bleibt, ist laut Bouffier jedenfalls sehr wahrscheinlich. Die Landesregierung prüfe derzeit in 80 Gemeinden, ob dort Holzhäuser errichtet werden, leerstehende Kasernen oder ungenutzte Privatgebäude – vor allem in Nordhessen – angenommen werden können. „Bundesweit muss es uns gelingen, rasch geltende Vorschriften auszusetzen. Im Baurecht oder beim Immissionsschutz. Nur so ist es überhaupt möglich, schnell bessere Unterkünfte zu schaffen.“

Laut Vaupel müsse klar sein, dass nur Städte – nicht Dörfer – die Infrastruktur hätten, 400, 500 Flüchtlinge aufzunehmen. „Als Marburger können wir uns bei dieser Entwicklung nicht querstellen und nur zusehen, wie anderswo Erstaufnahmen aufgebaut werden“, sagt Vaupel. Wichtig sei, dass „der Frieden in der Stadt gehalten wird“. Daher strebe der Magistrat an, „die Standards, die nun in Cappel herrschen, auch künftig nicht zu senken – im Gegenteil“.

Die gewaltsamen Proteste von Nazis in Sachsen verurteilten beide Politiker. „Eine Schande für Deutschland“, sagte Vaupel. Bouffier nannte die rechtsradikalen Angriffe „beschämend und empörend“.

von Björn Wisker

  • Aktuelle Zahlen: In Gießen, Marburg, Neustadt, Wetzlar, Kassel, Rotenburg, Bad Arolsen, Kirchheim,  Limburg, Bensheim und Darmstadt sind derzeit 11 777 Flüchtlinge untergebracht. Am Wochenende wurden laut Regierungspräsidium Gießen 370 Menschen aufgenommen. Hauptherkunftsländer sind in diesem Monat bislang: Syrien (2779), Afghanistan (1456), Albanien (1199), Pakistan (685)und Eritrea (645). Seit Freitag gibt es ein weiteres Zelt-Camp  für 500 Menschen in Fulda.
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