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„Christ sein ist ein Tu-Wort“

Abschied „Christ sein ist ein Tu-Wort“

Nach mehr als 30 Jahren wird Hannelore Gottschlich heute offiziell aus dem Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) Marburg verabschiedet.

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Hannelore Gottschlich wird heute offiziell als Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen Marburg verabschiedet.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Ehrenamtlich aktiv ist Hannelore Gottschlich schon immer gewesen. Die gelernte Diplom-Dolmetscherin und Übersetzerin kehrte nach der Geburt ihrer drei Kinder nicht mehr in ihren Beruf zurück, sondern übernahm „neben der Organisation der Familie“ verschiedene Ehrenämter: Unter anderem war sie mehr als 20 Jahre Mitglied von Elternbeiräten, war Vorsitzende des Stadtelternbeirats und Mitglied im Landeselternbeirat. Bewegte Zeiten waren das auch in der Schulpolitik, Gottschlich erinnert sich gut, wie sie als Elternvertreterin gegen die „Zwangsförderstufe“ kämpfte, wie sie das heute noch nennt.  

„Dann wurde die Politik auf mich aufmerksam“, blickt Hannelore Gottschlich zurück. Friedrich Bohl holte die engagierte Katholikin 1989 in der Vorstand der CDU. Für die Christdemokraten war sie zudem im Ortsbeirat Marbach und in der Stadtverordnetenversammlung, lange Jahre als sozialpolitische Sprecherin. Erst 2011 gab sie das Mandat in jüngere Hände – „es wurde von der Arbeitsbelastung einfach zu viel“.

Zumal Hannelore Gottschlich durch den Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit mehr als ausgelastet war: ihre Vorstandsarbeit im Sozialdienst Katholischer Frauen seit 1986. „Die hatten mich gefragt, ob ich mitarbeiten möchte“, antwortet sie einfach auf die Frage nach ihrer Motivation, ihre Arbeitskraft dem SKF zur Verfügung zu stellen, und sie zitiert die Gründerin des SKF, Agnes Neuhaus, von der das Motto stammen soll: „Christ sein ist ein Tu-Wort!“
Als Vorsitzende (seit 1991) war Gottschlich 25 Jahre lang zugleich auch Geschäftsführerin des SKF Marburg – „fast ein Halbtagsjob“, sagt sie über die zeitliche Belastung.

"Uns liegen die Familien am Herzen"

Der SKF leistet seit Jahrzehnten Schwangeren- und Familienberatung. „Dazu gehören selbstverständlich auch Alleinerziehende“, betont Gottschlich. Der SKF will in Notlagen, unter denen besonders Kinder leiden, unterstützen und dadurch ein wenig Hoffnung geben. Auch finanzielle Hilfen für Frauen in Notlagen sind möglich, dazu hat der SKF eigens eine Stiftung gegründet, die im Notfall hilft. Etwa 500 Klientinnen nehmen die Beratungsangebote pro Jahr wahr, berichtet Gottschlich. In jüngerer Zeit nehmen zunehmend auch Flüchtlingsfamilien die Angebote an – „gleich welchen Glaubens“.

Selbst in Zeiten, als der damalige Fuldaer Bischof Johannes Dyba in der scharfen politischen Auseinandersetzung um Schwangerschaftsabbrüche den SKF-Organisationen untersagte, Beratungsscheine für einen straffreien Abbruch auszustellen, gab es keinen Einbruch bei den Beratungszahlen. „Uns liegen die Familien am Herzen, und das hat sich wohl herumgesprochen“, sagt Gottschlich.

Inzwischen hat der SKF drei weitere Arbeitsbereiche aufgebaut: ein sexualpädagogisches Projekt („Herzklopfen“) an Schulen, mit dem der SKF altersgerecht auf Fragen und Anliegen von Jugendlichen rund um das Thema Sexualität eingehen will, ein Patenprojekt („Nestwerk“) für Frauen mit kleinen Kindern, das derzeit von zehn Familien in Anspruch genommen wird, und ein Online-Beratungsportal für von Gewalt bedrohte Frauen (www.gewaltlos.de).
Hannelore Gottschlich kann also zufrieden sein mit dem, was sie mit dem SKF erreicht hat – und eine Nachfolgerin ist auch gefunden.

von Till Conrad

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