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Chaotische Szenen am Flughafen

Marburger flieht aus Libyen Chaotische Szenen am Flughafen

Wie sich die Lage in Libyen entwickelt, könne derzeit niemand voraussagen, sagt ein Marburger, der das Land seit rund 15 Jahren gut kennt.

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Peter Stompfe zeigt sein Flugticket, das ihn aus Libyen herausbrachte. „Das werde ich als Erinnerung an die Ereignisse behalten“, sagt der Marburger Anwalt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Nein, Todesangst hatte er nicht, aber Angst schon. „Das Schlimmste war, dass ich nicht telefonieren konnte“, sagt Peter Stompfe, der am Montagabend von Libyen nach Deutschland ausgeflogen wurde. Zuvor hatte er stundenlang vergeblich versucht, ein Ticket nach Hause zu bekommen.

Der 66-jährige Marburger ist seit rund 15 Jahren regelmäßig als Anwalt in Libyen tätig. „42 Jahre war Libyen ein sicheres Land für Europäer. Kenner des Landes haben niemals gedacht, dass sich das so schnell ändern kann“, sagt er. Aus diesem Grund sei es aus seiner Sicht nicht leichtsinnig von ihm gewesen, nach Tripolis zu fliegen.

 

Eigentlich hatte er vor bereits am Samstag nach Libyen zu fliegen – wie so oft einen Tag nach dem islamischen Feiertag. Aufgrund der unruhigen Lage beschloss er aber seine Reise zu verschieben. „Am Sonntag versicherten mir meine Gesprächs- und Geschäftspartner aber, dass die Lage stabil sei und ich nach Libyen fliegen könnte“, sagt Peter Stompfe.

Er flog. Innerhalb eines Tages änderte sich das Bild. Menschen gingen zur Bank, um ihre Konten leer zu räumen, kauften Regale leer und bevorrateten sich mit Benzin. Die Straßen, Hotels und Geschäfte leerten sich am Sonntagabend. Militär sah er nicht, aber Polizei in gepanzerten Wagen.

„Am Montagmorgen um 8 Uhr war es gespenstisch. Ich war der einzige, der sich auf die Straße traute, weil ich mir einbildete, an ein Flugticket gelangen zu können“. Seine Familie in Marburg und seine Kanzlei versuchte derweil vergeblich, ihn zu erreichen, um ein Lebenszeichen zu bekommen. Die Marburger buchten für ihn Rückflüge am Mittwoch nach London – nach Frankfurt gab es keine Plätze. Doch von all dem wusste Peter Stompfe zu dem Zeitpunkt nichts. Er machte sich auf eigene Faust auf zum Flughafen.

Als er endlich ein Taxi fand, begann die unangenehme Fahrt. Am zentralen Grünen Platz sah er die sich rivalisierenden Gruppen gegenüber: Auf der einen Seite rund hundert Jugendliche, die grüne Fahnen an Stöcken gebunden hatten und auf der anderen Seite mindestens ebenso viele Gaddafi-Anhänger. „Die jungen Männer hatten die Straße blockiert, sie schlugen mit den Stöcken aufs Taxi, als der Fahrer versuchte, durchzufahren. Ich rief nur go, go, go zum Fahrer“, berichtet Peter Stompfe.

Am Flughafen bot sich ihm ein chaotisches Bild. Überall Schlangen vor den Schaltern. Stundenlang musste er warten. Die Buchungscomputer von Lufthansa waren ausgefallen. Es konnten keine Tickets gedruckt werden. Schließlich war er der vorletzte, der noch ein Flugticket am Montag bekam – das Ticket wurde mit der Hand geschrieben.

von Anna Ntemiris

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