Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Chance gegen Fachkräftemangel

Abschluss der Ringvorlesung Chance gegen Fachkräftemangel

Hermann Heußner vertritt die These: Die Einwanderung von Flüchtlingen ist für Deutschland nicht nur eine Belastungsprobe, sondern vielmehr eine große Zukunftschance.

Voriger Artikel
250 Jahre im Kreistag und im Kreisausschuss
Nächster Artikel
Feuer im Arminia-Verbindungshaus: Kripo ermittelt

Professor Hermann K. Heußner referiert am Montag, 15. Februar 2016, bei der Ringvorlesung.

Quelle: Privat

Marburg.  Der in Osnabrück lehrende Professor für Öffentliches Recht und Recht der Sozialen Arbeit ist am kommenden Montag Gastreferent bei der Ringvorlesung „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ im Hörsaalgebäude der Marburger Philipps-Universität.

Wissenschaftler malt ein düsteres Bild

Mit Blick auf die geburtenstarken Jahrgänge, die in den kommenden zwei Jahrzehnten in Rente gehen, fordert Heußner, jährlich mehrere Hunderttausend geflüchtete Menschen in die deutsche Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Bild, das der Wissenschaftler malt, wenn nicht massive Integrationsanstrengungen unternommen werden, ist düster: „Es entstünde ein riesiger Fachkräftemangel, der wachsenden Zahl der Rentnerinnen und Rentner stünden immer weniger Beitragszahler in die Rentenversicherung gegenüber.“

Das Rentenniveau würde, so Heußner, dadurch auf etwa 30 Prozent absacken: „Das durch massive Anhebungen der Versicherungsbeiträge ausgleichen zu wollen, wäre wahnwitzig“, meint der Osnabrücker Professor.

Um Zuwanderer nicht nur als Billiglohnarbeiter einzusetzen, die bei der nächsten Wirtschaftskrise als erste arbeitslos und damit in die Sozialsysteme einwandern würden, seien erhebliche Investitionen notwendig – aber auch große Anstrengungen auf Seiten der nach Deutschland gekommenen Menschen selbst. „Damit die Flüchtlinge als Fachkräfte arbeiten könnten, müssten sie auch das entsprechende Bildungsniveau nachweisen“, sagt Heußner, der damit rechnet, dass junge erwachsene Flüchtlinge im Schnitt ein Jahr Deutsch lernen müssten, bevor sie möglicherweise noch einmal drei Jahre die Schulbank drücken, um dann eine dreijährige Ausbildung zu durchlaufen.

„Das dürfte rund 65 000 Euro pro Person kosten.“ Ob das allein mit den aktuellen Steuermehreinnahmen zu stemmen sei, bezweifelt auch der Fachmann für Öffentliches Recht, der in diesem Zusammenhang einen „Soli II“ in die Debatte wirft.

„Da darf keine neue Neiddebatte entstehen“

Kein Thema, mit dem sich auf einfache Weise Wahlen gewinnen lassen und zudem ein Vorschlag, der sich nur umsetzen ließe, wenn die Abgabe nicht sozial Schwächere belastet: „Ganz klar, da darf keine neue Neiddebatte entstehen.“ Die Einwandernden selbst müssten Heußners Einschätzung zufolge in die Pflicht genommen werden, möglicherweise auch durch eine nachholende Schulpflicht, und er fordert zudem aus organisatorischen Gründen eine Wohnsitzauflage. Über Patenschaften müsse außerdem gewährleistet werden, dass Flüchtlinge mit einer Bleibeoption sich mit Gepflogenheiten und Werten der deutschen Gesellschaft vertraut machten.

„Es ist bislang nicht ausreichend erkennbar, dass die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung, Integrationsförderung zu betreiben, diese notwendigen, sehr großen Dimensionen haben.“ Heußners Fazit: „Wir bräuchten die skizzierten Programme für mehrere Hunderttausend pro Jahr.“

  • Hermann K. Heußners Vortrag zum Thema „Chancen der Einwanderung“ beginnt heute um 18.30 Uhr im Raum 0/0070 des Hörsaalgebäudes in der Biegenstraße. Die Veranstaltung ist gleichzeitig der Abschluss der Ringvorlesung des auslaufenden Wintersemesters.

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr