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Chance für Tempo-Limit auf B 3 steigt

Stadtautobahn Chance für Tempo-Limit auf B 3 steigt

Tempo-Limit auf der Stadtautobahn: Der Magistrat will die Reduzierung auf 80 beziehungsweise 60 Kilometer pro Stunde mithilfe einer Neuauflage des Lärmaktionsplans beim Regierungspräsidium durchsetzen.

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Die Stadtautobahn gilt laut Magistrat als der zentrale Lärmauslöser schlechthin.

Quelle: Archivbild

Marburg. „Das ist unsere Karte um endlich eine Neuregelung einzuführen“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Der vom Magistrat zuletzt vergeblich verfolgte verkehrstechnische Ansatz zur Durchsetzung eines B-3-Tempo-Limits soll nun mithilfe gesetzlicher Vorgaben zum Lärmschutz abgelöst werden.

„Wir haben mittlerweile gut abgehangene Gutachten, die belegen, dass 80 beziehungsweise 60 Kilometer pro Stunde mindestens zwei Dezibel bringen würde. Wir könnten das sofort umsetzen“, sagt Kahle. Es scheitere nur an der Blockade der Verkehrsbehörden - noch. Die Hoffnungen der Stadtspitze ruhen auf einer neuen EU-Umgebungslärmrichtlinie sowie dem Wechsel (Tarek Al-Wazir, Grüne) im Landesministerium. Die rechtlich verbindliche Regelung der Europäischen Union fordert von den Behörden, „schädliche Auswirkungen, einschließlich Belästigung, durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern“. Das RP, so Kahle, „wird unseren Plan auf dieser neuen Grundlage anordnen können“. Wie massiv und geballt die Marburger Geräuschkulisse sei, belegt dem Magistrat zufolge das Ergebnis der Verkehrszählung 2013. Neben Pendler-trassen wie Beltershäuser- und Cölber Straße oder Erlenring, Schwanallee und Ketzerbach (je rund 14000 Autos pro Tag) sei die Stadtautobahn der Lärm-Auslöser (40000 Autos pro Tag) schlechthin. „Das Tempo 30 in den Stadtteilen sorgt für Lärmminderung, weil die Leute jetzt real 40, 50 fahren, nicht mehr wie vorher 60, 70 “, sagt Kahle.

B-3-Schallschutzwände sollen verlängert werden

Parallel zum Tempo-Limit sollen die Schallschutzwände entlang der Stadtautobahn auf beiden Seiten verlängert werden. Die Kosten für eine Lärmschutzwand mit dreieinhalb Metern Höhe beidseitig der Stadtautobahn zwischen Auf- und Abfahrten am Erlenring bis an die Hochstraße auf der Höhe des Ortenbergsteges, belaufen sich nach Angaben der Stadt auf rund 1,8 Millionen Euro. Zwischen vier und neun Dezibel weniger Lärm könnte das Expertenschätzungen zufolge bewirken - der vergangenes Jahr aufgetragene Flüsterasphalt soll die Abroll-Geräusche um drei Dezibel minimieren.

Mittel- bis langfristig sieht der städtische Aktions-Katalog zudem vor, kaputte Straßen zu reparieren, weitere lärmmindernden Beläge auf allen Straßen im Stadtgebiet aufzutragen, auf denen mehr als 8000 Autos pro Tag fahren - wie etwa der Universitätsstraße, Deutschhaus-straße, Zeppelinstraße und Gisselberger Straße.

Vor allem die Pläne um den neuen Anlauf zum Autobahn-Tempo-Limit sorgen für eine Debatte der Mitglieder des Verkehrsausschusses. „Eine solche Einschränkung ist nicht zielführend“ sagt Joachim Brunett (CDU). „Tempo 80 beziehungsweise 60 hätte den größtmöglichen Effekt für eine größtmögliche Fläche in der Stadt“, entgegnet Uwe Volz (Grüne) „Marburg leidet unter Großstadt-Imissionen. Im Zentrum ist es so laut wie das in kaum einer Metropole vorkommt“, ergänzt Henning Köster (Linke). Daher sei es richtig, dass Autofahrer langsamer - und somit leiser - fahren müssten. Jedoch sei das vorgelegte Magistrats-Konzept „eine Mogelpackung“.

CDU wittert Hintertür für ein „Ja“ zum Seilbahn-Bau

Vor allem der Zeitplan sei unkonkret, kritisiert Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg): „Was bedeuten kurz-, mittel- und langfristig genau?“ Kahle erklärt: „Einiges würden wir sofort machen, für andere Dinge peilen wir fünf und mehr als zehn Jahre an.“ Das große Problem sei, dass die Kommune keinen Einfluss auf wesentliche Lärmquellen habe, erläutert Dr. Horst Wiegand (SPD). „Die Güterzüge sind derart laut und fahren mittlerweile nachts zu oft“, sagt er. Im Vergleich zu Güterwaggons seien Regionalzüge geradezu still. CDU-Mann Brunett warnt die Kommunalpoli-tker indes davor, den vorgelegten Plan durchzuwinken. Er wittert hinter diesem ein Einfallstor für den Bau einer Seilbahn in der Stadt. „Hinter dem Punkt, alternative Verkehrskonzepte zu entwickeln, verbirgt sich nichts anderes als dieses abzulehnende Projekt“, sagt er.

Die Mehrheit des Ausschusses stimmte jedoch für den Lärmaktionsplan. Bis Ende 2014 soll dieser fertig sein, die Umsetzung einzelner Vorhaben beginnen.

Hintergrund
Mit der neuen, in Kraft getretenen EU-Umgebungslärmrichtlinie gibt es erstmals einen gemeinsamen europäischen Ansatz zur Minderung der Lärmbelastung der Bevölkerung. Dabei werden nach vergleichbaren Verfahren Lärmschwerpunkte durch eine umfassende, strategische Lärmkartierung ermittelt.

von Björn Wisker

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