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Carsharing-Nutzer hoffen auf Gratis-Parken

Bundesgesetz Carsharing-Nutzer hoffen auf Gratis-Parken

Parken könnte in Marburg für Nutzer von Car-sharing-Angeboten unproblematischer werden. Umweltfreundliche Fahrzeuge - wie etwa Elektroautos - könnten künftig Sonderparkplätze bekommen, mitunter kostenlose.

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Die Zahl der Marburger, die Carsharing-Angebote in der Universitätsstadt nutzt, steigt nach Angaben des größten lokalen Anbieters kontinuierlich. Doch reservierte Stellflächen für die Leihautos, etwa im Südviertel, sind rar. 

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Idee für die Innenstadt: Das Bundesverkehrsministerium hat kürzlich ein Gesetz vorgelegt, wonach elektrisch betriebene Fahrzeuge privilegiert werden sollen. Im Zuge dessen soll auch das Carsharing – das Teilen von Autos mit verschiedenen Fahrern – bessergestellt werden. „Diese neue Form der Mobilität soll gestützt werden“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf OP-Anfrage. Mit den geplanten Regelungen sollen demnach Sharing-Fahrzeuge „im Straßenverkehr privilegiert, die Mobilität im Alltag gesteigert werden“. Geplant sind unter anderem spezielle Stellflächen, ähnlich denen für Taxis. Laut Gesetz soll Kommunen ermöglicht werden, auf Parkgebühren bei diesen Fahrzeugen und auf solchen mit Verkehrsschildern ausgewiesenen Flächen zu verzichten. Vor allem Carsharing-Flotten mit Elektrofahrzeugen oder Hybridantrieben könnten vorrangig zum Zuge kommen.

Magistrat findet Idee gut

Der Marburger Magistrat begrüßt den Vorschlag: „Wir werden überlegen, ob und an welchen Stellen in der Stadt so etwas Sinn machen könnte“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle(Grüne) auf OP-Anfrage. Denkbar sei unter anderem die Einrichtung von Kurzzeitparkplätzen, etwa in der Nähe von Einkaufsläden. Bislang können laut Kahle nur Besitzer von Elektroautos in der Universitätsstadt auf Antrag, also mit Sondergenehmigung, ihre Wagen kostenlos auf Parkplätzen abstellen.

In Marburg ist vor allem das Carsharing-Unternehmen „Einfach Mobil“ aus Weidenhausen aktiv. 22 Stationen gibt es in der Stadt, ein Drittel davon befindet sich im Südviertel, je eine ist in Wehrda, Marbach, Cappel, Ockershausen und in der Oberstadt. In Gießen gibt es neun, in Kassel 16 weitere Stationen. Rund 50 Autos stehen in Marburg zur Verfügung.

Zahl der Nutzer stieg um sieben Prozent

Mehr als 1000 registrierte Carsharing-Nutzer gibt es in der Universitätsstadt, die Zahl ist 2014 um sieben Prozent gestiegen, wie „Einfach-Mobil-“Geschäftsführer Tim Pfleiderer auf OP-Anfrage erläuterte. „Die Stellplatzfrage genießt für uns höchste Priorität, die Neuregelung könnte die für uns größte Restriktion in Städten aufheben“, sagt er. Für Kunden sei nichts wichtiger als die Nähe vom Wohnhaus zu dem Leihauto. In Zentren sei es immer eng, aber gerade dort, wo viele leben, wären laut Pfleiderer mehr reservierte Flächen für Carsharing sinnvoll. „Für den Angebotsausbau in Marburg würde das sehr helfen. Und letztlich profitieren von einem Carsharingparkplatz mehrere Fahrer, die dann mitunter kein eigenes Auto mehr brauchen und somit wiederum Parkplätze schaffen“, sagt er.

Leihauto-Nutzer Thomas Becker (39, Foto links) findet die Idee gut: „,Carsharing wird hier weiterhin stiefmütterlich behandelt, als Nutzer ist man schon noch recht eingeschränkt“, sagt er. Einspruch von Reinhold Wilhelm (59, Foto rechts): „Parkplätze sind schon nicht leicht zu finden, jetzt noch die paar verfügbaren für bestimmte Fahrzeuge zu reservieren, halte ich für falsch.“

Carsharing als "Lösung für viele Verkehrsprobleme"

In den Außenstadtteilen setzen Pfleiderer zufolge viele noch auf das eigene Auto, dort wird Carsharing noch nicht oft genutzt. Gerade deshalb sei im Zentrum, wo der Trend zum Leihauto stärker werde, „mehr exklusive Stellfläche“ nötig.

Begründet wird das Gesetzesvorhaben im Verkehrsministerium mit der „besonderen Bedeutung des Carsharing für einen nachhaltigen Stadt- und Regionalverkehr.“ Attraktivere Rahmenbedingungen für Carsharing sollen den Autoverkehr in Stadtzentren minimieren – was in Marburg, so Kahles Hoffnung, auch Parkplatzsorgen und etwaige Luftqualitätsprobleme, die Luftbelastung – etwa entlang der Universitätsstraße, die hessenweit als eine der am meisten von Schadstoffen belasteten Straßen gilt – lindern könnte.

Zuletzt klagte der Autovermieter „Sixt“ über die momentane Stellflächensituation. „Wir würden gerne mehr Angebote machen, mehr Autos in die Städte stellen – aber der Gesetzgeber ist sehr zurückhaltend“, sagte Alexander Sixt, Unternehmensvorstand. Dabei sei Carsharing „die Lösung für viele Verkehrsprobleme in der Stadt“.

von Björn Wisker

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