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Carmen Wiedemann - die mit den Schafen spricht

Kreisleistungshüten Carmen Wiedemann - die mit den Schafen spricht

Rund 300 Schafe und 6 Schäfer mit ihren Hunden – das waren die Hauptakteure beim gestrigen Kreisleistungshüten in Wallau, das Carmen Wiedemann mit 91 von 100 möglichen Punkten erneut gewann.

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Die Preisrichter Ralph Meisersazl und Ralph Bauer beobachten die Leistung von Schäfer Heinrich Elmshäuser und Hunden.

Quelle: Andreas Schmidt

Wallau. Sechs Schäfer waren mit ihren jeweils zwei Hunden angetreten, um zu ermitteln, wer die Herde von Wolfgang Schneider-Waldschmidt aus Albshausen am Besten hütet. Die Aufgabe der Schäfer: Eine fremde Herde übernehmen, sie weiden und dann unbeschadet über verschiedene Hindernisse wie eine Brücke und simulierten Straßenverkehr zu führen, um sie dann wieder einzu­pferchen. Dabei wurden die Hunde von den beiden erfahrenen Wertungsrichtern Ralph Meisezahl und Ralph Bauer auf Gehorsam, Fleiß und Selbstständigkeit geprüft.

Und das bei großem Zuschauer-Interesse: Im Laufe des Tages verfolgten laut Norbert Fett vom Fachbereich Ländlicher Raum des Landkreises Marburg-Biedenkopf rund 1000 Zuschauer, wie die Schäfer den Parcours mit ihren Hunden - jeweils einem Haupt- und einem Beihund - bewältigten.

In seiner Ansprache wies Norbert Fett vom Kreisschäferverein auf die Bedeutung der Schafzucht im Landkreis hin: „Marburg-Biedenkopf ist der schafreichste Landkreis in Hessen.“ Zurzeit gebe es rund 400 Betriebe mit mehr als 17000 Schafen.

Fett wies auch auf die wirtschaftliche Situation der Schäfer hin: „Ein Altschaf wird heute mit etwa 25 bis 35 Euro gehandelt. Lämmer hingegen bringen rund 90 Euro ein.“ Das sei die Haupteinnahme der Schäfer.

Über die Brücke und durch den Verkehr

Auch die Wolle sei nicht wirklich einträglich: Jedes Schaf liefere drei bis dreieinhalb Kilo Wolle im Jahr. „Ein Kilo wird mit etwa 70 oder 80 Cent gehandelt, aber der Scherer bekommt auch etwa zwei Euro pro Schaf. Reich werden kann man dadurch nicht“, so Fett.

Kreisschäfermeister Winfried Emmerich betonte indes, wie wichtig die Schäfer für die Erhaltung der Kulturlandschaft seien: „Die Schäfer gehen mit den Tieren zum Weiden auch dorthin, wohin sich kein Landwirt mehr verirrt“, sagte er.

Danach gehört die Aufmerksamkeit wieder den Schäfern und ihren Leistungen. Hoch konzentriert müssen sie die Herde zunächst auspferchen. Dann geht es ins „weite Gehüt“, weiter über eine simulierte Brücke ins „enge Gehüt“ und nach einer Engstelle inklusive Straßenverkehr zurück in den Pferch.

Immer wieder müssen die Schäfer ihre Hunde mit Pfiffen und Rufen steuern, die Herde im Blick haben und Gefahren rechtzeitig erkennen. „Schließlich darf den Schafen nichts passieren“, erläutert Kreisschäfermeister Winfried Emmerich.

Als Erster muss Heinrich Elmshäuser aus Herborn den Parcours bewältigen. Immer wieder kommandiert er Haupthund Anka: „Geh Furche, bleib steeeeehn, geh weiter.“ Und der Hund gehorcht, weiß genau, wie weit er laufen muss.

Ab und zu brechen einzelne Schafe aus der Herde aus. Dann treiben die Hunde sie in die Herde zurück - und beißen auch schon mal zu. „Dabei passiert den Schafen aber nichts, Verletzungen gibt es keine“, versichert Emmerich. Es sei mehr ein Kneifen als ein Beißen - und zwar an drei Stellen: „Der Hund darf in die Keule, die Rippen und das Genick beißen“, so der Kreisschäfermeister. Dies fließe auch in die Wertung mit ein. „Das mag mitunter recht bestialisch aussehen“, meint Emmerich. „Aber es ist schon notwendig, etwa dann, wenn die Schafe eine Hauptstraße überqueren müssen.“

91 Punkte für die Siegerin

Bei der Wertung wird übrigens nur der Haupthund beurteilt - er startet mit 100 Punkten, je nach Fehler-Anzahl und -Schwere gibt es dann entsprechend Abzüge.

Insgesamt stehen zwölf Kategorien auf dem Notizzettel der Prüfer, beurteilt werden unter anderem Gehorsam, Selbstständigkeit und der Hütetrieb des Hundes.

  • Den Sieg holte sich Carmen Wiedemann aus Niederwalgern mit 91 von 100 Punkten.
  • Auf dem zweiten Platz landete Heinrich Elmshäuser aus Herborn mit 89 Punkten.
  • Der dritte Platz geht an Harald Bangert aus Korbach-Meineringhausen mit 87 Punkten.
  • Platz vier ging an Steffen Schierholz aus Niederofleiden (81)
  • Fünfter wurde Manfred Jauernig aus Staufenberg-Mainzlar (76)
  • und Platz sechs erreichte Thomas Wiegand aus Stadtallendorf-Hatzbach mit 72 Punkten.

von Andreas Schmidt

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