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CDU dreht am Kandidaten-Glücksrad

Vaupel-Nachfolge CDU dreht am Kandidaten-Glücksrad

Wen nominiert die Marburger CDU als Gegenkandidaten zu SPD-Mann Matthias Acker? Die OP stellt mögliche Bewerber vor, analysiert deren Nominierungs-Wahrscheinlichkeit.

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Als CDU-Kandidaten für die Nachfolge von Egon Vaupel werden gehandelt: (von oben im Uhrzeigersinn); Philipp  Stompfe, Wieland Stötzel, Frank Gotthardt, Anne Oppermann, Joachim Brunnet, Roger Pfalz und Mathias Range.

Quelle: Illustration: Sven Geske

Marburg. Das ist die Ausgangslage vor der Wahl des Nachfolgers von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD): Der designierte SPD-Kandidat Matthias Acker gilt in der Union als veritabel, aber schlagbar - wenn die Konservativen einen Kandidaten finden, der den traditionellen Vorsprung der SPD in Marburg durch ein Plus an Bekanntheit und Sympathie gegenüber dem SPD-Bewerber aufwiegt.

Unterstützt von einer Hessen-CDU, mit politischen Schwergewichten wie Dr. Thomas Schäfer, könnte die CDU 2015 deutlich konkurrenzfähiger sein als bei den letzten beiden OB-Wahlen.

Nach OP-Informationen hat sich die Marburg-CDU darauf verständigt, einen heimischen Kandidaten aufzustellen. Die Erfahrungen mit einem auswärtigen Bewerber aus dem OB-Wahlkampf 2005 sind schlecht: Lutz Heer gelang es nicht, sich bei den Marburgern ausreichend bekannt zu machen.

Unwahrscheinlich ist angesichts der Ausgangslage auch, dass die CDU einen Kandidaten oder eine Kandidatin ohne Parteimitgliedschaft unterstützt - auch nicht als einen Gemeinschaftskandidaten der bürgerlichen Opposition.

Wer ist parteiintern in der Diskussion?

- Mathias Range : Der Jurist (26) ist Parteichef der Marburger CDU und hat somit das Vorschlagsrecht innerhalb der Partei. Ergo: Der Bauerbacher schlägt dem Stadtvorstand, den Gremien und Mitgliedern den OB-Kandidaten vor. Ein ungeschriebenes Polit-Gesetz besagt, dass der Parteichef - sofern er für ein Amt kandidieren will - auch die erste Wahl für die Partei ist. Range ist Chef der Kandidaten-findungskommission - was eine Kandidatur nicht ausschließt. Gegen ihn spricht sein vergleichsweise geringer Bekanntheitsgrad und die kommunalpolitische Erfahrung von nur wenigen Jahren.

- Roger Pfalz: Der 46-Jährige aus Wehrda gilt als Finanzexperte, ist Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses der Stadtverordnetenversammlung. Pfalz ist tief in der Partei verwurzelt, war lange Vorstandsmitglied der Stadt-CDU. Einer der besten Redner in der Stadtverordnetenversammlung, kommt sympathisch und schlagfertig rüber. Ausgesprochen undogmatisch, kann gut zumindest mit Teilen der SPD. Überlegt nach eigener Aussage noch, ob er antreten möchte. Wenn er sich dazu entschließt, ist es schwer, an ihm vorbeizukommen.

- Philipp Stompfe: Der Ex- Fraktionsvorsitzende lebt und arbeitet seit Ende 2013 in London. Sein Stadtverordnetenmandat hat er nach wie vor inne, will Ende des Jahres in die Universitätsstadt zurückkehren. Der gebürtige Marburger wird außerhalb der Partei immer wieder als möglicher Kandidat genannt. Aussage des 30-Jährigen auf OP-Anfrage: „Ich werde nicht als Oberbürgermeister kandidieren.“

- Wieland Stötzel: Der Jurist und CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament arbeitet seit einigen Monaten in der Koordinations-Abteilung der Hessischen Staatskanzlei (Inneres, Sport, Justiz), könnte dort durch das Sammeln von Verwaltungserfahrung und durch die Hessen-CDU fachlich wie persönlich weiter aufgebaut werden. 2011 verlor der heute 36-Jährige die Direktwahl klar gegen Amtsinhaber Vaupel, gilt als Kenner der Marburger Altenhilfe und Stadtwerke, wo er jeweils Mitglied des Aufsichtsrats war.

- Frank Gotthardt: Der 44-Jährige hat Führungs- und Verwaltungserfahrung, war von 2001 bis 2003 Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, als Abgeordneter Mitglied im Hauptausschuss des Landtags, führte die Landkreis-CDU. 2013 Jahr zog sich der Betriebswirt aus der Politik zurück, arbeitet beim Darmstädter Pharmaunternehmen Merck und hat somit Fachkenntnis über Marburgs umsatzstärkste Wirtschaftsbranche. Verlor aber drei Mal die Wahl um das Landtags-Direktmandat gegen den SPD-Mann Dr. Thomas Spies.

- Dr. Thomas Schäfer: Prominentester Konservativer aus der Region. Die Hessen-CDU hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Kommunalwahlen zu gewinnen, in Städten mehr Oberbürgermeister zu stellen - und Marburg gilt der Hessen-CDU als die wichtigste Wahl der kommenden zwei Jahre. Jedoch: Finanzminister Schäfer (48) gilt als wahrscheinlicher Nachfolger für den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier aus Gießen. Scheidet aus.

- Lars Witteck : Der in Marburg geborene Jurist ist seit 2009 Regierungspräsident in Gießen. Kommunalpolitische Erfahrung hat der 40-Jährige in der Universitätsstadt nicht. Hohes Ansehen über Parteigrenzen hinweg. Ambitionen auf das Amt des Marburger OB hat er nicht.

- Anne Oppermann : Die einzig absehbare weibliche Kandidatin in Marburg. Die 53-Jährige ist Mitglied im ehrenamtlichen Magistrat. Ab 2001 war sie vorübergehend Landtagsabgeordnete, zuvor in mehreren städtischen Ausschüssen aktiv und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seit 1989. Kommunalpolitischer Sachverstand ist unbestritten.

- Joachim Brunnet: Der Stadtverordnete und Experte für Umwelt und Verkehr ist einer der wortgewaltigsten parlamentarischen Gegenspieler von Bürgermeister Dr. Franz Kahle und OB Vaupel. Polarisiert gerne. Der Unternehmer (51) gilt zudem als exzellenter Kenner der Problematiken in der Altenhilfe-Politik. Will sich zu seinen Ambitionen nicht äußern.

- Ein Unbekannter: Christdemokraten, die nicht in der Kommunalpolitik aktiv, aber in der Wirtschaft oder an der Uni viel Einfluss haben, gibt es genug. Sie wären nicht chancenlos.

OP-Tipp: Wieland Stötzel, Roger Pfalz und Mathias Range sind die heißesten Anwärter auf die OB-Kandidatur. Sollte der über die Parteigrenzen als unideologischer Fachmann hinweg geschätzte Pfalz nicht antreten wollen, ist der Weg für Stötzel, der mehr Politik- und Arbeitserfahrung hat als der junge, aufstrebende Parteichef Range, frei. Für Letzteren kommt die Wahl wohl zwei Jahre zu früh.

von Björn Wisker
und Till Conrad

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