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CDU bringt Autobahn ins Parlament

Eintunnelung CDU bringt Autobahn ins Parlament

Wie geht es weiter mit Lärm und Gestank von der Stadtautobahn? Die CDU fordert vom Magistrat, eine Eintunnelung weiter zu verfolgen.

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Die Eintunnelung oder Einhausung für die Marburger Stadtautobahn wird von einer vielfach belächelten Idee zu einer konkreten Utopie und zum Gegenstand parlamentarischer Beratungen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutiert heute einen Antrag der Christdemokraten, nach dem der Magistrat vom Stadtparlament aufgefordert werden soll zu prüfen, wie realistisch die Eintunnelung der Stadtautobahn ist, am liebsten auf der gesamten Streckenlänge von Marburg-Süd bis Marburg-Nord. Dabei, so beantragen die CDU-Verkehrspolitiker Joachim Brunnet, Manfred Jannasch, Karin Schaffner und Hermann Heck, soll besonderer Wert gelegt werden auf die Frage, welche Verbesserung von Lebens- und Luftqualität erreicht werden können und welche Auswirkungen die Eintunnelung für städtebauliche und planerische Kreativität hätte.

Mit dem Antrag der CDU wird erstmals seit Längerem die Eintunnelung der Autobahn zu einem Thema in der parlamentarischen Beratung. Was vor drei Jahren noch als Phantastereien der Bürgerinitiative Stadtautobahn angesehen wurde, hat den parlamentarischen Raum erreicht.

Zum einen hängt dies mit der Vision zusammen, Marburg könne nach 2025 einmal die Bundesgartenschau ausrichten. Diese Möglichkeit würde, so hoffen viele Kommunalpolitiker verschiedener Couleur, ungeahnte Möglichkeiten der Stadtgestaltung eröffnen. Die Vorstellung eines großen Grün-Areals mitten in der Stadt, einer „grünen Lunge“ gewissermaßen, gibt der Diskussion um eine Eintunnelung neuen Schwung. Zum anderen hat eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Stadtautobahn im Mai gezeigt, dass konkrete Pläne umsetzbar sein könnten. Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen hatten entsprechende Denk-anregungen geliefert mit einer Untersuchung, die sich mit dem Abriss und Ersatz der Hochstraße vor dem Hauptbahnhof auseinandersetzte (die OP berichtete).

„Die Stadt soll die Prüfung nicht morgen oder übermorgen umsetzen, aber wir wollen, dass sich der Magistrat mit der Perspektive befasst“, sagte Joachim Brunnet zur Intention des Antrags. „Dazu braucht er politische Unterstützung der Fraktionen.“ Es wäre unverantwortlich, würde sich Marburg einer solchen Chance verschließen“, sagte Brunnet der OP. Insbesondere im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau gebe es hier eine Möglichkeit, etwas zu ändern.

„Über kurz oder lang muss etwas passieren“, meint auch SPD-Fraktionschef Steffen Rink. Der Prüfauftrag sei deswegen richtig, sagt der Sozialdemokrat, es sei „sinnvoll, alles zusammenzuführen, was es an Ideen gibt.“

Rink gibt aber zu bedenken: „Die technische Machbarkeit ist das eine, die Finanzierung das andere.“ Allerdings wäre eine Lösung „ein großer Wurf für Marburg“.

Zurückhaltender gibt sich Grünen-Fraktionschef Dietmar Göttling. „Ob das der Weisheit letzter Schluss ist“, fragt er rhetorisch, um fortzufahren: „Eine Prüfung ist in Ordnung, aber man sollte keine Hunderttausende von Euro für irgendwelche Studien ausgeben.“Göttling ließ offen, wie sich die Grünen in einer Abstimmung verhalten werden.

Oberbürgermeister Egon Vaupel hatte Ende vergangenen Woche zu erkennen gegeben, dass er langfristig auf eine Tieferlegung oder eine Eintunnelung der Stadtautobahn von der Ausfahrt Marburg-Mitte bis zum Beginn der Hochbrücke hoffe (OP vom 17. Juni). Die Untersuchung der Studierenden der THM habe die technische Realisierbarkeit angedeutet. Schon das sei für die Stadt ein großer Wurf. Vaupel will auch den Gedanken an einen langfristigen Abriss der Hochbrücke nicht aufgeben, betont aber, „dass hier noch sehr viel mehr über die technische Realisierbarkeit nachgedacht werden muss.

Göttling verwies darauf, dass in Bezug auf die Lärmemissionen von der Stadtautobahn schon einiges erreicht sei. Er erinnerte an die geplante Verlegung von lärmreduzierendem „Flüsterasphalt“ und an die Geschwindigkeitskontrollen längs der B3, die zu einer spürbaren Geschwindigkeitsreduzierung zumindest von Pkw geführt hätten.„Viel schlimmer“, so Göttling, „als der Lärm von der Stadtautobahn ist aber der Lärm von der Eisenbahn.“ Er hoffe, dass bei der Bahn endlich ein Umdenken stattfinde.

von Till Conrad

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