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CDU-Kritik: "Das Vorspiel zum Kollaps"

Robert-Koch-Straße CDU-Kritik: "Das Vorspiel zum Kollaps"

Der CDU-Verkehrsexperte Joachim Brunnet fordert ein sofortiges Ende des Verkehrsversuchs in der Robert-Koch-Straße und einen Neubeginn in der Verkehrspolitik.

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Gestern Mittag in der Bahnhofstraße: Lange Rückstaus bilden sich vor der neuralgischen Kreuzung zu Robert-Koch-Straße und Rosenstraße.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der „sogenannte Verkehrsversuch“ in der Nordstadt sei nur das „Vorspiel zum Kollaps“, sagt Brunnet. Geplante Neuregelungen wie in der Biegenstraße vor der Stadthalle oder der Umbau des Rudolphsplatzes hätten Auswirkungen bis in die Nordstadt und würden die jetzige Situation dort verschärfen.

Brunnet sieht die Grundlage der Verkehrspolitik von SPD und Grünen in einer Mobilitätsstudie der Marburger Geografie-Professorin Simone Strambach, die im Jahr 2012 veröffentlicht wurde. Sie untersuchte das Mobilitätsverhalten von Studierenden und Mitarbeitern der Universität. „Das ist aber nur ein Ausschnitt aller Verkehrsteilnehmer in Marburg“, kritisiert Brunnet, der dem Magistrat vorwirft, sich einseitig auf die Strambach-Studie zu beziehen.

Fachleute sahen Überlastung der Kreuzung voraus

Der Christdemokrat wirft der Koalition vor, sie richte ihre Verkehrspolitik „in Form einer Salamitaktik gegen die individuelle Erreichbarkeit der Innenstadt aus“. Mit der Einrichtung des Zweirichtungsverkehrs in der Robert-Koch-Straße und der Bunsenstraße gehe „wahrscheinlich die Einrichtung des Zweirichtungsverkehrs in der westlichen Bahnhofstraße aus Richtung Wehrdaer Weg einher“.

Tatsächlich hatte Rot-Grün die Umwidmung der Elisabethstraße zu einer Umweltstraße und damit die faktische Sperrung für Pkw angestrebt, von diesem Vorhaben aber Abstand genommen, weil das beauftragte Verkehrsplanungsbüro eine Überlastung der Kreuzung Bahnhofstraße/Rosenstraße/Robert-Koch-Straße vorhergesehen hatte. Noch im März 2014 hatten zudem die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen, Steffen Rink und Dietmar Göttling, in einem gemeinsamen OP-Gespräch gesagt, dass sie an der Sperrung der Elisabethstraße als Ziel festhalten.

Auch Anwohner werden mehr belastet

Die Koalition hoffte damals darauf, dass sich die Aufhebung der Einbahnstraßenregelung in der Robert-Koch-Straße bewähre, und auf einen anschließenden Verkehrsversuch, bei dem die Elisabethstraße gesperrt werden soll, um die Erfahrungen auszuwerten. OB Egon Vaupel (SPD) hatte diese Option im Frühjahr 2013 offengehalten.

Die Verkehre aus Richtung Nordstadt würden über die Robert-Koch-Straße, Bunsenstraße, Deutschhausstraße und Biegenstraße zum Rudolphsplatz geführt. „Ergebnis dieser Streckenführung wird neben der Belastung der Nordstadt die überproportionale Belastung der Anwohner vor allem in der Deutschhausstraße und der Biegenstraße sein“, sagt Brunnet, der zudem auf die Gefahr von Rückstaus wegen der Umgestaltung des Platzes zwischen Stadthalle und Biegenstraße hinweist. Die geplante Umgestaltung des Rudolphsplatzes werde zudem für alle Verkehre bis zu 35 Prozent längere Standzeiten mit sich bringen.

Grüne weiter für Sperrungder Elisabethstraße

Dietmar Göttling, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung, sagte der OP gestern auf Anfrage, die Situation in der Nordstadt sei am Montag Thema in der Koalitionsrunde. „Im Moment sieht es nicht gut aus“, sagte Göttling zu der Verkehrssituation, aber Verkehrsteilnehmer bräuchten halt auch einige Zeit, um sich auf Veränderungen einzustellen. Dennoch seien Veränderungen nicht ausgeschlossen.

Was Göttling hingegen ausschließt, ist ein schneller Abbruch des Verkehrsversuchs, so wie ihn Joachim Brunnet fordert. „Wir brauchen zunächst Ergebnisse, und dann müssen wir diese Ergebnisse evaluieren“, sagte das Grünen-Urgestein der OP. Er bekräftigte die Haltung seiner Partei, die noch immer perspektivisch für eine Sperrung der Elisabethstraße für den motorisierten Individualverkehr eintrete. „Warum sollte sich an dieser Haltung etwas ändern?“

von Till Conrad

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