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C 64: Die Faszination lebt weiter

Stammtisch-Serie C 64: Die Faszination lebt weiter

64 Kilobyte Arbeitsspeicher, 16 Farben bei einer Auflösung von 320 mal 200 Pixel - der Commodore 64 war in den 80ern der Computer schlechthin und verkaufte sich weltweit mehr als 20 Millionen Mal. Und er ist nicht totzukriegen.

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In der Musikkneipe Clou in Marburg trifft sich der „Marburger Stammtisch“: Die Mitglieder reparieren vor Ort ihre C 64.

Marburg. Samstagabend in der Musikkneipe Clou: Der „Marburger Stammtisch“ braucht sich kein Stammtisch-Schild über den Tisch zu hängen, man erkennt ihn sofort. Genau genommen besteht er auch nicht aus einem, sondern aus vier bis fünf Tischen und daran sitzen nicht die Mitglieder des „Marburger Stammtisches“, dort stehen ihre Schätze: Zwischen 15 und 25 Jahre alte Computer und Konsolen, manchmal auch ein altes Radio, ein kaputter Fernseher oder eine Schreibmaschine, dazu allerhand an Zubehör, wie Disketten, Kassetten und Joysticks - kurz, alles, was älter als 15 Jahre ist und einen Stecker hat.

Retro - diesen Begriff wollten Gründungsmitglieder Lars Bernhofen (44), Patrick Velte (28) und Stephan Oehlmann (40) nicht im Namen ihres Stammtisches haben. „Alles ist retro heutzutage, das Wort ist verbraucht. Wir haben uns daher bewusst für den etwas neutraleren Namen ‚Marburger Stammtisch‘ entschieden“, sagt Lars. An einem Samstag im Monat treffen sich 10 bis 15 Fans der „alten“ Technologie im Clou, bringen ihre „neuen“ alten Errungenschaften mit, reparieren Kaputtes und tauschen sich aus. Was noch oder wieder einwandfrei funktioniert, wird zum Spielen verwendet. Was die Freunde des Commodore 64 von 1982 oder der ebenso alte VecTrex zusammenfinden lässt? „Vor allem beim Commodore 64 versteht und sieht man, was passiert. Die Technologie ist noch so durchschaubar, dass man nachvollziehen kann, wie der PC tickt. Dementsprechend kann man auch Sachen selbst reparieren und sie so erhalten anstatt wegzuwerfen“, fasst Patrick die Faszination C 64 zusammen.

Der Werkzeugkoffer steht schon im Clou

Lars fügt hinzu: „Es ist wie mit alten Autos, da kann man auch noch Dinge selbst reparieren. Bei dem neuen Zeug geht das ja nicht mehr.“ Patrick hat einen C-64-Computer mitgebracht, zehn weitere stehen in seinem 15-Quadratmeter-WG-Zimmer. Manche dienen als Ersatzteillager für andere PCs, manches sind „special editions“. „Commodore hat einfach alles verbaut, was im Lager war, ob die Lampe grün oder rot war, hat keinen interessiert. Heutzutage werden diese Spezialeditionen gesammelt“, so Lars.

Genau über diese großen und kleinen Details tauschen sich die Stammtisch-Mitglieder im Clou aus, darunter sind Kfz-Elektroniker, Informatiker, Fernsehtechniker, aus der Reihe fällt vielleicht der Kunstgeschichte-Student. Manche bringen eine ganze Werkbank mit Lötkolben mit - der Werkzeugkoffer steht schon im Clou - um vor Ort Dinge zu reparieren oder neu zusammenzubauen. „Wenn etwas kaputt ist, schaut sich jeder mal das Problem an. Einer hat meistens die zündende Idee und die anderen lernen dabei etwas dazu“, so Lars. Die ursprüngliche Idee zum Stammtisch hatte Patrick im Jahr 2009. „Ich habe auf einer C64-Plattform andere Marburger entdeckt und warf die Idee eines Stammtisches in den Raum. Es gab zwar Interessenten, aber die Sache schlief wieder ein. Erst ein Jahr später griff dann ein Mitglied die Idee wieder auf und es kam ein Treffen im Clou zustande“, erzählt er. Im Sommer verlegen die Mitglieder den Stammtisch auch gerne mal in den Garten eines Mitgliedes. „So sehen wir auch zwei-, dreimal im Jahr Tageslicht“, scherzt Patrick. Lars fügt aber schnell hinzu: „Für die meisten von uns ist das hier ein Hobby wie für andere Briefmarken sammeln. Man trifft sich einmal im Monat, fachsimpelt und werkelt ein bisschen an seinen Projekten. Aber dann ist auch wieder gut, wir haben schon auch ein Leben außerhalb der Commodore-Welt.“

Auf www.marburger-stammtisch.de finden Sie die nächste Termine des Stammtisches. Eine Anmeldung ist kein Muss, zur besseren Planung aber erwünscht: anmeldung@marburger-stammtisch.de.

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Stammtisch – da kommt einem das Bild einer Männerrunde in den Sinn. Sie sitzen abends bei ein, zwei Bier in der Kneipe, erzählen eine Geschichte nach der anderen und nehmen es mit der Wahrheit dabei vielleicht nicht so genau. Begriffe wie „Stammtischparole“, „Stammtischpolitik“ und „Stammtischniveau“ haben sich etabliert. Aber stimmt das Klischee? Dieser Frage geht die Oberhessische Presse in einer neuen Serie nach. In loser Folge stellen wir kuriose, außergewöhnliche und auch mal typische Stammtische im Landkreis vor.

Den Anfang macht heute der „Marburger Stammtisch“, dessen Mitglieder sich mit alter Technik beschäftigen. In der Musikkneipe „Clou“ treffen sich regelmäßig Fans des Commodore 64 – das war in den 80ern der Computer schlechthin.

von Lisa-Martina Klein

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