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Bypässe am schlagenden Herzen eingesetzt

Uniklinikum Bypässe am schlagenden Herzen eingesetzt

Zum ersten Mal haben Spezialisten des UKGM eine sehr komplexe, mehrfache Bypass-Operation am schlagenden Herzen durch einen Mini-Zugang am Brustkorb durchgeführt.

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Oberarzt Dr. Ivo Martinovic (links) und Professor Rainer Moosdorf, Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie, freuen sich über ein neues, schonendes OP-Verfahren am UKGM.

Quelle: privat

Marburg. Dieser Eingriff ist in Deutschland und Nordeuropa bislang einmalig. Durchgeführt wurde er von Dr. Ivo Martinovic, Oberarzt an der Marburger Klinik für Herz- und thorakalen Gefäßchirurgie.

Für die Patienten sind minimalinvasive Eingriffe weniger belastend als konventionelle Herzoperationen. Das Brustbein muss nicht eröffnet werden und es wird ohne Herz-Lungen-­Maschine operiert.

Je kleiner die Wunde, desto weniger Schmerzen, weniger Blutverlust und geringeres Risiko der Wundheilungsstörung. Dabei wird auch weniger Fremdmaterial, wie zum Beispiel Drahtschlingen und Fäden benötigt. Die Patienten erholen sich schneller, liegen kürzer auf der Intensivstation und können die Klinik früher wieder verlassen.

Für Herzchirurgen und Anästhesisten bedeuten solche Eingriffe jedoch eine deutlich größere Herausforderung, weil die Operation sehr komplex ist (technisch aufwendigste Bypass-Operation) und die Überwachung des Kreislaufs während des Eingriffs am schlagenden Herzen besonders engmaschig sein muss.

Sogenannte Schlüssellochherzchirurgie

Bei einer konventionellen Bypass-Operation wird das Herz an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und das Herz selbst „stillgelegt“. Zwar ist diese Technik ausgereift und kann die Funktion von Herz und Lunge über eine begrenzte Zeit übernehmen, aber die Gesamtbelastung für das Herz und den Körper ist groß. Ziel der minimalinvasiven Herzchirurgie ist daher nicht nur eine kleinere Wunde, sondern auch der Verzicht auf die Herz-Lungen-Maschine.

Mit einem minimal-invasiven chirurgischen Eingriff an den Herzkranzgefäßen als sogenannte Schlüssellochherzchirurgie wurde bislang am schlagenden Herzen nur eine verengte Herzkranzarterie durch die Verbindung mit einer gesunden Brustwandarterie versorgt.

Dabei wird ein rund fünf Zentimeter großer Schnitt über dem Herzen in den vierten Zwischenrippenraum gemacht. Mit diesem Verfahren sind bislang sehr gute Ergebnisse erzielt worden.

Meistens benötigen die Patienten allerdings mehrere Bypässe. Die Uniklinik Marburg ist nun die erste Klinik in Deutschland, an der auch mehrfache Bypässe mit dieser Technik operiert werden können.

Oberarzt Dr. Martinovic betont: „Das Wichtigste ist für mich das optimale Ergebnis für den Patienten. Unser erster operierter Patient war sehr zufrieden, sowohl mit dem Verlauf als auch mit der kleinen Wunde und konnte die Klinik bereits am fünften Tag nach der Operation verlassen.“

Martinovic sagt, es handele sich hier um das Ergebnis einer exzellenten Team-Arbeit mit den Kollegen der Kardiologie und Anästhesie. Er habe diese Technik bei einem renommierten Kollegen aus New York gelernt, der bereits viele Operationen dieser Art durchgeführt und bestätigt hat, dass dieser Eingriff nur in Teamarbeit gelingen kann.

„Jetzt sind wir in der Lage, das innovative und schonende Verfahren auch in Deutschland anzubieten. Davon können unsere Patienten eindeutig profitieren.“

von Till Conrad

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