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Bus-Reform rückt Dörfer ins Zentrum

Nahverkehrsplan 2015-2020 Bus-Reform rückt Dörfer ins Zentrum

Bus-Taktänderung in Außenstadtteilen, andere Streckenführung, Aufmöbeln der Haltestellen und Skepsis zum Nutzen 
eines Seilbahnbaus: Die OP stellt die Eckpunkte des Marburger Nahverkehrsplans 2015-2020 vor.

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Im öffentlichen Personennahverkehr Marburgs soll es Veränderungen bei der Linienführung der Busse geben.

Quelle: Sven Geske

Marburg. Stadtwerke und die vom Magistrat beauftragten Verkehrsplaner IGDB rechnen bis 2020 mit einem Anstieg der ÖPNV-Kunden um 13 Prozent (von 14,22 auf 16,04 Millionen Fahrgästen pro Jahr).

Die vorgeschlagene Reform beinhaltet mehr vom ÖPNV abgefahrene Kilometer (+15 Prozent) und eine Kostensteigerung von 13,6 auf 15,4 Millionen Euro pro Jahr (+ 13 Prozent). Im Ergebnis rechnen die Planer damit, dass die Kommune die Stadtwerke als Verkehrsbetriebe mit 6,7 Millionen Euro pro Jahr bezuschussen muss. Das sind die geplanten wesentlichen Veränderungen in der Kernstadt:

Weniger Busse in den Schulsommerferien

Die Linie 7 ist künftig keine Ringlinie mehr. Zwar wird das Ringkonzept weiter verfolgt, allerdings wurden „zur Wahrung der Fahrplanstabilität“, wie es im Konzept heißt, Stichfahrten nach Wehrda und zum Richtsberg konzipiert. Grundsätzlich verkehren die Busse somit auf der Achse Wehrda-Hauptbahnhof-Innenstadt-Südbahnhof-Uniklinikum-Hauptbahnhof- Innenstadt-Richtsberg und in der Gegenrichtung analog.

Weniger Busse während vier Wochen der Schulsommer
ferien: Montags bis freitags wird auf mehreren Strecken das Angebot zurückgefahren.

Das Stadtbusnetz soll eine Flotte von 79 Fahrzeugen umfassen – davon dienen neun als Reserve. „Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Ausstattung aller Regelfahrzeuge mit Klimaanlagen“, heißt es in dem Konzept.

UB wird nicht mehr angefahren

Auf den Linien 1, 2 ,3 , 4 und 6 sollen Gelenkbusse eingesetzt werden. Auf den Linien 5, 9, 11, 15, 17, 19, 21 und 23 verkehren Standardbusse, die etwa im Schülerverkehr durch Gelenkbusse unterstützt werden. Auf Strecken der Linien 10, 16 und 20 kommen Midibusse zum Einsatz. Anhängerbusse seien zudem eine Alternative, die weiter getesten werden solle.

Die UB an der Wilhelm-Röpke-Straße wird nicht mehr angefahren.

Die Linien 2 und 3 bedienen den Stadtteil Wehrda über Diakonie beziehungsweise über den Kaufmarkt und pendeln auf der Achse UKGM-Südbahnhof-Innenstadt-Hauptbahnhof- Wehrda. Linienwechsler erfolgen an der Haltestelle Universitätsklinikum immer zwischen „geraden“ und „ungeraden“ Liniennummern.

Innenstadtachse wird im 7,5-Minuten-Takt bedient

Die Fahrzeiten der Linien sind aufeinander abgestimmt, dass sowohl von/nach Wehrda, als auch von/zum Richtsberg sowie von/ zu den Lahnbergen (nördlicher und südlicher AST) zu den Hauptverkehrszeiten ein 15-MinutenTakt besteht.

Auf der Innenstadtachse zwischen Haupt- und Südbahnhof ergänzen sich die Fahrten der Linien 1 bis 4 zu einem 7,5-Minuten-Takt in beiden Richtungen. Durch die zusätzlichen Fahrten werden „Engpässe in den Stoßzeiten am Bahnhof Richtung Innenstadt und zurück vermieden“, heißt es im Konzept.

Die Angebote auf den Linien 1 bis 4 stellen den Grundtakt für die Bedienung der Lahnberge dar. Im Fall hoher Nachfragewerte decke die Linie 9 den dann erforderlichen Kapazitätsmehrbedarf über die Anbindung der Lahnberge an den Campus Firmanei ab.

Die Veränderungen 
in den Außenstadtteilen

Michelbach/Görzhäuser Hof :
Die Standorte 1 und 2 des Pharma-Areals werden künftig im 30-Minuten-Takt angebunden, die Fahrpläne der Linie 14 sind sowohl an den Bahnanschluss an den Hauptbahnhof für Züge von und nach Frankfurt als nunmehr auch an den Bahnhalt in Sterzhausen angepasst. Der AST-Verkehr wird sowohl unter der Woche als auch am Wochenende in ein regelmäßiges Busangebot gewandelt, die Bedienungszeiten der Linie am Wochenende in den Morgen- und Abendstunden ausgeweitet, um bestehende Lücken zu schließen.

Die Linie wird von Michelbach Lindenplatz an den Bahnhaltepunkt Sterzhausen verlängert und erhält dort Anschluss an die obere Lahntalbahn Richtung Bad Laasphe und Erndtebrück. Dadurch wird eine Verkürzung der Reisezeiten aus den Gemeinden entlang der Bahnlinie erreicht, der Umweg über den Hauptbahnhof entfällt.

Allnatalgemeinden :
An den Kreisstraßen 68 und 69 wird es neue Stopps, bei Neuhöfe und am Polizei-Oldimer-Museum, geben. Hermershausen, Haddamshausen und Cyriaxweimar werden weiter durch die Linie 17 bedient. Die Linienführung erfolgt im Ring, in der Innenstadt als Durchmesserlinie über die Innenstadtachse von Radestraße zum Erlenring und weiter bis nach Schröck und Moischt.

Die Linienführung über den Platz der Weißen Rose verbleibt aufgrund der gegebenen Straßeninfrastruktur. Zur Optimierung der Linienführung wird empfohlen, den Straßenabschnitt der Herrmannstraße zwischen Soldatengraben und Neuhöfe sukzessive auszubauen und die Linie dann über 
Ockershausen zum Wilhelmsplatz zu führen.

Der AST-Verkehr am Samstagabend wird durch ein reguläres Busangebot ersetzt, an Sonntagen erfolgt die Bedienung ganztägig im AST-Betrieb.

Bauerbach und Ginseldorf:
Die bisherige Linie 11 wird als Durchmesserlinie über die Innenstadtachse zum Stadtwald verlängert. Dadurch biete sich dem Fahrgast eine umsteigefreie Verbindung in die Innenstadt. In Folge der neuen Linienverknüpfung verkehrt die Linie 11 künftig als Linie 8 und verdichtet auf der Innenstadtachse die Linie 18 zu einem 30-Minuten Takt.

Die Auswertung der AST-Nachfrage ergab ein überdurchschnittlich hohes Fahrgastauf-kommen in den Abendstunden (höchste AST-Nachfrage in Marburg). Deshalb wird das reguläre Bus-Angebot um zusätzliche Abendfahrten sowohl unter der Woche als auch am Wochenende erweitert, die bisherigen AST-Verkehre entfallen. Die Betriebszeiten am Wochenende werden zeitgleich auf die Morgenstunden ausgedehnt.

Moischt und Schröck:
Die Linie 12 wird in ihrem Fahrtverlauf verändert und führt künftig nicht mehr über die Großseelheimer Straße mit Endpunkt Südbahnhof, sondern als Durchmesserlinie in das Allnatal als Linie 17. Der Linienweg führt neu ab der Hölderlinstraße über Zahlbach-Erlenring-Gutenbergstraße-Wilhelmsplatz. Neben der umsteigefreien Verbindung in die Innenstadt dient die Linie auch der Erschließung der Zahlbach, wenn in den Semesterferien der Betrieb der 
 Linie 9 ausgesetzt ist

Für die Verbindung zum Südbahnhof eröffnen sich den Fahrgästen künftig zwei Alternativen. Zum einen besteht an der Hölderlinstraße eine Umsteigemöglichkeit in die Linien von/zu den Lahnbergen, zum anderen über eine neue Linie 12, die Montag bis Freitag zwischen Südbahnhof und Moischt über Cappel führt. Diese Linie erhält einen Linienwechsler in Moischt sie geht dort auf die Linie 17 über. Sonntags dient die Linie als Ersatz für die Linie 17 und pendelt zwischen Südbahnhof-Cappel-Moischt und Schröck (Bürgerhaus).

Mit der Liniendurchbindung Südbahnhof-Cappel-Moischt-Schröck-Erlenring-Innenstadt in beiden Richtungen werde das Fahrtenangebot von Schröck und Moischt in die Innenstadt unter der Woche verdoppelt.
Moischt und Schröck weisen die zweithöchste Nachfrage im AST-Verkehr auf, daher werde auf diesen Linien der AST-Verkehr in ein reguläres Busangebot umgewandelt.

Dilschhausen, Dagobertshausen und Elnhausen behalten ihr aktuelles Bedienungskonzept unter Ausweitung der Betriebszeiten an den Wochenenden. Der Stadtteil Gisselberg werde heute durch den RNV über lokale Linien bedient, es sind keine Veränderungen im Angebot beabsichtigt.

Bortshausen und Ronhausen sollen einen regelmäßigen Ein- statt Zweistundentakt mit der Linie 13 bekommen.

Die Nachbargemeinde Cölbe wird in das Stadtliniennetz eingebunden: Die Linie 18 führt von dem Ort in die Innenstadt und wird mit der Linie 8 bis zum Stadtwald zu verlängert.

Veränderungen 
im Zug-Verkehr

Verdichtung des Regionalexpress-Angebots zwischen Frankfurt und Treysa kurzfristig ab Ende 2015, welche zu zusätzlichen Verbindungen von/nach Marburg führen soll. Darüber hinaus soll langfristig der RE-Verkehr zwischen den Zentren gestärkt werden, ein entsprechendes beschleunigtes Angebot unter dem Namen „Hessen-Express“ ist durch den RMV geplant.

Auf dem Abschnitt Frankfurt-Marburg-Kassel soll die Linie „HE3“ die Linie RE 30 ersetzen und stündlich verkehren, was zu einer weiteren Angebotsverdichtung in Marburg führen würde. Ziel der Stadt ist es, den Südbahnhof stärker in den regionalen Schienenverkehr einzubinden und mehr Fahrten dort halten zu lassen.
Das soll infrastrukturell
verbessert werden

Mehr Unterstände, Bänke, Beleuchtung, Mülleimer, besser lesbare Netz- und Abfahrtspläne.

Mehr Räder, mehr Abstellflächen, mehr Kunden: Das von Deutscher Bahn und Asta der Uni etablierte System „Call 
a Bike“ soll ausgebaut werden – vor allem für Nicht-Studenten.

Investition in neue Busse :
„Eine umfangreiche Erneuerung des Fahrzeugpools ist erforderlich“, heißt es in der Analyse. Ziel sei es auch, die Anzahl von Fahrzeugen verschiedener Hersteller, Baureihen und Produktionszeiträume zu reduzieren, um Kostensenkungen bei Reparaturen in Werkstätten zu bewirken.

Im Rahmen der Neubeschaffung ist außerdem auf eine ausreichende Motorleistung zu achten, um noch bestehende Fahrplanpufferzeiten zu reduzieren, die Fahrplanstabilität zu erhöhen, schließlich die Zuverlässigkeit sowie den Fahrgastkomfort zu verbessern. Gleichzeitig ermöglichen leistungsstärkere Fahrzeuge eine geringere Lärmbelastung an Steigungsstrecken

Kein Spalt zwischen Gehweg und Buseinstieg: Alle Haltestellen sollen barrierefrei umgebaut werden, was eine Verlegung mancher Stopps nötig machen könnte. Priorität haben die Innenstadtachse und dicht besiedelte Wohngebiete wie Wehrda und Richtsberg.

Fahrradanhänger an Bussen: Der Testbetrieb auf die Lahnberge soll verlängert werden, da bislang die Datengrundlage für eine „grundsätzliche Entscheidung“ für oder gegen einen erhöhten Radmitnahme-Bedarf nicht ausreiche.

Den Bau einer Seilbahn bewerten die IGBD-Analysten kritisch, raten der Stadt „in der Gesamtschau, auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus, die Weiterverfolgung dieses Projekts zu überdenken“.

  • Der Entwurf des Nahverkehrsplans wird am Dienstag 
ab 18 Uhr im Verkehrsausschuss (Stadtverordneten-Sitzungssaal, Barfüßerstraße 50) behandelt.

von Björn Wisker

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Rückschlag für Wunschprojekt der Grünen
Innovation im Nahverkehr oder unnötiges Transportmittel in Marburg? Der Bau einer Seilbahn auf die Lahnberge wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Fotomontage: Thorsten Richter

Der Plan eines Seilbahn-Baus in der Universitätsstadt steht vor dem Aus. Die von der Stadt beauftragten Verkehrsplaner zur Erstellung des Nahverkehrsplans 2015 bis 2020 raten in ihrer Analyse von einem Bau ab.

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