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Bürokratie verhindert Therapie

Festakt Bürokratie verhindert Therapie

Inklusion - dieses Wort ist in aller Munde. Doch was es wirklich bedeutet, Menschen mit psychischen Erkrankungen einzugliedern, beweist die Bürgerinitiative (BI) Sozialpsychiatrie. Sie feierte 40. Geburtstag.

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Michael Kessler geschäftsführender Vorstand der BI Sozialpsychiatrie.Foto: Hanna Prior

Marburg. Seit 40 Jahren setzt sich die BI für soziale Integration und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe psychisch erkrankter Menschen ein. Das wurde im Cineplex gefeiert. 200 Gäste, Anhänger und Freunde des Vereins haben sich dort getroffen, um den Festakt der „Bürgerinitiative für soziale Rehabilitation und zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen“ (kurz: BI Sozialpsychiatrie) zu feiern.

Michael Kessler, seit 25 Jahren geschäftsführender Vorstand der Bürgerinitiative, eröffnete den Festakt mit sorgsam ausgewählten Worten.

Denn neben der Aussprache seines Danks und seiner Freunde über das langjährige Bestehen, packte er die Gelegenheit beim Schopfe und nutzte den Anlass für kritisierende Worte zum Thema Bürokratie. Wegen bürokratischen Aufwands und langdauernder Bearbeitungszeiten der Rechtsansprüche bleibe den Mitarbeitern letztlich weniger Zeit für therapeutische und betreuerische Arbeit, bemängelte Kessler, der damit die Zustimmung des Publikums erhielt.

Besonders hervorgehoben von den Rednern wurden die Umstände, unter denen die BI Sozialpsychiatrie gegründet worden war. Schließlich muss bedacht werden, dass vor 40 Jahren der Inklusionsgedanke lange nicht so fortgeschritten war wie mittlerweile.

Dass die BI schon damals dafür kämpfte, dass Menschen mit psychischen Krankheiten in die Gesellschaft eingegliedert werden, bewundert Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern: „Die BI ist 1973 angetreten, in einer Zeit, in der vieles nicht so selbstverständlich war wie heute“.

Dank der grenzenlosen Leidenschaft, von der die ehrenamtlichen Mitarbeiter angetrieben werden, haben notleidende Menschen eine Anlaufstelle, so McGovern.

Die BI Sozialpsychiatrie hat in den vergangenen Jahren mit ihrem Programm viele Menschen mitgerissen, unter ihnen Claus Solbach, Geschäftsführer der Sozialen Hilfe Marburg, der als Devise ausrief: „Gäbe es die BI nicht seit 40 Jahren - wir müssten sie heute und hier gründen!“

Auch Oberbürgermeister Egon Vaupel blickt mit Hochachtung auf die Veränderungen, die in den 40 Jahren Engagement der BI erzielt wurden und sprach seine Dankbarkeit darüber aus, „dass es solch eine Initiative in unserer Stadt gibt.“

Unentbehrlich für den unterhaltsamen Ablauf des Festaktes war jedoch Poetry Slamer Lars Ruppel, der als Moderator charmant durch das Programm führte und die Gäste mit Spielchen und Auflockerungen anregte, um ihre Konzentrationsfähigkeit für die Grußworte und Festreden zu aktivieren.

von Hanna Prior

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