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Bürger fordern längere Öffnungszeiten

Hallenbad Wehrda Bürger fordern längere Öffnungszeiten

Im Handumdrehen hatten sie mehr als 1000 Unterschriften gesammelt: Eine spontan gegründete Bürgerinitiative kämpft um die Ausweitung der Öffnungszeiten im Hallenbad Wehrda.

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Sprung ins gar nicht so kühle Nass: Das Hallenbad in Wehrda ist nicht zuletzt wegen seiner warmen Wassertemperaturen bei vielen Menschen beliebt. Bürger fordern längern Zutritt für die Allgemeinheit.

Quelle: Nadine Weigel

Wehrda. Im Hallenbad Wehrda kamen sie ins Gespräch: Wie viele andere auch klagten sie über die knappen Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit, nur samstags und sonntags von 8 bis 13 Uhr sowie zweimal monatlich von 13.30 bis 16.30 Uhr ist das beliebte Bad für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gabriele Borgemeister, Sigrid Schroer, Gunther Krausmann-Borgemeister, Sabine Orlich und Jutta Vesper-Helmecke missfällt dieser Zustand. Sie akzeptieren das Bäderkonzept der Stadt, nach dem das Bad unter der Woche vor allem Schulen, Gruppen und Vereinen vorbehalten ist. Aber sie haben kein Verständnis dafür, dass die Öffentlichkeit nicht zumindest an Samstagen und Sonntagen das Bad ganztägig nutzen kann. Und: Die Komplett-Schließung des Bades in den Ferien ist ihnen ein Dorn im Auge - zumal die Schließung auch die Rand-Wochenenden direkt vor und direkt nach den Ferien betrifft - insgesamt also etwa 15 Wochenenden.

Bereits im Frühjahr 2012 waren die Öffnungszeiten des Wehrdaer Bades Thema im Stadtparlament. Die Mehrheit lehnte damals eine Resolution ab, nach der die Öffentlichkeit zumindest versuchsweise länger Zutritt zum Bad erhalten sollte.

Dabei ist das Wehrdaer Bad bei seinen Nutzern überaus beliebt: „Mir als fitter Seniorin liegt dieses Bad mehr als das Aquamar, weil ich dort in Ruhe meine Bahnen ziehen kann“, sagt etwa Sigrid Schroer. Sie schätzt daneben die Massagedüsen und das etwas wärmere Wasser. „Das finde ich im Aquamar so nicht“, sagt Schroer.

Ältere Menschen müssten deswegen bis Bad Endbach fahren, um die gleichen Annehmlichkeiten zu finden wie in Wehrda. Schwierig vor allem in der dunkleren Jahreszeit, wenn es früh dunkel ist, ältere Autofahrer besonders blendempfindlich sind oder es nass auf den Straßen ist.

Borgemeister, Schroer und ihre Mitstreiterinnen nahmen nun ihr Anliegen in die eigenen Hände. Sie sammelten mehr als 1000 Unterschriften - „dabei haben wir noch nicht einmal richtig angefangen“, sagt Sigrid Schroer: Die Listen waren lediglich ausgelegt in Geschäften in Wehrda, aber auch in anderen Stadtteilen - öffentliche Sammelaktionen und Klinkenputzen hebt sich die Gruppe für später auf, wenn die Stadt sich nicht einsichtig zeigt.

Dr. Kerstin Weinbach (SPD), die Bäderdezernentin der Stadt, empfing die Gruppe und nahm die Unterschriften entgegen. „Im Prinzip habe ich ja nichts dagegen, wenn die Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit ausgeweitet werden“, sagt sie im Gespräch mit der OP.

Aber: Der Samstagnachmittag wird derzeit für die Grundreinigung des Bades benutzt, an das vierzehntägige internationale Frauenschwimmen will niemand heran.

Und schließlich sei es eine Kostenfrage: Längere Öffnungszeiten bedeuteten eine weitere Stelle für einen Schwimmmeister, sagt Weinbach. Ein Argument, das die Wehrdaer Initiativgruppe nur schwer versteht: An anderen Orten sei die Badeaufsicht schließlich auch ehrenamtlich geregelt, etwa durch die DLRG, argumentiert sie.

Ein anderes Bedenken der Stadt, dass nämlich immer ein Fachmann oder eine Fachfrau vor Ort sein müsse, um im Falle eines Chlorgasunfalls dafür zu sorgen, dass keine Badegäste zu Schaden kommen, könnte durch eine Rufbereitschaft aus der Welt geschaffen werden.

Weinbach steht der ehrenamtlichen Badeaufsicht skeptisch gegenüber: „Das kann ein privater Träger so organisieren, wir als Stadt sicherlich nicht“, sagt die Bäderdezernentin. Sie bringt im Gespräch mit der OP die Gründung eines Fördervereins ins Spiel, der die freien Öffnungszeiten betreuen könnte - „aber dann hätten wiederum nur die Zutritt, die Mitglied im Förderverein sind“, sagt sie.

Bliebe die Öffnung des Bades an den Wochenenden unmittelbar vor und nach den Ferien. Da ließe sich sicherlich etwas machen, glaubt Weinbach - „wenn es finanziell darstellbar ist“.

Ansonsten schiebt die Stadträtin die Verantwortung ans Parlament. Das müsse die finanziellen Mittel für den Haushalt 2015 bereitstellen, wenn die Öffnungszeiten deutlich erweitert werden sollen.

von Till Conrad

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