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Buchautor provoziert: Assad verteidigt die Stabilität

Vortrag Buchautor provoziert: Assad verteidigt die Stabilität

„Der schmutzige Krieg in Syrien“ - über dieses Thema referierte im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) der Australier Dr. Tim Anderson.

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Dr. Tim Anderson.

Quelle: privat

Marburg. Auf Einladung des Vereins „Strömungen“ und des Liepsenverlags stellte er auch sein gleichnamiges Buch vor. Darin wird die aktuelle Lage in Syrien, aber vor allem die seiner Meinung nach tendenzielle Berichterstattung über den Konflikt und deren Teilnehmer behandelt.

Zunächst aber sprach im TTZ ein Überraschungsgast, die in Damaskus geborene, aber in Australien aufgewachsene Maram Susli, die unter dem Pseudonym „Syriangirlpartisan“ in sozialen Medien ihre Sicht auf den Konflikt darstellt und wie der an der Universität Sydney lehrende Anderson sich kritisch, vor allem mit der westlichen Berichterstattung auseinandersetzt. Dabei beklagte sie die fehlende Kritik am Vorgehen der Koalition unter amerikanischer Führung und eine ungerechtfertigte Dämonisierung des syrischen Präsidenten Assad.

Drahtzieher: die Vereinigten Staaten

Danach referierte Anderson, der wie seine Vorrednerin seinen Vortrag auf Englisch hielt und von einem Dolmetscher übersetzt wurde. Seiner Ansicht nach ist der Konflikt in Syrien Teil einer Reihe von gezielten Destabilisierungen der Region, mit dem Ziel, einen neuen Nahen Osten zu erschaffen. Als Drahtzieher sieht er die Vereinigten Staaten, die mit den Kriegen in Afghanistan und dem Irak bereits erste Erfolge erzielt hätten. Auch er stellt die Darstellung Assads infrage und sieht ihn als Verteidiger der Stabilität eines völkerrechtlich legitimen Staates gegen die geopolitischen Auswüchse amerikanischer Außenpolitik.

Die Unterstützung Assads durch Putin wertet Anderson positiv. Sie sei angesichts der Fremdeinwirkungen auf Syrien geboten. Außerdem stellte Anderson diverse Berichte, Statistiken und Umfragen vor, die seiner Ansicht nach als Mittel der Desinformation gebraucht werden. Dabei kritisierte er zwar ihr Zustandekommen, den Gegenbeweis blieb er allerdings schuldig. Nachdem Anderson seinen Vortrag beendet hatte, forderte Moderator Hermann Ploppa, der Andersons Buch ins Deutsche übersetzt hat, die Zuhörer auf, ihre Fragen zu stellen. Dieses Angebot wurde umgehend von einer Gruppe Männer in Anspruch genommen, die sich als syrische Flüchtlinge vorstellten. Sie kritisierten, dass Anderson nicht auf die von Assad begangenen Menschenrechtsverletzungen gegen die syrische Bevölkerung eingeht und die Gefahr durch den islamistischen Terrorismus, dessen Entstehung Anderson ebenfalls den Amerikanern zurechnet, kleinredet.

Als ein Mitglied der Gruppe, bei dem es sich nicht um einen Flüchtling handelte, den Moderator auf die Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik und ihre Nähe zu russischen Regierungsorganisationen ansprach, verlor Ploppa nicht nur die Kontrolle über die Diskussion, sondern auch über sich selbst, indem er die Gruppe als Gegner der Informationsfreiheit bezeichnete. Er schloss die Veranstaltung, und nach kurzen Diskussionen gingen die mittlerweile verwirrten Zuhörer ihrer Wege.

von Michael Noll

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