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Brutales Ende einer Affäre

Amtsgericht Brutales Ende einer Affäre

Entführung und Prügel markieren Ende der Beziehung: Ein 24-jähriger Marburger gibt seiner Geliebten die Schuld an seinen Eheproblemen, verschleppte und verprügelte die junge Frau.

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Marburg. Mehrere brutale Prügelattacken und Drohungen gegen seine ehemalige Geliebte brachten einen jungen Mann nun vor das Marburger Amtsgericht. In einer mehrstündigen Verhandlung musste sich der 24-Jährige wegen Körperverletzung, Bedrohung, versuchter Nötigung und Freiheitsberaubung verantworten. Richter Dirk-Uwe Schauß verurteilte den Täter zu einer Geldstrafe von 1350 Euro.

Das war passiert: Im Frühling vergangenen Jahres traf sich der Marburger mit seiner Geliebten, mit der er bereits seit einem Jahr ein außereheliches Verhältnis hatte. Beide fuhren in ein entlegenes Waldstück. Bereits während der Fahrt begann der aufgebrachte Mann seine Freundin zu beschimpfen und ihr die Schuld an der Beziehung und seinen darauf folgenden Eheproblemen zu geben. Einige Wochen vorher hatte seine Frau von der Affäre erfahren und sich von vorübergehend von ihm getrennt. Während der Fahrt machte der erregte 24-Jährige eine scharfe Vollbremsung, wodurch seine Beifahrerin heftig mit dem Kopf gegen die Frontscheibe stieß. Auf einem abseits gelegenen Feldweg hielt er an und begann brutal auf die Frau einzuprügeln, schlug ihr mehrfach mit der Faust gegen den Kopf. Auslöser für sein aggressives Verhalten war anfangs anscheinend Eifersucht, er verdächtigte die 19-Jährige, einen neuen Freund zu haben. Er bedrängte sie, drohte ihr mit weiteren Angriffen, um ein „Geständnis“ zu erzwingen. Schließlich zog er sie brutal an den Haaren aus dem Auto und schlug erneut auf sie ein. „Ich konnte nicht weg, ich dachte ich würde sterben“, beschrieb die Zeugin die Situation unter Tränen vor Gericht. Aus Angst habe sie alles gemacht, was er verlangte. Nach der Attacke zwang der Mann die völlig verängstigte Frau wieder in den Wagen und fuhr zurück in die Stadt, zu der Wohnung seiner Ehefrau. Dort zerrte er die sich wehrende Geliebte aus dem Auto und hinderte sie an einer Flucht.

Auf dem Weg zum Wohnhaus bemerkte jedoch ein Passant das streitende Paar. Dieser stieß den aggressiven Mann zur Seite und brachte die Frau in Sicherheit. Durch die Prügelattacken erlitt sie zahlreiche Hämatome im Gesicht und am Oberkörper sowie eine Nasenbeinfraktur.

Nach der Tat zeigte sie ihren ehemaligen Freund an. Während der Verhandlung gab der Angeklagte einen Teil der Misshandlungen zu. Begründen konnte er seinen brutalen Ausraster nur unzureichend. Er gab seiner Geliebten die Schuld an der monatelangen Affaire und die damit einhergehenden Probleme in seiner Ehe. „Wegen ihr habe ich alles verloren, ich war sauer und hatte einen Blackout,“, betonte er vor Gericht. Er wollte die außereheliche Beziehung immer beenden, sie habe das angeblich nicht zugelassen, er fühlte sich wiederum von ihr erpresst. Daher wollte er die Geliebte zwingen sich vor seiner Frau zu rechtfertigen und sich für die Affaire zu entschuldigen, sagte der Angeklagte. Er sehe heute ein, dass dies ein dummer und irrationaler Versuch war sich wieder mit seiner Frau zu vertragen, so der Angeklagte. Seine heftigen Prügel täten ihm leid, er sei nie ein Frauenschläger gewesen. Einige Monate vor dem Strafverfahren legte der 24-Jährige ein notarielles Schuldanerkenntnis ab und einigte sich im Zivilverfahren mit der Geschädigten auf eine Schmerzensgeldzahlung von 3000 Euro.

Nach wie vor hat er Angst vor einer weiteren Racheaktion seitens der Familie der misshandelten Geliebten. Schon einmal, kurz nach der Tat, wurde der junge Mann von drei Personen, darunter Familienmitglieder der Geschädigten, aufgesucht und zusammen geschlagen.

Sein Geständnis, die Anerkennung seiner Schuld sowie die laufenden Schmerzensgeldzahlungen wertete das Gericht positiv und bewahrten den Mann vor einer Freiheitsstrafe. Trotzdem war es eine erhebliche, brutale Tat, die Geschädigte „hat Todesangst ausgestanden“, betonte Staatsanwältin Grün in ihrem Plädoyer. Die Verteidigung bezweifelte teilweise die Aussagen der Geschädigten.

Amtsrichter Schauß verurteilte den Angeklagten schließlich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung, versuchter Nötigung sowie Bedrohung. Es war ein knappes Urteil, die emotional aufgewühlte Beziehungstat sei zwar mit einem vorübergehenden Kontrollverlust des normalerweise nicht gewalttätigen Mannes einher gegangen, aber trotzdem ein „Akt äußerster Brutalität“, sagte der Richter. Aber der Angeklagte zeige auch ein glaubhaftes Bedauern und einen erkennbaren Wunsch zur Wiedergutmachung, so die Urteilsbegründung.

von Ina Tannert

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