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Brutaler Raub auf dem Hinterhof eines Bordells

Jugendschöffengericht Brutaler Raub auf dem Hinterhof eines Bordells

Nach einer durchzechten Nacht im Februar sollen zwei Besucher eines Marburger Bordells einen weiteren Gast auf dem Hinterhof des Etablissements brutal überfallen und bestohlen haben.

Marburg. Gemeinsam mit einem Bekannten soll ein junger Marburger einen dritten Mann auf dem Hof eines Bordells angepöbelt, geschlagen und beraubt haben. Daher musste sich der Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Raubes vor dem Marburger Jugendschöffengericht verantworten. Da der mutmaßliche Kumpan zunächst unauffindbar blieb, wurden beide Verfahren voneinander getrennt verhandelt.

Mitte Februar besuchte der 20 Jahre alte Beschuldigte nach einer ausgiebigen, teuren Feier gemeinsam mit einem Bekannten das Marburger Bordell. Nachdem beide das Etablissement wieder verlassen hatten, trafen sie im Hinterhof des Gebäudes auf einen weiteren Gast. Laut Anklage sollen die beiden Angeklagten in einer dunklen Ecke des Geländes gezielt auf den stark angetrunkenen dritten Mann losgegangen sein, ihn mehrfach mit den Fäusten geschlagen, zu Boden getreten und ihrem Opfer ein Handy im Wert von 700 Euro abgenommen haben. Nach der Tat versuchten die mutmaßlichen Räuber mit ihrer Beute zu flüchten. Das Sicherheitspersonal des Bordells folgte den Männern, hielt den 20-Jährigen auf und verständigte die Polizei. Diese nahm einen der Angeklagten fest, der zweite mutmaßliche Täter entkam vorerst.

Während der Verhandlung stellte der Gefasste die Ereignisse dieses Abends zu Beginn völlig anders dar. Nach dem gemeinsamen Bordellbesuch habe sein Bekannter den anderen Mann plötzlich massiv angepöbelt und angefangen zu schlagen. Als das Opfer versuchte zu fliehen, schlug er es nieder. Er selber habe sich daraufhin entfernt, wollte nichts damit zu tun haben, gab der Angeklagte an.

Nachdem sein Freund ihn eingeholt und das geraubte Handy gezeigt hatte, hätte er ihm zudem geraten, es zurückzubringen. Als der Beraubte einige Gäste des Bordells alarmierte und die mutmaßlichen Täter verfolgte, hätten beide versucht zu fliehen. Die Freunde des Geschädigten sowie die Sicherheitskräfte des Bordells hätten ihn jedoch abgefangen, bedroht und verprügelt. „Ich will nicht sagen, dass ich unschuldig bin, aber ich wollte niemanden überfallen“, betonte der Angeklagte. Dies machte Richter Cai Adrian Boesken stutzig. Seiner Aussage nach habe er nichts getan, sei jedoch auch nicht unschuldig, fragte der Vorsitzende ob der widersprüchlichen Angaben nach. Der Angeklagte gab schließlich zu, den Geschädigten gestoßen und einmal mit der Faust geschlagen zu haben. Von einem Handy habe er nichts gewusst, bestehlen wollte er den Mann nicht.

Welcher der beiden Angeklagten ihn geschlagen hatte, konnte der Geschädigte, der als Nebenkläger vor Gericht auftrat nicht genau bestimmen. Er habe in dem dunklen Hinterhof auf seine Freunde gewartet. Als die beiden anderen Männer auf ihn zukamen, vermutete er bereits einen Überfall.

Polizei nimmt zweiten Beschuldigten fest

Einer der beiden verlangte seine Wertsachen, drückte ihm die Kehle zu und prügelte auf ihn ein, so die Aussage. Der Haupttäter nahm ihm schließlich auch das Handy ab und verschwand. Durch die Auseinandersetzung erlitt das Opfer eine stark blutende Platzwunde am Kopf sowie Verletzungen am Auge und Kiefer. Einige Zeit nach der Tat habe sich der 20-Jährige bei ihm entschuldigt, gab der Geschädigte an.

Im Verlauf der Verhandlung wurde deutlich, dass der genaue Tathergang ohne die Anwesenheit des Hauptbeschuldigten und mangels unmittelbarer Tatzeugen nicht ausreichend ermittelt werden kann.

Der zweite Angeklagte wurde von der Polizei mittlerweile gefasst. Alle Prozessbeteiligten stimmten einer Zusammenlegung der getrennten Verfahren und einer gemeinschaftlichen Anklage zu. Die Verhandlung wurde auf den 26. November vertagt.

von Ina Tannert

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