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Brunnen senken Grundwasserspiegel

Stadthallen-Umbau Brunnen senken Grundwasserspiegel

Der Umbau des Erwin-Piscator-Hauses zur neuen Stadthalle läuft auf Hochtouren: Gestern fand eine Baustellenbegehung mit allen Beteiligten statt - auch Anwohnervertreter waren dabei.

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Oben: Restaurant und Eingangshalle sind bereits Vergangenheit. Rechts: Derzeit werden Brunnen gebohrt, da der Grundwasserspiegel abgesenkt werden muss.Fotos: Schmidt

Marburg. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bezeichnete das Vorhaben als „die größte Baustelle und die größte Aufgabe“, die von der Stadt derzeit zu stemmen sei. Und zwar sowohl monetär als auch planerisch. „Deshalb wollen wir auch gemeinsam mit den Nutzern der späteren Stadthalle über den aktuellen Stand der Bauarbeiten informieren.“

Den meisten Menschen werde gar nicht bewusst, wie schnell solche Bauvorhaben in Marburg in die Tat umgesetzt würden. „Gleichwohl ist es wichtig, dass wir die Menschen auf dem Weg mitnehmen“, so das Stadtoberhaupt. Daher seien solche Baustelleninformationen in regelmäßigen Abständen geplant.

„Wir brauchen ein modernes und zeitgemäßes Veranstaltungshaus“, bekräftigte Vaupel noch einmal. Doch das „Herz des Kämmerers“ schlage auch in seiner Brust. „Manchmal denke ich: Hätten wir doch diese große Belastung nicht. Aber die Kosten wären noch höher geworden, wenn wir nichts unternommen hätten.“

Kosten und Zeitplan liegen bisher im Rahmen

Die Kosten für den Umbau bezifferte Vaupel mit 24,1 Millionen Euro. „Davon sind 18,9 Millionen Euro reine Baukosten. Und von diesen haben wir mittlerweile 60 Prozent ausgeschrieben und vergeben“ - das entspräche 11,7 Millionen Euro. „Mit diesem Betrag befinden wir uns genau im Rahmen der Planung“, sagte Vaupel. Er hoffe, dass dies bis zum Ende so bleibe.

Im Juni hatten die Bauarbeiten begonnen. Und nun sei schon ein großer Fortschritt zu sehen. „Wobei der Fortschritt in diesem Fall ein Rückbau ist“, sagte Vaupel. Denn sowohl das ehemalige Restaurant als auch die Eingangshalle der Stadthalle sind mittlerweile nur noch als Schutthaufen zu erahnen. Dafür ist nun der Blick frei auf den Neubau der Martin-Luther-Schule (MLS). „Und dieser Neubau war schon bei den ersten Planungen in den Neubau integriert.“

Mit der MLS werde man sich in den kommenden Tagen treffen, um den neuen Schulweg zu erörtern. Denn durch die neue Verkehrsregelung an der Baustelle hat sich die Lage der Bushaltestellen geändert. Die Haltestelle „Stadthalle“ in Richtung Süden befindet sich nun direkt vor der Kreuzung zur Wolffstraße vor dem Fußgängerüberweg. Der Schulweg soll für die Schüler der MLS künftig über die Wolff- und Uferstraße zur Schule führen.

Die Stadthallen-Haltestelle aus Richtung Süden wurde stillgelegt. Stattdessen sollen die Schüler am Rudolphsplatz aussteigen und über Biegen-, Wolff- und Uferstraße zur Schule gehen. Der Baustellenverkehr läuft direkt hinter dem Bauzaun entlang und wird über eine neue Ampelanlage vor der Savignystraße wieder auf die Biegenstraße geführt.

Auf dem Gelände der Stadthalle hat sich schon einiges getan: Restaurant und Eingang wurden abgerissen, der große Saal ist komplett eingerüstet. Die Entkernung ist bereits in vollem Gang. Dort wird mit Schutzanzügen gearbeitet, denn die Fassadenfugen enthalten gebundenes PCB und werden deshalb als Sondermüll entsorgt. Zudem sind auch Bauteile mit künstlichen Mineralfasern und gebundenen Asbestfasern vorhanden. Diese werden ebenfalls als Sondermüll entsorgt.

Auf dem Gelände werden derzeit neun Brunnen gebohrt. Denn bevor die Arbeiten an der Baugrube beginnen können, muss der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Das Wasser wird über Rohrleitungen in Richtung Lahnwiesen gepumpt. Dort stehen zwei große Behälter - Aktivkohlefilter, mit denen das Wasser gereinigt wird.

Belastetes Grundwasser muss gereinigt werden

Denn im Grundwasser unter der Stadthalle „befinden sich leichtflüchtige, halogenierte Kohlenwasserstoffe, das hat ein Dauerpumpversuch vergangenes Jahr gezeigt“, erläutert Rainer Fischer vom Fachdienst Hochbau. „Alles in unbedenklichem Maße und unter den erlaubten zehn Mikrogramm pro Liter“, versichert er.

Woher die Belastung komme, sei auch für Experten bisher unklar. „Eine Möglichkeit ist, dass sie von der ehemaligen Wäscherei der Uni-Kliniken, die sich früher hier befand, stammt“, so Fischer. Nach dem Filtern gelangt das Wasser in ein Absenkbecken, in dem sich Schwebstoffe absetzen können, bevor es in die Lahn geleitet wird.

Wenn die Bodenplatte und ein Teil des Gebäudes stehen, können die Brunnen wieder stillgelegt werden. Denn dann kann der Gebäudedruck den Grundwasserspiegel aushalten.

Um sicherzustellen, dass der Abbruch zu keinen Beeinträchtigungen in der Umgebung führt, wurde zur Überwachung von Erschütterungen am besonders sensiblen Universitätsmuseum mit seiner Sammlung der Gipsabdrücke ein so genanntes „Geophon“ aufgestellt. Dieses habe bisher keine Ergebnisse oberhalb der festgelegten Grenzwerte angezeigt.

Zum Schutz der benachbarten Gebäude wurden an den Wohngebäuden in der Savignystraße, an der Kirche St. Peter und Paul und an der Universitätsverwaltung Markierungen angebracht. Diese dienen der Setzungsüberwachung. Dies sei „im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens“ üblich.

von Andreas Schmidt

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