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"Brückenfach" feiert großes Jubiläum

Geschichte der Pharmazie "Brückenfach" feiert großes Jubiläum

Das an der Marburger Universität angesiedelte Institut für Geschichte der Pharmazie feiert am Samstag in der Alten Aula sein 50-jähriges Bestehen.

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Professor Christoph Friedrich leitet das Institut für Pharmaziegeschichte.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es ist eine deutschlandweit einzigartige Einrichtung, die jetzt ihr rundes Jubiläum feiert: Das Institut für Pharmaziegeschichte wurde 1965 gegründet. Seit 1967 befindet es sich in einem dreistöckigen Gebäude in der Straße Am Roten Graben, was früher das Tanz- und Fechthaus der Universität gewesen war. Ausgangspunkt des Institutes war die Stiftung einer Professur durch die Bundesvereinigung Deutscher Apotheker. Schon lange finanziert das Land Hessen das Uni-Institut, das zum Fachbereich Pharmazie gehört. Unterstützung für die Gründung kam durch den Pharmazie-Professor Horst Böhme, der 1961/62 Rektor der Marburger Universität war.

Zum Festakt in der Alten Aula hat der aktuelle Institutsdirektor Professor Christoph Friedrich auch die beiden Töchter des 1992 verstorbenen Institutgründers Rudolf Schmitz eingeladen. Dessen Nachfolger Fritz Krafft ist gleichzeitig Friedrichs Vorgänger gewesen. Der 80-Jährige zählt ebenso zu den Gästen der offiziellen Feier wie zahlreiche der insgesamt 191 erfolgreichen Ex-Doktoranden, die im Laufe der vergangenen 50 Jahre ihre Dissertation an dem Marburger Institut abgeschlossen haben. Rund 40 Doktoranden gibt es derzeit, davon sind fast alle Apotheker, die nach einigen Jahren im Beruf noch einmal ihr Faible für Themen aus der Pharmaziegeschichte entdeckt haben. Bevor sie ihre Doktorarbeit beginnen, müssen sie ein obligatorisches dreisemestriges Aufbaustudium absolvieren. Dabei knüpft Professor Friedrich in seinem Wirken nahtlos an den Anspruch von Schmitz und Krafft an, in dem Fach Pharmaziegeschichte Wissenschaftsgeschichte zu betreiben. Neben der Geschichte der wissenschaftlichen Disziplin Pharmazie sowie der Arzneimittelgeschichte sind weitere Schwerpunkte des Fachs die Entstehung und Entwicklung des europäischen Apothekenwesens. So hat Friedrich beispielsweise ein Buch mit Apothekerbiographien verfasst, in dem berühmte Apotheker wie der Schriftsteller Georg Trakl (1887-1914) oder Carl Leverkus (1804-1889), nach dem Leverkusen benannt wurde, porträtiert werden.

Schriften ausgewertet

„Als ausgesprochenes Brückenfach zwischen Natur- und Geisteswissenschaften untersucht die Pharmaziegeschichte nicht nur rein historische Fragestellungen, sondern leistet auch einen Beitrag zur modernen Arzneimittelforschung“, erläuterte Professor Friedrich im Gespräch mit der OP.  Dies wird in einem der Festvorträge Professorin Sabine ­Anagnostou verdeutlichen, die in ihrer Zeit als Wissenschaftlerin am Marburger Institut zusammen mit Friedrich an einem Forschungsprojekt über traditionelle Heilpflanzen als potenzielle Wirkstofflieferanten gearbeitet hat. Dabei wertete sie Rezepturen aus alten arabischen Schriften aus, die dann naturwissenschaftlich weiter untersucht wurden. Mittlerweile leitet Anagnostou ein Pharma­unternehmen in der Schweiz.

In einem Marburger Forschungsprojekt unter Leitung von Professor Friedrich werden die Arzneimittelstudien westlicher Pharmafirmen in der DDR untersucht. Aber auch die Entwicklung der Pharmazie in der Zeit des Nationalsozialismus war ein Thema der Marburger Forscher. Themen von in Marburg abgeschlossenen Doktorarbeiten­ ­waren beispielsweise die Geschichte des Wermuts (Jörg Swadzba), 200 Jahre Pockenimpfstoff (Eva-Maria Henig) und Magie als Wissenschaft im frühen 16. Jahrhundert (Wolf-Dieter Müller-Jahncke). Müller-Jahncke und Friedrich haben auch das vom Institutgründer Rudolf Schmitz begonnene Standardwerk „Geschichte der Pharmazie“ mit einem zweiten Band fortgesetzt und beendet. Darin wird der Zeitraum von der Frühen Neuzeit bis zum Jahr 2000 auf mehr als 1 200 Seiten behandelt.

Am Samstag, 7. November, ab 14.15 Uhr wird das Instituts-Jubiläum mit einem Festakt in der Alten Aula der Uni­versität begangen. Es ist eingebettet in den „Tag der Pharmazie“, den der Uni-Fachbereich Pharmazie jährlich begeht. Zum Programm gehören mehrere Festvorträge, die das breite Spektrum der Pharmaziegeschichte darstellen.

von Manfred Hitzeroth

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