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Bruderherz gibt seine Niere

Transplantation Bruderherz gibt seine Niere

Nach einer erfolgreichen Nieren-Lebend-Spende von Bruder zu Bruder fand gestern eine emotionsreiche Pressekonferenz im Uni-Klinikum statt.

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Raul Alejandro Rodriguez (hinten) hat seinem sieben Jahre jüngeren Bruder Marcelo das Leben gerettet. Dank seiner erfolgreichen Nieren-Lebend-Spende sind beide am 19. März „wie neu geboren“, wie sie sagen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Marcelo Bazan Rodriguez kämpfte gestern mit den Tränen, als er den vielen Helfern aus Marburg dankte, die zum Erfolg der lebensnotwendigen Nierentransplantation mit beigetragen hatten. „Mein ganzes Leben habe ich meinem Traum gewidmet, mit Kunst junge Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden“, sagte der 23-jährige Bolivianer. Mit seiner Theaterkompanie war er im Rahmen der Kinderkulturwarane auch mehrere Male in Marburg. Die dadurch entstandenen Kontakte waren mit ausschlaggebend dafür, dass es nun im Marburger Uni-Klinikum zu der erfolgreichen Übetragung einer gesunden Niere seines Bruders Raul (30) auf den schwer nierenkranken jungen Mann kam. Die vielen Helfer hätten ihm ein großes Geschenk zurückgegeben. „Und ich danke Gott, dass ich so einen speziellen Bruder habe“, erzählte Marcelo bei der Pressekonferenz, die gestern zwei Wochen und einen Tag nach der Operation am 19. März stattfand.

"Ich fühle mich wie wiedergeboren"

Bescheiden hielt sich der Bruder gestern im Hintergrund. Und auch Marcelos ebenfalls anwesender Vater Raul steuerte ebenfalls nur wenige Worte des Dankes bei. Dabei wies er darauf hin, dass der 19. März in Bolivien der Vatertag sei, und es an diesem Tag für ihn als Vater ein sehr großes Geschenk gewesen sei, dass die selbstlose Organspende des älteren Bruders dem Jüngeren geholfen habe.

„Ich fühle mich wie wiedergeboren“, berichtete der Nierenkranke, der die Operation in Marburg gut überstanden hatte. Besonders große gesundheitliche Schwierigkeiten waren bei dem angehenden Juristen kurz vor dem letzten Jura-Examen aufgetreten. Dr. Tanja Maier, leitende Oberärztin in der Klinik für Nephrologie (Nierenheilkunde) skizzierte, vor welch große Hindernisse ein nierenkranker Patient in einem Land wie Bolivien gestellt ist. So sei ein Anschluss an die Dialyse (Blutwäsche), der in Deutschland selbstverständlich sei und von den Krankenkassen bezahlt werde, zur Überbrückung bis zu einer Transplantation eher die Ausnahme als die Regel. Und auch Nierentransplantation gibt es nur in sehr wenigen Fällen.

Nierenspende ist ein besonderes Geschenk

In Deutschland müssen drei Viertel der Patienten, die auf eine neue Niere warten, in der Regel rund sechs Jahre warten, bis die Spenderniere eines Verstorbenen transplantiert bekommen. Nur in einem Viertel der Fälle geschieht die Transplantation über eine Lebendspende.

„Wenn man jemand findet, der eine Niere spendet, dann ist das ein besonderes Geschenk“, betonte Maier. Dieses dokumentiere immer eine besondere emotionale Verbundenheit. Im Fall der beiden Brüder sei die besondere Situation gewesen, dass die Niere aufgrund des verwandten Immunsystems „nicht so ganz fremd“ gewesen sei. Der Kontakt der beiden bolivianischen Brüder zu den Kliniksverantwortlichen kam über Umwege zustande. Organisatoren der Kinderkulturkarawane und der Marburger Lehrer Till Körner hatten Oberbürgermeister Egon Vaupel auf die lebensbedrohliche Nierenkrankheit Marcelos aufmerksam gemacht. Dieser hatte daraufhin den Kontakt zu Professor Jochen Werner, dem Ärztlichen Geschäftsführer des Klinikums, hergestellt.

Hilfsbereitschaft ist groß

„Ich bin überall auf Menschen gestoßen, die Hilfsbereitschaft signalisiert haben“, sagte Vaupel. „Ich bin froh, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen konnten“, sagte Dr. Holger Thiemann, Kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums in Marburg. Aber eine Transplantation kostet viel Geld, im Falle der beiden Brüder sind das nach Thiemanns Angaben rund 30000 Euro. Einen Großteil dieses Geldes bekamen Freunde und Bekannte Marcelos in Deutschland innerhalb kurzer Zeit mithilfe einer Spendenaktion zusammen, erläutert Ralf Classen von der Aktion Kinderkulturkarawane. Unbezahlbar sind hingegen die Aktionen vieler freiwilliger Helfer im Vorfeld und nach der Operation. Dabei ging es unter anderem um Fahrdienste und die Übersetzung von Dokumenten, die geprüft werden mussten, bis es zur erfolgreichen Organübertragung kam. Nach der Ankunft Marcelos in Deutschland bis zur Operation dauerte es insgesamt nur sechs Wochen anstelle der sonst üblichen Zeit von drei Monaten, bis alle bürokratischen Vorgaben erfüllt waren.

OB Vaupel plant zusammen mit Klinik-Geschäftsführer Thiemann inspiriert durch die Geschichte der beiden bolivianischen Brüder noch eine spezielle Wohltätigkeits-Aktion für den Herbst, über die er bisher noch nicht mehr verraten möchte.

  • Weitere Informationen zum Fall „Marcelo“ gibt es ab kommenden Montag im Büro des Oberbürgermeisters bei Brigitte Bohnke, Telefon 06421/201-442.

von Manfred Hitzeroth

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