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Brillen-Sammlerin hat den Durchblick

Aktion für Afrika Brillen-Sammlerin hat den Durchblick

"Damit hätte ich nie gerechnet": Kaum hatte die OP über Dorothe Hilse und ihr Vorhaben berichtet, wurde sie mit Mails überhäuft. Viele Leser wollen mithelfen, Schulen in Afrika mit Brillen auszustatten.

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Die Marburgerin Dorothe Hilse (zweite von rechts) konnte dank der Mithilfe von OP-Lesern fast 500 Brillen für Afrika sammeln. Jutta Merte vom Optiker Unkel (zweite von links) spendete einen ganzen Karton, Christian Schmidt (links) und Tobias Kunz (rechts) halfen beim Tragen.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Mehr als zwei Dutzend Privatpersonen und zwei Optiker meldeten sich bei Dorothe Hilse und boten ihr Unterstützung an. Sie alle hatten in der OP gelesen, dass die Marburger Studentin alte Lesebrillen für Afrika sammelt. Wie nötig etwas für uns so Selbstverständliches dort gebraucht wird, hatte sie selbst vor vier Jahren gesehen. Damals reiste Dorothe mit einer Delegation aus ihrer Heimatgemeinde aus Nordrhein-Westfalen in den Kongo und kam mit dem festen Vorsatz zurück, den Menschen dort zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Was die damals 18-Jährige in Afrika erlebt hatte, das sei sowohl ein unglaublicher „Luxus an Dankbarkeit und Lebensfreude“ gewesen, wie sie sagt, als auch bittere Armut. An vielen Orten, die sie besucht hat, sei sie fassungslos gewesen: „Das kann es doch eigentlich gar nicht geben?“, habe sie angesichts der Lebensbedingungen der Menschen dort oft gedacht, erzählt Dorothe. Der berühmte Kulturschock kam dann bei ihrer Rückkehr nach Deutschland. Sie haderte mit dem Überfluss - und damit, die Dinge, die man hierzulande genießen kann, eben wirklich genießen zu können. Vom fließenden Wasser über ein Laptop bis hin zum Luxus, abends im Bett Licht zum Lesen zu haben.

Gemeinsam mit ihrem Patenonkel hatte sie dann die Idee, etwas zu tun. Nämlich den Menschen mit Afrika mit Dingen zu helfen, für die Menschen in Deutschland keine Verwendung mehr haben: alte Lesebrillen. In so genannten „Écoles d’Alphabétisation des Mamans“ („Mama-Schulen“) bekommen in Afrika Frauen eine Schulbildung, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Familien unterstützen zu können. Viele der Frauen haben bereits schlechte Augen, erklärt Dorothe Hilse - und nicht selten teilt sich eine ganze Schulklasse eine einzige Lesebrille. Wenn es denn überhaupt eine gibt. Ein Optiker vor Ort sei unbezahlbar für die Frauen und so könne man sich mit alten Brillen aus Deutschland zumindest behelfsmäßig das Leben erleichtern.

Zunächst startete Dorothe Hilse über das soziale Netzwerk Facebook einen Aufruf und dann folgte der Artikel in der OP. Noch am Morgen des Erscheinens gingen die ersten Mails ein. Privatpersonen, die ein paar alte Brillen abzugeben hatten, wollten Dorothe unterstützen und flugs sammelten sich die Kartons und Tüten.

Optiker in der Oberstadt füllt ganzen Karton

Die Philipps-Apotheke in der Nachbarschaft von Dorothe erklärte sich bereit, Brillenlieferungen entgegenzunehmen, während die Studentin in der Uni ist. Und der Optiker Unkel hatte eine riesige Kiste vorbereitet - so riesig, dass Dorothe sich zwei Kommilitonen als Träger organisieren musste.

Das Geschäft in der Marburger Oberstadt hatte bereits früher die alten Brillen seiner Kunden einem guten Zweck zugeführt, allerdings besteht der alte Kontakt inzwischen nicht mehr. Das Engagement von Dorothe Hilse kam für Inhaberin Jutta Merte nun also wie gerufen. Die fragte genau nach, wie die Brillen nun jetzt nach Afrika kommen und dort verteilt werden.

Was den Transport angeht, ist Dorothe Hilse auf weitere Unterstützung angewiesen. Zunächst lagern die knapp 500 Brillen, die inzwischen bereits zusammengekommen sind, in ihrer alten Heimat in Nordrhein-Westfalen. Von dort sollen sie nun möglichst schnell nach Afrika gebracht werden - wo man sie schon sehnlichst erwartet. Und auch Dorothe wird bald wieder dort sein.

Im Oktober geht es für die 22-Jährige nach Südafrika. Zunächst besucht sie Freunde in Johannesburg und ab November absolviert sie ein sechsmonatiges Praktikum bei der deutschen Botschaft in Pretoria.

von Nadja Schwarzwäller

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